R. Ring – War Poems, We Rested

von am 6. Februar 2023 in Album

R. Ring – War Poems, We Rested

War Poems, We Rested: Satte sechs Jahre nach dem etwas schwammigen Debüt Ignite the Rest bündeln Kelley Deal und Mike Montgomery ihre schrulligen Indierock-Kompetenzen für ein zweites R. Ring-Album.

Zu attestieren, dass War Poems, We Rested deutlich kompakter komponiert und zugänglicher sowie direkter inszeniert als sein Vorgänger ist, muß bitte relativ verstanden werden: Immer noch behält sich das Songwriting der Achse R. Ring (Breeders-Schwester Deal braucht man wohl nicht vorstellen; Montgomery ist der Candyland Recording Studio-Besitzer und Mitglied von Ampline) eine fast fragmentarische Skizzenhaftigkeit im Songwriting und eine herrlich neben der Spur fesselnde instinktive Schludrigkeit bei.
Dass sich R. Ring soweit weg von den beiden angestammten Hauptbands seiner Protagonisten (die hier einmal mehr von Schlagzeugerin Laura King von Bat Fangs begleitet werden, die ihrerseits auch für einige Arrangements verantwortlich zeichnet) bewegt, wie es der Beipackzettel  des Debüts attestierte, trifft aber zumindest nicht mehr zu, wenn sich gleich Still Life fast dramatisch und theatralisch in bester Breeders-Manier aufbäumt, um dann schunkelnd und rumpelnd und leiernd und bimmelt in launiger Kontemplation zu schwelgen: „All I want is a cigarette, and someone to pay the rent.
Im kontemplativer getragenen Schlurfen von Likeable skandieren die beiden Partner später mehrmals „I consider myself very likeable“ und haben damit nicht nur Recht, sondern zementieren mit einer Prägnanz im Flüchtigen inmitten einer aus der Zeit gefallene Ästhetik auch das Gespür für so lässig hingeworfene Zeilen, die griffig hängend bleiben.

Warum R. Ring (trotz theoretischem Szene-Promibonus und entsprechender Songs) gefühlt abseits des Radars der öffentlichen Wahrnehmung stattfinden, bleibt insofern ein Rätsel – es ist tatsächlich alles da, um das Indie-Herz zu wärmen (ohne es in Begeisterung zu versetzen, zugegeben). Und das mit einer feinen Bandbreite und Variabilität – stets ein paar Zentimeter von richtig großen Songs entfernt, die aber weniger verpasst, als vielmehr bewusst links liegen gelassen werden.
Hug poltert straighter in der unangestrengten Lässigkeit der Nonchalance und Stole Eye platzt ruppig aus zurückgenommen Falsett-Reduktion von Montgomery auf. Exit Music pflegt ein warmes, ambientes und flächiges Halluzinogen, dessen Avantgarde-Heimeligkeit ein latent atonales Geklampfe flirrend in melancholische Trance versetzt. Cartoon Heart / Build Me a Question ist flotter und zügiger ausgerichteter knackiger Rock’n’Roll mit twistendem Verve, derweil Def Sup (vor der dissonanter ausfransenden Liebe der schrubbenden Gitarre) auf einen entwaffnend bauchigen Bass-Groove a la funky Warpaint setzt und auch Volunteer ähnlich, nur gedrosselter, seinen Art- und Post-Punk mit einem betörend ziellosen Sedativum becirct.

Am besten sind aber zum einen die in sich gehenden Momente der Platte – wenn Embers on a Sleepwalk bezaubernd abseitig die traurige Klavier-Ballade andeutet oder in Lighter Than a Berry ein bekümmert schreitender Montgomery eine tapfere Aufbruchstimmung im Subtext zeigt, aber offen lässt, wo eine Anklage zur Durchhalteparole wird – und zum anderen die generelle Attitüde von R. Ring, die beteiligten Egos komplett auszublenden und im Sinn der Sache agieren zu lassen. Symptomatisch dafür endet War Poems, We Rested deswegen mit dem Beinahe-Titelstück War Poems in Form eines anmutig-versöhnlichen Instrumental, das als ruhig und bedächtig der Schönheit nachforschende Postrock- Nachdenklichkeit ganz Cellistin Lori Goldston gehört. Was für ein stimmiger Abschluss für eine charismatische Fingerübung von einem sympathisch geerdeten Album ohne jedwede Eitelkeiten.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen