’68 – They Are Survived

von am 5. Juni 2026 in Album

’68 – They Are Survived

Sicher empfiehlt sich (der ja bekannterwmaßen keinen Bock auf diesen Job habende) Josh Scogin einmal mehr als idealer Nachfolger für Greg Puciato bei Better Lovers. Vor allem macht They Are Survived aber auch deutlich, wie schade es ist, dass 68 mit ihrem fünften Studioalbum einen Schlussstrich unter ihre Existenz ziehen.

Wobei sich, bei aller Liebe, bevor der ein wenig Wehmut verbreitende Closer Shine. Now. melodisch und beinahe hymnisch über den Horizont marschiert, spätestens im relativen (Nomen est Omen-)Filler Always Them Signatures. schon auch ein bisschen das Gefühl breit macht, als hätte das Duo aus Georgia mit verdammt vielen betont cool (aber aufgrund der hohen flächendeckenden Frequenz auch irgendwann dezent nervend) eingestreuten „Woo!“s und „Yeah!“s und „Ahh!“s alles wirklich essenzielle in ihrem Kontext einfach tatsächlich bereits gesagt.
Doch tut der Abschied deswegen weniger weh? Nein, natürlich nicht!

Weil es einfach immer noch verdammt viel Spaß macht, dem ehemaligen The Chariot– und Norma Jean-Frontmann an Gesang und Gitarre nebst Drummer Nikko Yamada zuzuhören, wie er eine ungefähre Vorstellung davon zelebriert, wie Keith Buckley und Every Time I Die mit der Bluesrock-Attitüde von minimalistischen Bands wie The Kills oder den White Stripes geklungen hätte, wenn er den Post Hardcore und Noise Rock mit vor schmissigen Starkstrom-Energie bratenden Hip Hop-Swag darböte.
Ein einmal mehr energiegeladener Verve also, der die an sich überschaubaren Bandbreite wie schon auf den vier Vorgängeralben über weite Strecken knackig und unterhaltsam von der Leine lässt, fast manisch fetzten kann und doch unbedingt tight methodisch kontrolliert.

Das wuchtige Rain Everyone legt sich inbrünstig wie frühe O’Brother in die Heaviness und das maschinell groovende Will You There orientiert sich trocken und präzise an Royal Blood, bevor die Nummer ausfransen darf.
In Always Love treffen die Stakkato-Riffs auf Backing Rufe und einen catchy Exzess, derweil Fall. Will relaxt stackst. Das atmosphärischer angelegte The Die. Is erinnert als Piano-Einkehr im Hall vage an die All Alone-Hook der Gorillaz, während Sun So Beauty teilweise das Spotlight primär auf das Schlagzeug lenkt, skandierend Stimmung macht und für einen Jam die Cowbells auspackt, der auf der Achse The Rapture und Head Automatica über fast 6 Minuten Spielzeit gefühlt einfach noch aus ’68 hinausmusste, bevor Schluss ist. Und aufgrund dieser Dringlichkeit auch ohne Konzert-Besucher als zusätzlichen Katalysator funktioniert. Wie They Are Survived im Ganzen.

Obwohl nicht nur die finale Abfahrt im besonders aggressiv drückenden Will Celebrate In seine tatsächliche Hebelwirkung doch ein wenig unter Wert verpuffen lässt, weil es durch kein Publikum als Resonanzkörper verdient potenziert werden wird. Aber eben: „The grave is marching for us ever so impatiently“.
Und so hinterlassen Scogin und Yamada eben mit mindestens einem weinenden Auge knapp 36 Minuten Musik, die, wie auch ihre restliche Diskografie, das Ende der beiden Amerikaner im Gespann überleben wird.

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