Sunami – Sunami

von am 14. Juni 2020 in EP

Sunami – Sunami

Sunami scheinen in Szenekreisen auch eine hemmungslose Debatte darüber zu entfachen, wo aktuell die Grenzen zwischen Metalcore, Beatdown Hardcore und Slam Death Metal verlaufen. Abseits davon positioniert sich die Hype-Gang aus San José aber mit ihrem selbstbetitelten EP-Einstand unmissverständlich.

Wie auch das explizite, den Nerv des amerikanischen Jahres 2020 vorwegnehmende Artwork des Kurzformates, (über)steigert Sunami zudem in musikalischer Hinsicht praktisch mühelos das mit Demonstrations im Vorjahr etablierte Muskelspiel der Schwesterband von Gulch: Massive Riffs brechen am vor fetter Heaviness walzenden Rhythmus, primitiv und absurd unreflektiert auf Radau gebürstet. Alles hier muß moshen, bis die Knöchel bluten, in Zeitlupe den Magen aushebelnd oder rasend, Hauptsache die Dynamik bleibt atemlos. Das Tempo wechselt vom malträtierenden Downbeat-Nackenbrecher dafür unmittelbar auf die Kerosin-Überholspur, tackert bis zum gröhlenden Mahlstrom-Finale, Gefangene sollen andere nehmen.

Die skandierenden Stimmbänder schreien sich dazu im Exzess die (ignoranten?) Aggressionen hinaus, egal ob es um Cops oder Cyber-Mobbing geht. So vulgär und bewusst klischee-intensiv, dass zwischen den Vorschlaghammer und brachialen Humor keine „Bitch“- und „Pussy“-Zeilen mehr passen, sie lauern dennoch hinter jeder Ecke. Das Hirn kann vor lauter zurückgebliebener Plakativität in jedem Fall ausgeschaltet werden, unzählige zitierbare Brechstangen folgen nach zahlreichen Weisheiten („There’s two types of people in this world/ You’re either from the bay, or your a bitch!“). Am besten wohl jene, in der die Frage nach der Tough Guy-Persiflage das Zielvisier kurzerhand auf die eigene Nahverwanschaft richtet, ohne sich ernst zu nehmen: „Fuck you and your Gulch-Hoodie!

Das wird fraglos nicht jeder amüsant finden. Doch lässt man sich auf die Wellenlänge des vordergründig tumben, kompositorisch aber verdammt zwingenden Sunami-Style ein, machen diese 8 Minuten schlichtweg so verdammt viel Bock, sind infektiös und süchtig machend, weil zahlreiche Hooks hängen bleiben und nicht nur das Schlagzeugspiel kompakt-prägnante Kompetenz zeigt, die freigesetzte Energie ohne Reibungsverlust aus den Boxen überspringt. Dieser Hype hebt also vielleicht auf den ersten Blick den Stumpfsinn auf ein Podest und lässt den IQ gefühlt auch wirklich schrumpfen, fühlt sich als hemmungsloses Katharsis-Workout dabei aber auch überrschend gut an.

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