Sunami & Gulch – Split

von am 4. März 2021 in EP

Sunami & Gulch – Split

Das sorgt trotz Hype-Eichung nicht zu unrecht für Schnappatmung und feuchte Höschen in der Hardcore-Szene: Gulch und ihre Kumpels von Sunami treffen sich mit je zwei Songs zum Split-Pit.

Gulch halten dabei nicht nur das Niveau von Impenetrable Cerebral Fortress – die beiden neuen Nummern hätte das zu knapp bemessene 2019er-Debütalbum substanziell auch insofern aufgewogen, indem die Masse ergiebiger und erschöpfender ausgefallen wäre. Gerade Bolt Swallower trumpft als Killer ordentlich auf, artikuliert seine Kampfzone über vier Minuten als agressiver Splitterkrieg im Hardcore mit zahlreichen Richtungsänderungen: Das rührt sich erst heavy und gemein an, stolziert dann martialisch und schwerfällig bellend, stampfend und würgend, taucht dann mit viel Elan gelöst umso ausgelassener an und tackert mit psychotischen Riffs, schwurbelnd, ein wenig wie frühe Converge im Pulling Teeth-Modus – und zermalmt seine Gitarrenarbeit im Slo-Mo-Nackenbrecher  bis zum offen-nostalgischen, ja regelrecht friedlich und versöhnlich in sich nachhallenden Finale.
Accelarator ist dagegen wetaus geradliniger, ein wilder Tritt aufs Abrissbirnen-Gaspedal, das mit wechselndem Zug nach vorne knüppelt und tackert, der Kerosin-Einspritzung im Ringelspiel zur Mitte auch ein bisschen melodiös-epische Patina angedeihen lässt, vor allem aber schön kompromisslos räudig Wut abbaut und von seinen beißenden Vocals profitiert.

Die affigen Goon-Proleten von Sunami packen dazu passend eine beinahe feingeistige Klinge im Songwriting aus, zumindest waren ihre Beatdown-Metalcore-Attacken schon einmal stumpfer (was bei dieser Band übrigens nicht negativ gemeint ist!).
Die Slow startet als Ansage, nimmt sich dann aber Zeit, bevor die schweren Riffs mit böser Tough Guy-Breitbeinig im Testosteronrausch geschoben werden und der Twist zur Tempo-Hatz als Variation eines Standardmotivs nicht weit ist. Eindrucksvoller und gefinkelter ist aber Step Up, das seine Brachialität zum knüppelnden Slamdance lenkt, ballernde Blast-Attitüden drosselt und hinten raus noch einmal galoppierend die Nackenmuskeln flext, bis die brutale Psychose quietschend angezogen wird. Vielleicht war die Band auf ihrer selbstbetitelten EP noch unterhaltsamer – dass sie ihren MO nicht zwangsläufig schnell abnutzen wird, lässt sich hier aber besser erhoffen.
Derweilt ist es freilich Ehrensache, dass die Kooperation der beiden auch personell überschrittenen Bands aus Kalifornien physisch (auch in Europa) mal wieder in zu knapp produziertem Vinyl aufgelegt wurde – digital sorgt allerdings zumindest Bandcamp für eine reguläre Verfügbarkeit.

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