Bloodhound Gang – Hard-Off

von am 26. Dezember 2015 in Album

Bloodhound Gang – Hard-Off

Unter dem Radar der allgemeinen Aufmerksamkeit abstinkend lässt es sich eigentlich auch ungehört ausrechnen, weswegen nicht einmal Hardcore-Fans auf dürftige Comeback ‚Hard-Off‚ gewartet haben dürften: unfassbare 10 Jahre hat die Bloodhound Gang gebraucht, um 5 der seit ‚Hefty Fine‚ erschienenen Interims-Singles mit ebenso vielen neuen Nummern zusammenzuschnüren.

Jetzt kann man natürlich eingangs mutmaßen, ob nach endlosen Ankündigungen einzig ein Blick aufs Bankkonto die Fäkal-Kirmesband dazu getrieben hat, endlich doch Nägel mit Köpfen zu machen; oder letztendlich damit argumentieren, dass der Zweck die Mittel heiligt, wenn ‚Hard-Off‚ Jimmy Pop, Evil Jared Hasselhoff, Hypeman Q-Ball und ihre beiden Erfüllungsgehilfen wieder dazu bewegen kann auf Tour zu gehen.
Für die 39 Minuten des fünften Studioalbums der Gang spielen diese Überlegungen allerdings erst einmal nur eine untergeordnete Rolle, hat sich der Hit-or-Miss-Charakter im Songwriting von Jimmy Pol über das vergangene Jahrzehnt doch noch einmal deutlicher herauskristallisiert – wobei die Höhen mittlerweile eben deutlich weniger markant ausfallen (eine potente Single wie zumindest ‚Foxtrot Uniform Charlie Kilo‚ sucht man vergeblich, von der Hitdichte eines ‚Hooray for Boobies‚ ganz zu schweigen), während die Tiefen ausführlicher (und zudem Richtung gefühlter Soloschiene) erkundet werden – und das Comeback abseits seiner eigentlichen Songmasse bereits durch sein unausgegorenes Mash-Up-Auftreten nervt.

Hard-Off‚ kann zu keinem Zeitpunkt eine schlüssig fließende Albumstruktur offenbaren, sondern wirkt wie das resultat zweier im ermüdenden Wechselspiel verschraubter EP’s: Einerseits sind da die weitestgehend energiefreien, aber nicht unschmissigen Nummern, in denen die Gang am ehesten auf alte Glanztaten verweist, wenn sie sich daran erinnern, dass sie straighten Ohrwurm-Rock am besten könnten – und andererseit die vorhersehbar konterkarierenden, aufdringlichen Elektroniknummern, die ohne Bandfeeling den Techno-Witz an ‚Uhn Tiss Uhn Tiss Uhn Tiss‚ am billigen Wohnzimmerkeyboard bis zum erbrechen neu zu variieren versuchen. Letztendlich ergibt das eine ambivalente Karambolage von einer Platte, die damit zwischen charmanten Bagatellen und billigen Ausfällen pendelt, erzwungenermaßen vereint durch den altbekannten Pennälerhumor der Protagonisten.

