Melvins & Napalm Death – Savage Imperial Death March

von am 2. Juni 2026 in Album

Melvins & Napalm Death – Savage Imperial Death March

Savage Imperial Death March ist bereits im Februar 2025 in limitierter Auflage via Amphetamine Reptile Records erschienen, wird aber nun, mit neuen Artwork und einer dezent erweiterten Tracklist (sowie unter dem nunmehrigen Banner The Melvins With Napalm Death), von Ipecac nochmal für ein größeres Publikum aufgelegt.

Gut so. Schließlich war die ursprüngliche Version des Gemeinschaftsprojekts viel zu knapp bemessen und praktisch sekundenschnell ausverkauft – die beiden ikonischen Bands erschließen gemeinsam eben keinen kleinen Markt.
Stichwort Gemeinsam: Dass alle Beteiligten Wert darauf legen festzuhalten, dass Savage Imperial Death March keine Split, sondern eine vollwertige Synergie und ganzheitliche Kooperation der beiden Bands darstellt, ist eigentlich unnötig. Vom ersten Moment an ist nämlich offenkundig, dass die Melvins und Napalm Death hier zu einer einzigen Einheit – einer neuerlichen Big Band, wenn man so will – verschmolzen sind. Selbst wenn das von Buzz Osborne angegebene 50/50-Verhältnis subjektiv doch eher klar zu Gunsten einer Melvins-Dominanz ausgefallen ist. Wodurch Napalm Death im Umkehrschluss stilistisch größere Freiheiten bekommen haben und diese beispielsweise insofern nutzen, als dass sie diesmal praktisch keinen Gedanken an den Grindcore verschwenden. Stattdessen pflügt der Band-Hybrid ohne Anlaufphase mitten hinein in den Sludge und Noiserock.

Besonders Melvins-Fans werden sich jedoch unmittelbar zuhause fühlen, so wie Tossing Coins Into the Fountain of Fuck geradezu typisch auf ein typisches Riff und eine patentierte Signature-Dichte setzt, dem Barney Greenway, Shane Embury und John Cooke sowie King Buzzo und Dale Crover heiser gebrüllte Death-Vocals, heulende Soli und ein fetzend rockendes Gaspedal spendiert haben. In Some Kind of Antichrist teilen sich die beiden Parteien die Vocals, liebäugeln mit math-verschrobenen Grooves und lassen den Song hinter fiependen Gitarren verspult moduliert ausfransen: ab der Mitte der Nummer rezitiert ein Cyborg vor einer Avantgarde-Noise-Rumpelkammer, in der ein zielloses Schlagzeug scheppert und die elektronische Schalttafel piepst.

In dieser Umgebung fühlt sich Awful Handwriting wohl, zieht die Zügel als rumpelde Jam-Skizze zusammen, bei der abgehakte Vocal-Samples als zusätzlicher Rhythmusgeber fungieren.
Wer gehofft hat, dass es sich bei den beiden neu hinzugefügten Nummern um vollwertige Songs handeln würde, wird insofern enttäuscht werden, da auch Comparison Is the Thief of Joy später als (eigentlich zu ausführliche) Installation und Collage aus choralen Tendenzen und quietschenden Geräuschen ein experimentelles Bindemittel mit Interlude-Charakter darstellt. Ohne wirklich essentiell für die Platte zu sein, lässt sich aber festhalten, dass dieser unorthodoxe Müßiggang gut zum Charakter des Bastards Savage Imperial Death March passt, und den Albumfluss durchaus runder macht als bisher.
Immerhin stellt Savage Imperial Death March kein atemberaubendes Spektakel, kein funkensprühendes Legendes-Gipfeltreffen mit genialen Ideen dar, sondern ist als schmutzige Schlammschlacht eher ein roher, archaischer, (selbst)referentieller Spaß für alle Beteiligten.

Nine Days of Rain gebärdet sich wie ein zäh polterndes Kreisen um die „Accessory, accessory, accessory“-Szene von Epic Problem, derweil Synths (?) ein bedrohliches, erhabenes Panorama hinter der malmenden Rhythmussektion andeuten, und die Beschwörung den Weg als Ziel hat. Stealing Horses scheint dagegen das Riff von A Crow Left of the Murder als Ausgangslage zu haben, führt dieses aber breitbeinig in einen diabolischen Zirkel und skandiert dort seinen Titel als süffisantes Motto.
Im stoischen Rip the God überrascht melodischer Gesang neben den vom Post Punk korrumpierten Basslauf, doch will die Band-Hydra ihre hässliche Fratze nicht verstecken und dreht die Daumenschrauben alsbald brutaler und aggressiver an. Dass der Closer Death Hour dagegen wie ein Standard anmutet, der ins hirnwütig brabbelnde Delirium abdriftet, schmälert die Freude am Radau jedoch ein klein wenig – selbst wenn es dafür einen Van Halen-Jump-Scare als finale Pointe gibt.

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