Trash Talk – No Peace

von am 10. Juni 2014 in Album

Trash Talk – No Peace

Dass Trash Talk das Hardcore-Korsett gerne zu eng wäre weiß man spätestens seit die Derwische aus Sacramento für ‚119‚ bei Odd Future Records unterschrieben und gemeinsame Sache mit Tyler, the Creator machten. Auch Studioalbum Nummer 5 ist abseits seines irritierenden Rahmens vor allem ein wertkonservatives Stück Moshpitkatalysator geworden.

Es bleibt letztendlich unklar ob ‚No Peace‚ eine Dokumentation des unterdrückten Wunsches zur Weiterentwicklung ist und somit vor allem eine unter ihren eigentlichen Möglichkeiten agierende Platte geworden ist – oder aber der Beweis, dass Trash Talk trotz gehobener Qualitäts-Mindestansprüche ihr bestes Pulver vor Jahren verschossen haben. Der Drang mehr als „nur“ eine Hardcore/Powerviolence-Kapelle zu sein schlägt sich auf ‚No Peace‚ dreimal eklatant nieder: für ‚Stackin‘ Skins‚ holen Trash Talk King Krule (wie immer ein grandioser Symbiont) und Ratking-Chef Wiki (kann seine Skills hier nur holprig auslegen) an Bord und zimmern daraus ein durchaus stimmigeres Amalgam aus Rap-Parts und Slamdance-Schrammen (obwohl ähnliches andere Bands schon viel früher noch besser hinbekommen haben); dazu wird die Platte von ‚Amnesiatic‚ und ‚Reprieve‚ eingeschlossen – zwei von Hip Hop Producer The Alchemist zusammengeschraubten Instrumentals, die sinister pulsierend durchaus spannend Richtung Industrial marschieren und wabbern. Beide Exkursionen gelingen – dennoch schafft es ‚Stackin‘ Skins‚ nur als Bonustrack hinter den Albenkontext, und der fremdgehende Rahmen hinterlässt zwischen den zwölf Songs die zwischen dem Opener und dem Closer stattfinden absolut keine Spuren: ‚No Peace‚ ist innerhalb seines Rahmens wieder „nur“ eine typische Trash Talk-Hardcore-Schlachtplatte geworden.

Nicht ohne durchaus tolle Einfälle: in ‚Nine Lives‚ wird die shreddernde Noiserockgitarre ausgepackt, für ‚Monochrome / F.F.S.‚ verbeugt man sich vor Minor Threat. Die kalte Leadgitarre ins ‚Leech‚ wird ein wenig unter Wert verkauft, weil Trash Talk lieber eine gemeine Menge Stadionpotential in den Song hämmern und generell ist ‚No Peace‚ markanter in den Hooks und deutlich eingängiger ausgefallen als ‚119‚ – vor allem ‚Cloudkicker‚ als mit Abstand längster Song der regulären Trackliste ist spätestens wenn Basser Spencer Pollard im relativ unauffälligen Drumherum seinen schiefen Part eingrölt ein verdammter Ohrwurm; überhaupt sind die Momente wenn sich wie im riffrockenden ‚Jigsaw‚ oder ‚The Great Escape‚ die Bälle aus Shouts und Gebrüll zugespielt werden die hartnäckigsten Momente. Auch ist es immer noch beachtlich, wieviele Ideen Trash Talk in einem Song unterbringen können – wenn sie denn wollen. Denn auf der anderen Seite stehen dafür absolut unbedeutende Sprinter wie ‚Body Stuffer‚, die zwar ausmalen wie imposant das alles im Livegewand erst werden wird, auf Platte aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dem ganzen Reigen einen Anstrich der Beliebigkeit verpassen und in Verbindung mit der matschigen Produktion und dem dumpf die Dynamik attackierenden Sound schlichtweg hinter den Möglichkeiten dieser fulminanten Band bleiben, Potential verschwenden: in der hauseigenen Komfortzone haben Trash Talk nach dem nahezu makellosen ‚Eyes & Nines‚ eben nahezu alles bereits gesagt, zwingender, effektiver und fettfreier agiert – zu den aufgezeigten neuen Ufern bricht man allerdings auch diesmal wieder nicht auf. Das ändert freilich nichts daran dass man an ‚No Peace‚ trotzdem bis zu 32 Minuten Unterhaltung an rasender Katharsis finden kann – aber ebensowenig an der leisen Vermutung, dass sich die Band selbst gar nicht bewusst ist, dass sie mit dem Mittelweg zwischen einer für den Hörer kasteienden Selbstlimitierung und überdurschnittlich souveräner Routinearbeit vor allem sich selbst das Wasser abgräbt.

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