The Soft Pink Truth – Why Do the Heathen Rage?

von am 16. Juni 2014 in Album

The Soft Pink Truth – Why Do the Heathen Rage?

Wenn House mit Black Metal penetriert dann entsteht das, was Drew Daniel (Matmos) mit Kollaborateuren wie Antony, Jenn Wasner (Wye Oak), Terence Hannum (Locrian), der zweiten Hälfte von Matmos, M.C. Schmidt und Owen Gaertner (Horse Lords) als ein profanisiertes Metal-Tanz-Album produziert hat.

Alben, die voll mit Coverversionen sind scheinen Drew Daniel alias The Soft Pink Truth zu liegen: 2004 veröffentlichte er Do You Want New Wave (Or Do You Want The Soft Pink Truth?) – der Titel ist eine Referenz auf die Minutemen – auf dem er Punk- und Hardcore Nummern im House-Gewand interpretierte. Nun legt der Mann ein Album vor, auf dem er sich seiner Auslegung von Black Metal Songs widmet, treffend angekündigt im Album-Untertitel: Electronic Profanations of Black Metal Classics. Schon im Vorfeld wurde auf Pitchfork fleißig gehypt und der sogenannte Hipster Black Metal geht nun in die nächste Etappe. Das Bemerkenswerteste an diesem Album ist die Tatsache, dass der bekennende Black Metal Fan Daniel eine längst überfällige queere Sichtweise auf das zwiegespaltene, unrühmliche und andererseits interessante Phänomen dieser Metal-Spielart abliefert und so den Diskurs über die Widersprüchlichkeit und die Fragwürdigkeit der Haltung gewisser Akteure befeuert. Daniel entdeckte damals in den 90ern in San Francisco Black Metal: „I was seduced by black metal early on, just by the aggressive rawness and monotony of the sounds.“

Ich sehe mich nicht als Black Metal Connaiseuse, fasziniert darf ich aber sein von den norwegischen und anderen Schmerzensmännern, Waldläufern und Wahnsinnigen, was sicher dafür spricht, dass ich gleich ohne Vorurteile die erste Single ‚Black Metal‘, das Original stammt von den Urvätern Venom, angehört habe. Denn als Black Metal-Head hasst man vermutlich dieses Cover, noch bevor man es gehört hat. Aber ja: es bewegt, und wie. Es ist tanzbar und das Video zur Single ist mit netten Symbolen vollgepackt, Drew Daniel beherrscht die Kunst des Corpse Paintings und des T-Shirt-Sammel-Kultes. Alles in allem ist das Projekt, die Single, das Album-Cover von Mavado Charon (penetrierende, masturbierende und sich selbst verstümmelnde und einander tötende Black Metal Guys) eine geile Angelegenheit. Eine ambivalente mithin, Drew Daniel selbst meinte im Pitchfork Interview, dass es wohl nicht wirklich eine Klientel für die Geschichte geben wird: „Black metal people aren’t going to like this album because it’s faggoty disco, but actual dance music people aren’t going to like it because it’s weird people screaming about Satan.“

Der erste Track ‚Invocation For Strength‘ ist ein von Daniel und Anthony Hegarthy gesprochener Text aus dem Werk Witchcraft and the Gay Counterculture des Gay Aktivisten Arthur Evans. Daniel liebt es manifest-ähnlich, was nicht nur der Formulierung einer Rechtfertigung dient: im Vorfeld wurde ein Press Release veröffentlicht, der mit dem Satz „The Soft Pink Truth hereby abjures black metal homophobes, racists, and Nazis categorically and absolutely: MAY THIS CURSE BIND! Remember Magne Andreassen!“ endet. Magne Andreassen wurde in einer Nacht im Jahre 1992 von Faust, dem Drummer von Emperor, in dem auch als Cruising Area bekannten Olympischen Park in Lillehammer erstochen. In den Liner Notes finden wir “Confessions of a Former Burzum T-Shirt Wearer”, in dem Daniel  darüber schreibt, was es heißt schwul und Black Metal Fan zu sein. Daniel beschäftigt sich mit der der vagen, gewaltbereiten mit Homophobie, Misogynie, Mord und Faschismus gespickten Geschichte des Genres. Ein Burzum Cover ist nicht auf dem Album zu finden, jedoch auf Soundcloud: ein 25minütiges Cover von Rundgang unterlegt mit Timbaland-esquen Beats, mit dem Untertitel ‚Fuck Varg’s Racist, Anti-Semitic Bullshit Politics Forever!‘. Ein Versuch, die imanent in dem Ambient-Track schlummernden rassischen Codes zu zerstören, meint Daniel selbst.

Die Coverversionen haben durchaus eine Legitimation, sie waren für alle Beteiligten ein Herausforderung. Black Metal ist ein irrsinniges Potpourri aus 90s Trash und verfremdetem Sprechgesang, ‚Sadomatic Rites‘ (Original von Beherit) ein homoerotisches Liebäugeln mit der Stadt Sodom und der Vorstadt Disco, ‚Ready To Fuck‘ (Original von Sarcofago) könnte ein Gay House Klassiker vollgepackt mit dunkler Sexualität im Porno-Kino sein und ‚Satanic Black Devotion‘ (Original von Sargeist) könnte ein von Black Sabbath entwickelter Indie-Dance-Tune mit Snaps The Power Sample sein. ‚Beholding The Throne Of The Might‘ (Original von Darkthrone) war die Initialzündung zur Album-Idee. Daniel sprach eines Abends mit Hunter Hunt Hendrix von Liturgy und verband die Textzeile „When Hell calls your name, there’s no way back“ mit dem klassischen House-Track No Way Back von Adonis. So auch geschehen bei ‚Let There Be Ebola Frost‘ (Original von An) mit Jenn Wasner (Wye Oak) an den Vocals, wo Chuck Roberts Vocals ‚Let There Be House‘ mit den Black Metal Lyrics penetrieren. ‚Buried By Time And Dust‘ (Original von Mayhem), ‚Maniac‘ (Original von Hellhammer) mit Drum’n’Bass Anleihen und ‚Grim And Frostbitten Gay Bar‘ (Original von Impaled Northern Moonforest) sind ebenso Verschmelzungen von Dance Tracks und netten Beschwörungen von Tod und Verderben.

‚Why Do The Heathen Rage?‘ gelingt die versponnene und freakige Mischung, ein Bastard-Tanz-Album für die nächste queere satanistische Riten-Party in eurer Wohnung. Mit den Worten von Drew Daniel: „I wanted to be a kind of Satanic serpent that sneaks in the Garden of Eden of black metal and fucks with it, takes the sacred bands, like Mayhem and Darkthrone, and trashes them. I mean, it’s a trashing that’s born out of love, but it’s also born out of a desire to provoke and piss off.“

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