Shudder To Think – Who Sent You?

von am 15. September 2026 in EP

Shudder To Think – Who Sent You?

Shudder to Think vollziehen ihr – irgendwo zwischen Indepentend-Jahren und Major-Label-Zugänglichkeit platziertes – Comeback weiterhin nur in kleinen, relativ risikofreien Schritten, machen deswegen aber auch anhand der drei Songs von Who Sent You? wenig falsch.

Wenn man der nominellen EP im Speziellen bzw. den bisherigen Veröffentlichungen der Dischord-Legende seit ihrer Reunion etwas vorwerfen muss, dann am ehesten, dass die die hier nachgereichten 9 Minuten mit der nur unwesentlich kürzeren Doppel A-Seite Thirst Walk / Playback aus dem vergangenen Jahr zusammengenommen ein noch runderes, ergiebigeres Ganzes ergeben hätten, als auf zwei separate Tranchen verteilt.
Unter dem Elektronenmikroskop mag dieser Schritt aber womöglich auch Sinn ergeben, wirkt das Material Who Sent You? im direkten Vergleich zur 2025er Single eventuell um das Quäntchen weniger locker und gelöst (und stimmlich assoziativ zu Earl Greyhound intonierend). Doch tatsächlich sind die Unterschiede natürlich marginal: Alles, was Zauberstimmen-Poet Craig Wedren, Nathan Larson, Adam Wade sowie die beiden Neuankömmlinge Clint Walsh und Jherek Bischoff bisher zusammen angepackt haben, klingt schlicht und einfach absolut typisch nach Shudder to Think – beinahe möchte man die „als-wären-sie-nie-weggewesen-Floskel bemühen.

Wie die Band auch simplen Motiven durch unorthodoxe Wendungen, ideenreich turnende Akzente und unkonventionelle Verzierungen charakteristisch neben die Spur lenkt und dem abstrahierten Sound aus Post Hardcore, Alternative Rock und Art Pop vermengt, ist jedenfalls immer noch unnachahmlich eigenwillig und sprießt ab dem ein bisschen folkloristisch um seine gefällige Eingängigkeit schunkelnden Titelsong gewohnt dramatisch, sirenenhaft, verquer und catchy.
Das Depeche Mode-Cover Something to Do schafft so den Spagat im Kontext erstaunlich straight zu wirken, im Vergleich mit dem Original aber gleichzeitig weitaus chaotischer zu agieren. So oder so machen sich Shudder to Think die Nummer auf wahrhaftig manische Weise glamourös komplett zu Eigen.
Am besten ist dennoch die ruhige, kurze, intim und still gezupfte Intimität Release the Ball, die durch hintergründige Drone-Schraffuren eine subversiv-offenkundige Schönheit mit beängstigenden Kanten und Ecken darstellt. Spätestens dann muss man sich keine Sorgen mehr machen, sollte die Band wirklich einen Nachfolger von 50,000 B.C. in Angriff nehmen.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen