Shearling – Don’t Look at Me the Way a Dog Might Look at Your Leg

von am 3. August 2026 in EP

Shearling – Don’t Look at Me the Way a Dog Might Look at Your Leg

Don’t Look at Me the Way a Dog Might Look at Your Leg ist nicht das versprochene Schwester-Album zu Motherfucker, I Am Both: „Amen“ and „Hallelujah“… sondern vielleicht sogar etwas noch besseres?

Während sich die Wartezeit auf die Vinyl-Version der 2025er-Wahnsinnstat zu einer unendlichen Geschichte auswächst, lindert die Sprain-Nachfolge-Band den eigenen Schmerz, den ersten Österreich-Auftritt von (den ihren Kernkompetenz dokumentiertermaßen weiterhin auf der Bühne liegenden) Shearling krankheitsbedingt verpasst zu haben, mit ihrer ersten EP zumindest ein wenig, hat das Kollektiv um Mastermind Alexander Kent (Vocals, Engineering, Production, Collage Art Design, Guitar, Synthesizer, Trombone, Samples, Autoharp, Drum Machine, Hammered Dulcimer, Banjo, Percussion, Organ, Mellotron) – Wesley Nelson (Bass, Upright Bass), Sylvie Simmons (Guitar, Balalaika, Gamelan, Baoding Balls), Elizabeth Carver (Samples, Vibraphone, Mellotron, Pump Organ, Banjo, Hammered Dulcimer),Andrew Chanover (Drums), Rachel Kennedy (Background Vocals), Karl McComas-Reichl (Cello) und Sorrel Perrone (Pedal Steel) – doch an elementaren Stellschrauben des Fokus gedreht.
Im fast schon konventionellen Format von 5 Nummern in knapp 35 Minuten komprimiert ist Don’t Look At Me The Way A Dog Might Look At Your Lega step adjacent, the bombastic horror and starlit beauty of their debut compacted into what can reasonably be called “songs”.

Prätentiös ist die Band dabei immer noch, dosiert die Zutaten ihres eklektischen Sounds aber auch merklich ausgewogener, ohne das Gefühl des megalomanischen, spontan improvisierten Momentums zu verlieren.
Three Pebbles (Saltlick) nimmt dafür die Stimmung vorweg und siecht wie ein Kadaver zwischen Americana und Country, immer noch so, als hätte Will Sheff unter der Regie von Nick Cave einer Xiu Xiu-Platte vorgestanden. Das Banjo zupft zum Noise-Hintergrund, der Gesang ist sanft und vorsichtig. Bis das Szenario zu stampfen beginnt, kontemplativ pumpend pulsiert zu einem deliranten Beat schunkelnd. Immer wieder ersäuft die Halluzination in fiependen Störgeräuschen, alles schwoft schwerfällig. Irgendwann schnuffelt und flüstert Kent so theatralisch, als würde seine singsangelnde Theatralik vor der verstörenden Klangkulisse dem selben MO folgen, wie ein (selbstreferentielles und – zensierendes)  Bekennervideo von Longlegs: „I’m not a good person/ Like I want to be/ And I want to go to heaven/ I really want to go to heaven/ And I know in my heart it’s my fault/ My friend/ My friend died/ And I know in my heart it’s all my fault“.

Danach konzentriert sich Kent immer mehr auf sich selbst und destilliert eine Art Solo-Avantgarde Folk, der den Input der restlichen Musiker als akzentuierende Maßnahme interpretiert.
Believe Me (Dust) schippert sorgenvoll und ruhig (auch aus der Perspektive des titelgebendes Staubs) wie eine intime, grieselige Okkervil River-Ballade, die beweist, dass Shearling das griffigere Format trotz versuchter Irritationen einfach steht.
Selbiges gilt auch für die müde abgekämpfte Radiatoren-Melancholie Surely You Know By Now („Nothing will get better for you/ Nothing’s gonna changе“) sowie Young Man in Idaho als mutmaßliches Wiedersehen mit dem Protagonisten aus Motherfucker – eine Gitarre-Dekonstruktion die sich so traurig und bekümmert gehaucht in die filigransten Aspekte des Shearling-Kosmos zurückzieht.
Die Rückkehr der Band im Closer zieht sich zwar rasch für das gebührende Maß an Egozentrik zurück („And you can point at me and my horse and tell me: „Alexander, I am not a Saltlick„/ …/ And I suppose you are expecting your reward right about now“), als abschließend Krönung von Don’t Look at Me the Way a Dog Might Look at Your Leg belohnt Your Reward dann aber alle Anwesenden. Obgleich die Nummer verträumt elegisch dahinbimmelt und ihren getragenen Anmut bekümmert sinnieren lässt, steigert sich die Intensität und Eindringlichkeit auf subversive Weise immer weiter, wird auf biblischer Ebene direkter und persönlicher, bis am Ende keine Distanz mehr herrscht: „And the only request I have left is: When you say it/ You will look me in the eye“. Und ja – diese Frage ist eigentlich keine.

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