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Various Artists – Ocean Child: Songs of Yoko Ono

Various Artists - Ocean Child: Songs of Yoko Ono

Gerade wenn man subjektiv nicht allzuviel mit der Musik der vielerorts verehrten Künsterin anfangen kann, bietet das von Edelfan Ben Gibbard kuratierte und produzierte Tribute Album Ocean Child: Songs of Yoko Ono mit seinen namhaften Gästen diplomatisches Potential.

Mit Ausnahme des diesbezüglich frech aus dem Rahmen fallenden Beitrag von Deerhoof (die No, No, No punkig am Temporad drehen lassen und zerhackt-gallopierend betont zerfahren nahe der Nervgrenze auf die avantgardistische Weirdo-Karte setzen) tun schließlich alle hier aufgefahrenen Verehrer und Verehrerinnen den Gefallen, den Pop in den Kompositionen der 89 jährigen zu suchen, anstatt das Experiment zu provozieren – was die versammelten 46 Minuten von Ocean Child: Songs Of Yoko Ono in Summe dann doch zu einem erstaunlich verträglichen Ganzen macht.
Auch gemein ist den Songs dabei neben einem relativ unprätentiösen Minimalismus in den Interpretationen allerdings auch der gebliebene Hang zur mitunter arg penetranten Repetition der Strukturen und Vorschlaghammer-Hooks. Wirklich ärgerlich ist das allerdings nur – und ausgerechnet – in Waiting for the Sunrise, weil Death Cab for Cutie an sich eine betont optimistische und lebensfrohe, kraftvoll jubilierend-schunkelnde Indierock-Nummer aus dem Stück gemacht haben.

Was gibt es also, der Reihe nach, auf Ocean Child: Songs Of Yoko Ono zu hören?
Sharon Van Etten reduziert Toyboat auf die bittersüße Melancholie am Klavier und Tamburin, addiert für den Refrain jenseits der Schüchternheit einen smoothen Groove und kommt damit ebenso zu einer grandiose Verneigung wie David Byrne mit Who Has Seen the Wind?, der mit der Unterstützung von Yo La Tengo (die später auch noch im famosen Alleingang für There’s No Goodbye Between Us sanft im Slowcore-Mondlicht zu Keyboard-Streichern durch Twin Peaks schwofen) einer nebulösen Folk-Psychedelik frönt, deren Hintergrund durch sanfte Percussion in einem schönen 50s-Fluss ist.
In Dogtown folgen die Vocals von Sudan Archives dem geschmackvoll tapsend-gezupften Geigen-Motiv und liebäugeln mit einem orchestralen Panorama, während Yellow Girl von Thao diffus abseitig groovend neben der Spur in Kopfstimme flüstert und fistelt – im Gegensatz zum Deerhoof-Beitrag gewinnt hier aber der Song an sich, nicht die Attitüde.
Ein Clusterfuck ist eigentlich auch Born in a Prison, doch so feierlich und jubilierend, opulent und intim, bimmelnd und herzig U.S. Girls die Angelegenheit angehen, und alleine mit dem megalomanisch-schusseligen Chor an die Flaming Lips erinnern, ist dann halt einfach sehr fein. Wayne Coyne und Co. sind später übrigens auch tatsächlich noch zugegen, um Mrs. Lennon als Trademark-Halluzinogen in den Weltraum zu schießen – was soll da schon schiefgehen?

Davor wird aus Growing Pain in den Händen von Jay Som aber noch ein Beach House’esker Bedroom Pop mit einfach gestrickter Drummachine, einer Akustik Gitarre und Synths, die wie eine nostalgische Erinnerung dem vorsichtigen Gesang folgen, während Magnetic Fields-Mann Stephin Merritt Listen, the Snow is Falling als sakral-pastoral pluckernden Minimalismus am Keyboard nahe des Ambient Pop zur Andacht macht.
We Are KING baut für Don’t be Scared eine ätherisch Lounge des Dreampop an der Grenze zum R&B und Japanese Breakfast setzt mit Nobody Sees Me Like You Do als zauberhaft-traurige Piano-Ballade ihre Hochform fort. Im Verbund mit Amber Coffman, deren entschleunigt ruhiges Gitarrenspiel eine Wehmut wie weniger exaltierte Dirty Projectors transportiert und Run Run Run als verletzliche Lo-Fi-Schönheit in Form bringt, sorgt dies auch für den anmutigen Ausklang von Ocean Child: Songs Of Yoko Ono, einem wirklich einladenden Tribut.

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