Max Richter – The Leftovers: Music From The HBO Series Season 3

von am 13. Juni 2017 in EP, Soundtrack

Max Richter – The Leftovers: Music From The HBO Series Season 3

Wo The Leftovers sich unlängst entlang einer finalen Season verabschiedet hat, die dem so gerne übersehenen HBO-Juwel endgültig einen Platz in den Annalen der Serienlandschaft sichert, kommt der Score der dritten Staffel rein quantitativ betrachtet vergleichsweise auf Sparflamme daher.

Gerade einmal fünf Kompositionen über knapp 13 Minuten Spielzeit spendiert Neo-Klassik-Meister Max Richter diesmal, bis auf weiteres wird der Soundtrack wie schon bei Staffel 2 nur digital vertrieben. Was diesmal aufgrund der ernüchternd kurzen Spielzeit zwar sogar nachvollziehbarer erscheint, wirkt The Leftovers: Music From The HBO Series Season 3 doch eher wie ein musikalischer Epilog zur emotional aufwühlenden Klasse, mit der Richter die (letztendlich doch noch die verdiente Kritikerliebe erfahren habende, aber an den enttäuschenden Quoten scheiternde) Ausnahmeserie zeitlebens veredelt hatte.
Doch hat diese Kompaktheit an Originalmaterial vor allem damit zu tun, dass Staffel 3 deutlicher als seine beiden Vorgänger auf Fremdkompositionen zurückgriff – nachzuhören übrigens in der eigens von HBO eingerichtetem Spotify-Playliste:

Obwohl The Leftovers: Music From The HBO Series Season 3 (primär ob seiner geringen Spielzeit) also ein klein wenig unbefriedigend entlässt, weil die Tiefe von Richters musikalischer Untermalung immer nur angedeutet und niemals restlos ausgeschöpft zu werden scheint, erzeugt auch der gefühlte Appendix des Scores wieder unmittelbar diese wunderschöne, verzweifelte und bisweilen schlichtweg überwältigende Melancholie, die für die Serie typisch ist.
Zudem erweist sich der Spannungsbogen der EP trotzdem – oder gerade deswegen! – als noch runder und kompakter, als die Arbeiten zu den beiden Vorgängerstaffeln.

The End of All Our Exploring dekliniert einmal mehr die bekannte Pianomelodie des Leftover-Themes, scheint dabei aber von Richter noch filigraner und verletzlicher denn je inszeniert zu werden – eine leise verzweifelnde Elegie von zeitlos majestätischer Anmut, immer wieder. Either Fire or Fire arbeitet mit symphonischem Horizont in eine kalte Industrial/Noise-Elektro-Richtung, bleibt aber wie The Spectre of a Rose (eine zaghaft und unwirklich flimmernde Piano-Illusion) eher ein skizziertes Ambient-Stimmungsbild mit Interlude-Charakter.
Nothing’s Gonna Stop Me Now stellt dagegen das vielleicht hoffnungsvollste, lieblichste Kleinod des gesamten Leftovers-Score-Katalogs dar: Eine tröstend perlende Grazie, die mit stillem Lächeln an die zauberhaften Trostpflaster eines Jon Brion erinnert. Das finale And Know the Place for the First Time knüpft danach den Faden zum Beginn, führt das bedächtig aufgebaute Motiv jedoch zu einer orchestralen, dramatischen Größe – eine Gänsehautszenario von monumentaler Breite, das sich allerdings leider nur als Strohfeuer erweist und seine Opulenz zu schnell verklingen lässt.

Mehr Raum zur Entfaltung hätte so nahezu jeder Komposition hier zusätzliche Größe verliehen, gleichzeitig will man sich durch die Vergänglichkeit der Dinge immer wieder in die Welten von The Leftovers: Music From The HBO Series Season 3 begeben, dass den musikalischen Wellengang der ersten beiden Seasons gegen eine sich langsam lichtende Erlösung getauscht hat.
Einigen wir uns also in Summe vielleicht einfach auf ein in vielerlei Hinsicht zutiefst wehmütiges Release – und hoffen auf eine in naher Zukunft nachgereichte Komplettveröffentlichung von Richters Arbeiten auch in physischer Form.

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