Willie Nelson – I Don’t Know a Thing About Love

von am 25. März 2023 in Album

Willie Nelson – I Don’t Know a Thing About Love

Album Nummer 73: Pünktlich zu dessen 20. Todestag (und kurz vor seiner eigenen irren Party zum 90er) erweist Willie Nelson Harlan Howard mit I Don’t Know A Thing About Love seinen wohlverdienten Tribut.

A Beautiful Time wurde im vergangenen Jahr ja vor allem als sehr formidables Abschiedsalbum wahrgenommen. Während es aber sowieso am schönsten ist, dass die Geschichte von Willie Nelson noch keineswegs beendet ist, schließt I Don’t Know A Thing About Love den Kreis sogar insofern noch ein kleines bisschen weiter: immerhin war Harlan Howard derjenige, der Nelson seinerzeit den ersten Job (bei Pamper Music) gab.
Aus dem umfangreichen Repertoire der Country-Songwriter-Legende hat sich die wohl noch größere Legende Nelson nun jedenfalls zehn Songs vorgenommen und mit seiner grandiosen Backingband unter der Regie von Buddy Cannon eingespielt.

Bei der Produktion der Platte liegt dann auch (wie schon zuletzt in dieser Konstellation) der subjektive Schönheitsfehler begraben, denn einmal mehr scheint Cannons Sound zu steril und glatt für Nelsons (hier und da nahezu glattgebügelt wirkende) Stimme, weswegen ein instrumental sparsameren Zugang mutmaßlich die emotional unmittelbarere Option zum Material gewesen wäre, wo I Don’t Know A Thing About Love so nun manchmal gar zu sehr auf Unterhaltung ausgelegt auftritt.

Gerade im ersten Drittel der Platte, in den beiden munter und beschwingt daherkommenden flotten Stücken Tiger by the Tail und Excuse Me (I Think I’ve Got a Heartache) (interessanterweise auch ausgerechnet die beiden von Buck Owens co-geschriebenen Nummern), fällt dies besonders auf, zumal das vorhersehbare Sequencing hier im Wechselschritt zwei feine nostalgisch -romantisch schippernde Nummern einschiebt – The Chokin‘ Kind und das ziemlich grandiose Life Turned Her That Way stehen übrigens schon auch exemplarisch für die kitschige Sentimentalität, die Cannon der Ästhetik generell reibungslos auf den sauberen Leib schneidert, und die vor allem im Schlager des gediegenen Titelsong-Stampfers sowie dem gemütlich plätschernden Finale aus Too Many Rivers und Beautiful Annabel Lee gar mit dem Schmalz liebäugeln.

Mit friedfertiger Mundharmonika und nonchalant klimpernden Klavier schaffen sich Nelson und Co. so eine gefällige Country-Komfortzone. Streets of Baltimore ist exemplarisch unaufgeregt und zeigt zurückgelehnt fabelhaft entspannte Musiker, die im lässig schlendernden Busted mit bluesigem Groove fast schon zum coolen Jam tendieren, derweil She Called Me Baby flapsig schunkelnd mit seinem etwas zu frontalen Refrain in der Bar abhängt.
So wirklich herausstechen will aus dem gefühlvollen, aber doch zu nebensächlich begleitenden, durch und durch routinierten Ganzen allerdings zu wenig – am herausragendsten bleibt dann bei aller Liebe doch das ziemlich grandiose Artwork von Micah Nelson.

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