Psychic Ills – One Track Mind

von am 20. Februar 2013 in Album

Psychic Ills – One Track Mind

Manche Bücher wollen eben doch nach dem Cover beurteilt werden – und manche Platten auch. Womit man es bei Psychic Ills zu tun hat, verrät nämlich bereits der Bandname – und dass die dazugehörige Qualität stimmt, die Corporate Identity-Verpackung von Sacred Bones Records.

Das Label aus Brooklyn, New York ist neben The Men, Slug Guts und anderen impulsiven Rock-Rabauten mit spezialisiertem Hang zur Psychedelik seit dem knapp zwei Jahre alten ‚One Track Mind‚-Vorgänger ‚Hazed Dream‚ eben auch für Psychic Ills verantwortlich. Eine so klassische Faust-aufs-Auge-Kombonation, wie die eifrige fünfköpfige Band auch auf ihrem vierten Langspieler vor allem eine Genre-Spezialität bleibt. Eine, die man ohne die Eckpfeiler der Psychedelik-Schiene (also etwa wabbernde Orgeltöne und ausfransend zirkulierende Szenarien; weit offene Gitarrensoli ohne Anfangs- und Endpunkt; verschlafener Gesang ohne konkretes Ziel; tranceartige Wiederholungen der benutzen Motive und reichlich Räucherstäbchenduft in den effektlastigen Feedbackluft) zu mögen auch kaum wahrhaftig lieben können wird.

Andererseits setzen Psychic Ills den bereits auf ‚Hazed Dream‚ eingeschlagenen Weg konsequent fort: klare Songs werden aus dem tranceartigen Soundsumpf gezogen, eindeutig erkennbare Konturen aus Drones geformt und dazu noch in wohldosierte Längen mit Melodieführungen gebracht – von den gerne einmal rein rhythmuslastigen und über 10 Minuten dauernden Spacerock-Schwaden, die noch vor 3 Jahren auf der ‚Astral Occurence‚-EP maßgeblich waren, ist auf ‚One Track Mind‚ jedenfalls kaum mehr etwas unverfälscht übrig geblieben. Stattdessen eröffnen Psychic Ills aussagekräftig mittels ‚One More Time‚, einem prägnanten und beschwingten Gitarren-Schrammelpop mit fetter Sonnenbrille, der so auch auf das letztjährige The Men-Werk ‚Open Your Heart‚ gepasst hätte. Nicht die einzige Parallele zu den Labelkollegen und deren vermeindlichen Umbruchalbum. ‚See You There‚ macht weiter zwischen Primal Scream, The Velvet Underground und Stones im Kanabisrausch, bewegt sich elegisch um seine geschmeidige Hookline. Soviel Coolness und Zurückgelehntheit hätten Disappears wohl zuletzt hin und wieder ausstrahlen wollen – Psychic Ills vergessen bei all dem Heroin Chic aber eben (diesmal) nicht auf den Song hinter dem Pokerface. Liegt vielleicht am geborgten Stooges-Piano (hier natürlich mit reichlich Valium niedergespritzt), welches immer wieder in die fünf Minuten stolpert.

One Track Mind‚ lässt seine elf Nummern also ohne Zwang trippig driften und treiben, wohin sie wollen – meistens in liegender Position mit reichlich Rauch in den Lungen – selbst die sterilsten Wohnungen lässt dieser Soundtrack zur freundlichen Drogenhochburg werden. So plätschert ‚One Track Mind‚ unaufdringlich, gefällig und meistens auch geradezu beiläufig an potentiellen Ohrwürmern vorbei – schon subtile Akzente außerhalb des restlichen Rahmens werden markant. ‚FBI‚ wirkt musikalisch für wenige Momente geradezu pointiert und klar, allerdings eben nur, bis Tres Warren aus den losen Halluzinations-Geflecht zu singen beginnt. ‚Tried To Find It‚ mutiert zum unergründlichen Orgelmeer, dagegen ist ‚I Get By‚ ein beinahe punkiger Rocker, zumindest einer der muntersten Traumtänzer der Platte – interessant, was aus dem Song mit dem Biss des Black Rebel Motorcycle Club  geworden wäre. Und ‚City Sun‚ macht dann mit seiner Mundharmonika und Folkgitarre gleich einen auf Bob Dylan, ist aber letztendlich so unverkennbar Psychic Ills wie die bruzelnde Arbouretum-Gitarre aus ‚Depot‚.

Grund zur Eile besteht natürlich in keinem dieser Fälle und ohnedies grundsätzlich nie: Psychic Ills entspannen mit glasigen Augen und liefern relaxte Rocksongs, die zu jedem Zeitpunkt zugedröhnt wirken, in Zeitlupe ablaufen und absolut keine Dringlichkeit kennen – Neil Michael Hagerty (Royal Trux und The Howling Hex) erscheint als Gast und wird vollständig assimiliert. Geradezu hippieske Musik also, wie etwa Wooden Shjips oder das Unknown Mortal Orchestra sie ähnlich zelebrieren, nur will/soll das Psychic Ills nicht immer ähnlich fesselnd gelingen. Dafür entstehen fulminante tonale Trips, die Spannungen abbauen wollen anstatt sie zu kreieren. Auch gut. Manchmal sogar noch besser: ‚One Track Mind‚ ist nämlich vor allem ein Album für nicht jede Gelegenheit. Trifft das vierte Psychic Ills Album jedoch den idealen Augenblick abseits der stimmigen Hintergrundbeschallung, entfaltet es seine Wirkung als Funktionsmusik nahezu optimale. Dann ist auch diese Dreiviertelstunde eine Faust-aufs Auge-Geschichte.

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