Ins Detail gehend macht da der tolle Opener ‚My Dad Says That’s For Pussies‚ den unkomplizierten Poprocker, geht auch ohne die Killercatchyness der alten Tage sofort ins Ohr, bleibt unspektakulär und macht kurzweilig Spaß. Der unaufgeregte Akustikgitarrenschunkler ‚American Bitches‚ ist mit seinem Barpiano sogar irgendwie herzig, während dem ‚Socially Awkward Penguin‚ immer wieder die Kraft auszugehen droht. ‚Uncool as Me‚ mag sich als Kooperation mit N*Sync-Man Joey Fatone am Papier als extrem bemühter Kalauer lesen, funktioniert jedoch als lockere Fingerübung durchaus als potentielle Weezer-C-Seite, luftig locker rockend passen sogar die Keyboardfelder ins Bild. Dabei ist es auf ‚Hard-Off‚ generell als schlechtes Zeichen zu sehen, wenn sich der Bandsound verabschiedet und die Synthies das Ruder übernehmen.
Dimes‚ geht so den Weg aller altbackener House-Nummern, die verzweifelt auf die Disco starren; Jimmy Pop muss sich gar keine Mühe geben gelangweilt zu singen, so uninspiriert und angestaubt wie das pumpt. Beinahe konsequent erscheinen dagegen ‚Clean Up In Aisle Sexy‚ (eine fett bratend gemeinter Techno-Dancefloor-Breitseite) oder ‚Diary of a Stranger‚ (ein waschechter 80er-Jahre-Synth-Song aus Düsseldorfer-Steckdose, der mit schwülstigem Dark Wave-Feeling eventuell Parodie sein will, im plakativen Kontext und trotz seiner bemühten Diarrhö-Lyrics geradezu unangenehm: im Rahmen einer Stand Up Comedy würde man dies eventuell als missglückte Sketch-Nummer durchgehen lassen). In ‚Chew Toy‚ rapt Pop dann über einen seltsam leer schimmernden Beat, die Arrangements dürften aus der Tonne kommen: Sein Gespür für Melodien hat er nicht verloren, sein Gefühl dafür diese auch in Szene zu setze allerdings schon. Der laufende Beat und die Hookline wirken nackt, „reduziert“ wäre das falsche Wort, unfertig trifft es eher. Auch ‚Think Outside the Box‚ ist nach derartigem Baukastenprizip zusammengeschustert: Beat, Effekte, spanische Gitarre, Rap, Kennedy-Sample – als hätte Pop den Songs aus dem Effeff zwischen Tür und Angel gebastelt. Das lieblose Artwork ist eben sinnbildlich.

Wenn ‚We’re Gonna Bring The Party To You‚ als unerwartet lauernder Basser zum Abschied beinahe eine Symbiose zwischen den beiden Stilen zum Abschied eingeht, als hätten Sum 41 ein seltsames Rap-Gebräu über den Tellerrand schwappen lassen, ertappt man sich für einen kurzen Moment tatsächlich dabei, sich ernsthafte Gedanken über die Platte zu machen: Wäre das Ausgangsmaterial von ‚Hard-Off‚ aufgespalten auf ein offizielles Jimmy Pop-Solo-Release und eine Interims-EP ohne ausgelutscht pubertäre Texte besser zur Geltung gekommen, als alles mit dem Vorschlaghammer mit dem Branding zu versehen?
Letztendlich egal. Denn genau dorthin – in die Egalität – wächst die Platte nach der auf den Erstkontakt einsetzenden Qualitätsschockstarre irgendwann. Dass sich für dieses kurzweilige, zurückgebliebene Theater offenbar keine Plattenfirma gefunden hat, erscheint schlüssig.
Und spätestens nach dem unnötigen Closer ‚Bumblebees‚ (ein getarntes zehn Sekunden Outro – bis zu Jimmy einem müden Zaubertrick) sind dann doch einige Dinge knapp vor dem 25 Jährigen Jubiläum gerade gerückt.
Ernst nehmen kann man die Band weiterhin nicht. Aber erstmals auch nicht einmal mehr insgeheim gut oder zumindest weitestgehend unterhaltsam finden. Denn diese unentschlossen zwischen leidenschaftsloser Vergangenheitsbewältigung und dünn die „Weiterentwicklung“ suchende Ballermann-Massenmobilisierung lässt jedweden grandios grenzdebilen Unterhaltungswert der ersten vier Alben vermissen, die bemühte Freakshows des mittlerweile 43 Jährigen Jimmy Pop dafür umso bemitleidenswerter erscheinen. Unfassbar aber wahr deswegen: ‚Hard-Off‚ ist eine Platte, die selbst der Bloodhound Gang nicht würdig erscheint.

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