Fluisteraars – Jacht der Mysteriën

von am 17. September 2026 in Album

Fluisteraars – Jacht der Mysteriën

Auf der Jagd nach Geheimnissen: Fluisteraars kehren nach dem EP-Triptychon Kronieken Van Het Verdwenen Kasteel sowie dem Drone-Almbient-Intermezzo Manifestaties van de Ontworteling mit Jacht der Mysteriën wieder weitestgehend in den regulären Album-Kanon ihres Atmospheric Black Metal zurück.

Der sechste – auf drei jeweils die 10 Minutengrenze sprengende Tracks gebaute – Langspieler der Niederländer hebt gleich vorab seinen Sound und Entstehungsprozess in die Auslage:
Drawing from local legends, mysterious lights in the woods, and close observation of their immediate surroundings, the album was conceived as a live and complete band album and captured in a single take with longtime producer T. Cochrane. Reamped through the hollow cylinder of an abandoned water tower, the record drifts between presence and disappearance — immersive, urgent, and elusive.
Warum dies wichtig ist, demonstriert gleich der Opener Grondeloos Donkere Bossen.

An sich ist die strukturell und kompositorisch sehr minimalistisch gehaltene (und gewohntermaßen kein Geheimnis aus der Drudkh-Liebe von Fluisteraars machende) Nummer auf Monotonie und Repetition ausgelegt. Doch wie stimmungsvoll die Synths einerseits immer wieder mystisch aus dem Hintergrund in das Zentrum des Strom gleiten, das (wie immer überschaubar originäre, aber mittels seiner im Midtempo rasenden Drums, heroischen Gitarrenriffs und keifend-greinende Erzählungen extrem kompetente) Songwriting jenseits der Schattierung überwuchert, ist schon sehr eigenwillig.
Und andererseits ist es einfach nur großartig, wie die verwaschene und gleichzeitig dennoch jedes Element organisch lokalisierbar machende Produktion im Verlauf den Bass (nicht unbedingt dominanter, aber) prägnanter unterstreicht und damit eine akzentuierte Dynamik schafft, wo Grondeloos Donkere Bossen streng genommen zu lange (und generisch) dahinläuft, um letztlich in ein sphärisches Klangmeer einzutauchen.

Noch konsequenter und radikaler, aber auch spannender, ist in diesem Conclusio das abschließende Epos Zwarte Zomermaan, das den Rahmen weiter auslotet.
M. Koops (Muziek en Gitaar), B. Mollema (Zang en Tekst), N. de Wit (Drums), T. Cochrane (Bas), S. Claessen & A. van Bennekom (Lawine van Duisternis) und Reus van de Steenen Tafel (Ruimte) kehren hier zur hypnotischen Gleichförmigkeit zurpck, treten aber nach dem ersten Drittel der 19 Minuten Spielzeit auf die Bremse, frönen dem Ambient, und beginnen dann wieder mit einem malerischen Riff zu rollen und zu treiben. Gruselige Keyboard-Effekte umgarnen die Szenerie, bevor der Closer vollends in die kosmische Dunkelheit des Darkspace abtaucht. Die Kontraste und Amplituden der Fluisteraas-Essenz legen sich hier vollends in die Kurven der stilistischen Bandbreite.

Am stärksten ist jedoch der im Auge des Sturms stattfindende Ausbruch von Condities der Afstraffing – dem krönenden Höhepunkt von Jacht der Mysteriën, der auf Augenhöhe mit den besten Momenten der Band-Diskografie über dem Rest des Albums thront (und auch einen tosenden, die kurzweilige Rasanz zelebrierenden Schatten werfend).
So exzellent, wie die Gruppe hier eine wogende Hymnik und verzweifelte Grandezza voller tollwütiger Wendungen unberechenbar wild einfängt, wie ihr machtvoller Eklektizismus infernal beißen darf und dabei konzentriert auf den Punkt drückt, das ist dann einfach ein absolutes Paradebeispiel dafür, warum Fluisteraars als Meister ihres Faches auch weiterhin eindrucksvoll aus der Masse aufzeigen.

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