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Eine weniger chaotische, publicityperfektioniert impulsive Veröffentlichungsgeschichte hätte man sich kaum ausdenken können; und nichts hätte optimaler zum wahnwitzigen 'The Life of Pablo' gepasst. Stand der Dinge: Unzählige Terminverschiebungen, Artwork- und Titelwechsel, gecancelte Vorabsongs, eine an Absurdität kaum zu überbietende Releaseparty und aufgesetzte Twitterproduktionen später ist das siebente Kanye West-Werk da - zumindest in seiner vorübergehenden Form -, aber entgegen aller Ankündigungen eher nicht das beste Album aller Zeiten.
Zumindest nahezu die komplette Eröffnungsphase - also drei uninspiriert auf Autopilot an der Langeweile vorbeischrammende Songs in 22 Minuten - benötigen die beiden eigenbrötlerischen Kumpels Mark Kozelek und Justin Broadrick, um sich aus einer gewissen Redundanz zu lösen und einander anzunähern. Was vor allem insofern ermüdend ist, weil die gemeinsame Kooperation danach zumindest einiges hält, was man sich vorab vom Gipfeltreffen von Sun Kil Moon und Jesu versprechen konnte.
Kele Okereke ist für 'Hymns' nicht nur die halbe Stammbelegschaft abhanden gekommen, sondern weitestgehend auch das Gespür für zwingenden Melodien und treibende Songs, die Bloc Party einst auszeichneten. Insofern war es keine schlechte Entscheidung, äußerst durchwachsene Vorabsingles zu entsenden und die schlimmere davon nun auch an den Beginn eines zweifelhaften Albums zu stellen.
Es stand zu befürchten: Das zwar belanglos aber durchaus nett in die Melancholie plätschernde 'Ghost Stories' war nur ein kurzes Zucken in eine willkommene Richtung, denn gerade die dort aus dem Rahmen fallende Avici-Produktion 'A Head Full of Stars' hat die Perspektiven für Chris Martin und Co. und ihr vielleicht letztes Studioalbum offenbar wieder gerade gerückt. Coldplay wollen als seelenlose Popband mit immanenter Chartabhängigkeit in Erinnerung behalten werden.
Coheed und Cambria entschlacken ihren Sound auf 'The Color Before the Sun' mit regelrecht euphorisierender Effizienz vom Ballast des überbordenden SciFi-Konzepts rund um den Armory Wars-Epos. Und plötzlich ist der Blick frei auf die rockige Powerpop-Ader der Band, in all ihrer infektiösen Schmissigkeit.
Die Bandachse zwischen den zwei Indie-Mächten festigt mit veränderten Grundpfeilern ihre Basis: Nach dem jüngst getätigten Pfarmers Einstand 'Gunnera' von Bryan Devendorf und Dave Seim lässt nun Ex-Menomena-Vorstand und Ramona Falls-Kopf Brent Knopf das The National-Ausnahmebariton Matt Berninger durch ein sympathisch umhertollendes Stück an liebenswert-leichtgängigen Ohrwürmern schweben.
Auch ohne Frontmann Jónsi bleibt die Sigur Ròs-Rhythmussektion um Georg Holm und Orri Páll Dýrason aktuell erstaunlich produktiv: gemeinsam mit Tourgitarrist Kjartan Holm und dem arivierten Soundtrack-Kumpel Hilmar Örn Hilmarsson liefern Circe die Untermalung für die BBC-Zirkus-Dokumentation The Show of Shows.
Chris Cornell schwimmt nach dem in die dicke Hose gegangenen Timbaland-Trip 'Scream' zurück, sogar bis in unbekannte Gefilde: Spartanisch in Szene gesetzt funktioniert das harmlose Lovesong-Kompendium 'Higher Ground' als intimer Acoustic-Pop auf einer liebenswürdigen Ebene, die noch keine Platte des Soundgarden-Frontmannes ausgestrahlt hat.
Während nahverwandte Kollegen wie Kadavar, Vintage Caravan und vor allem natürlich Blues Pills der wahrscheinlich besten Vintage-Rockband der jüngeren Vergangenheit immer dichter auf die Pelle rückten, haben Graveyard selbst sich vor ihrem nächsten Karriereschritt erst einmal einer verinnerlichten Standortbestimmung unterzogen, ihr Gruppengefüge neu geordnet und dem Nachfolger zu 'Lights Out' vor allem Zeit gelassen.
Auf den Fehltritt folgt der stilistische Rückschritt, der mehr noch als in die richtige Richtung vorerst endgültig in die Banalität führt: Editors verbinden auf 'In Dream' die elektronisch-unterkühlte 80er-Ästhetik von 'In This Light and on This Evening' mit der poppigen Beliebigkeit von 'The Weight of Your Love'.










