Kurt Vile – Philadelphia’s Been Good to Me

von am 14. September 2026 in Album

Kurt Vile – Philadelphia’s Been Good to Me

Kurt Vile ist das in seinem Heimstudio OKV Central aufgenommene Philadelphia’s Been Good to Me („My bringing it all back home to Philly‘ record“) angegangen, als wäre es sein letztes Studioalbum.

Während der Auslöser für diesen Ansatz sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass das zehnte Album von Vile das erste ohne Rob Laakso ist – wobei sein 2023 verstorbener Langzeit-Partner auf Red Room Dub noch zu hören ist, das eine Aussicht darauf gibt, wie Real Estate als Instrumental-Band verschmitzt lächelnd mit Vintage-Synths die nonchalanten Ecken von Vice City bespielt hätten -, hört man die grundlegende Intention den 64 Minuten der Platte paradoxerweise gefühltermaßen gleichermaßen immer wieder wie gar nicht an.
Denn auch wenn Vile der ohnedies so superben ersten Hälfte mit Chance to Bleed auch eine erstaunlich direkte poppiger Griffigkeit in Form eines Ohrwurms zwischen Bowie und den Stones spendiert hat, die als endloser Chorus mit rappenden Passagen als Paradebeispiel für die unkonventionelle Struktur des Songwritings wohl sogar den größten Hit des Slackers seit Jesus Fever darstellt, hat er grundlegend nichts an seiner bewährten Formel geändert.

Philadelphia’s Been Good to Me zelebriert exakt jene mäandernde Ziellosigkeit und relaxte Lethargie, die der 46 jährige entlang unverbindliche plätschernder Melodien zu seinem Trademark gemacht hat – niemals ganz greifbar in einer Grauzone aus unmittelbarer Vertrautheit, sofort wieder vergessen scheinender Gefälligkeit und süchtig machenden Anziehungskraft dösend, wobei der unnachahmliche Flow diese Mischkulanz in den richtigen Augenblicken mühelos als beste Sache der Welt erscheinen lassen kann.
Exemplarisch dafür steht beispielsweise gerade Rock o‘ Stone: Die Variation einer Nummer, die Vile seit dem sein schaffen definierenden Wakin on a Pretty Daze schon unzählige Male geschrieben hat, die aber ein ums andere Mal essentiell erscheint, und scheinbar ewig in unaufregbarer Monotonie dahinlaufend theoretisch viel zu lange dauert, in seiner hypnotischen Zen-Haftigleit praktisch aber auch gerne noch endlos weitergehen dürfte.
Während man in dieser eigentlich vollends überraschungsfreien Zone der zuverlässigen Gewohnheit immer wieder über kleine Akzente stolpert, die Philadelphia’s Been Good to Me in einer Retrospektive tatsächlich als würdiges Abschlusswerk positionieren würden, wächst sich die Platte nach und nach sogar zu einem von Viles besten Langspielern aus.

Zoom 97 schunkelt weich und warm um seine Harmonieseligkeit, die in You Don’t Know Cuz It’s My Life mit Rob Schnapf am Shaker in noch höherere Lagen gestikuliert. 99 BPM hängt dagegen bluesiger zum Americana tendierend ab und das Titelstück Philly’s Been Good to Me hat einen latenten 80er-Springsteen-Vibe und in Zeitlupe stacksender melancholischer Petty-Romantik – ein Instant-Liebling, den man in ein wenig anders schon seit immer zu kennen meint.
99th Song ist ein relaxter Standard, der alles ausbreitet, was man an Vile lieben und langweilig finden kann, wohingegen Holiday OKV als absurder angelegte Momentaufnahme mit rasselnder Hi-Hat, gnödelnden Gitarren und erzählender Mac DeMarco-Kopfstimme polarisiert. Hätte man die Übersteigerung unbedingt gebraucht? Nein. Fällt sie aus dem Rahmen? Keinesfalls! Zumal die saloppe Hook auch einfach catchy ist.
Every Time I Look at You bimmelt später friedlich und heimelig ohne Ende, derweil Piano for Sarah unaufgeregt groovend einem Piano-Geklimper folgt, das holprig und spontan wie eine Skizze auftritt: Als würde man einen Teil immer wieder proben und stolpern – bis Vile eine nonchalante Gitarrenlinie drumherum bindet und die Sache gut sein lässt. Bevor er durch das finale Avalanches of Snow – mit Bläsern, funkelndem Secret of Mana-Keyboard und Klatschen – ohnedies noch ein richtiges Sahnestück spendiert und zu seinen Fans ebenso gut ist, wie Philly zu ihm.

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