Van Morrison – Somebody Tried to Sell Me a Bridge

von am 9. März 2026 in Album

Van Morrison – Somebody Tried to Sell Me a Bridge

Nach dem endlich mit neuen Originalen auftrumpfenden 2025er-Highlight Remembering Now kehrt Van Morrison auf Somebody Tried to Sell Me a Bridge (bis auf ein paar wenige Ausnahmen aus der eigenen Feder) wieder zu seinem üblichen Cover-Beschäftigungsprogramm zurück. Auch (sehr) gut!

Business as usual bedeutet für den 80 jährigen Nordiren auf seinem 48. Soloalbum vordergründig eine Hinwendung zu zeitlosen Blues-Standards, die er mit seinen wie immer fabelhaften Begleitmusikern (u.a David Hayes, Bobby Ruggerio, Mitch Woods, Anthony Paule oder Larry Vann) im gewohnten instrumentalen Setting (Bläser, Mundharmonika, Backingladies etc.) sowie namhaften Gästen (Elvin Bishop, John Allair, Buddy Guy oder der einmal mehr kongeniale Taj Mahal) in gewohnter Manier umsetzt – überraschungsfrei, zuverlässig und mit unspektakulärer Klasse.

Dass Somebody Tried to Sell Me a Bridge mit 80 Minuten Spielzeit natürlich zu lang geratenen ist, stört niemals wirklich. Zum einen, weil diese Ausführlichkeit mittlerweile ja auch Tradition hat. Und zum anderen, weil Van Morrison die Bandbreite und Dynamik seines zeitlosen Sounds gleich zu Beginn unter Beweis stellt: Snatch It Back And Hold It ist beispielsweise catchy schmissig, das geschmeidige Deep Blue Sea salopp beschwingter Roadhouse Bluesrock, und Ain’t That A Shame ruhiger und melancholischer mit Americana und Soul flirtend – diese ungezwungene Variabilität in Tempo und Ton geht zu jedem Zeitpunkt locker von der Hand und verleiht Somebody Tried to Sell Me a Bridge sogar eine gewisse Art der Kurzweiligkeit.

Gerade im Sog von Remembering Now weckt es freilich aber besonderes Interesse, wie sich die insgesamt vier neuen eigenen Songs machen.
Nun, Monte Carlo Blues (eine gut abgehangen klimpernde, lässig groovende Beschallung für distinguierte Bars), Loving Memories (das ganz entspannt die generell so tolle Gitarrenarbeit der Platte zelebriert), das auf einen schön subtil beschwingten Rhythmus tänzelnde Social Climbing Scene sowie der mit einem schicken Beinahe-Voodoo-Vibe schlapfende Titelsong fügen sich gut in den runden Kontext ein, auch wenn sie das Niveau der Vorjahres-Nummer nur bedingt halten können. Aber das geht, gerade mit dem Blick auf das große Ganze, absolut klar.
Was jedoch gar nicht klargeht ist das Artwork: Dass die schier endlose Galerie aus grotesk schlechten Van Morrison-Albumcovern nun durch billigen AI-Ramsch erweitert wird, ist eine Zumutung.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen