Sparta – Cut A Silhouette

von am 3. Juni 2026 in Album

Sparta – Cut A Silhouette

Damit war nicht unbedingt zu rechnen: Jim Ward bringt Sparta nach zwei mediokren Alben mit Cut a Silhouette – ausgerechnet zum Jubiläum des 2006er-Meisterstücks Threes – zurück in die Spur!

I’ve never been less in love“ eröffnet der 49 jährige ein gefühltes Comeback in Sachen Form und Stil, das die Emotionen und die Intensität der frühen Post-At the Drive-In-Jahre nicht nur deswegen zumindest ansatzweise anvisiert, weil der (eigentlich von einer John Candy-Doku entlehnte) Albumtitel frappant an den Opener von Wiretap Scars erinnert.
Die zitierte Behauptung mag insofern alleine auf partnerschaftlich-romantischer Beziehungsebene zutreffen, keineswegs aber auf Sparta als Gruppe. Denn dass sich seine (diesmal auch von externen Gästen wie beispielsweise Frank Iero von My Chemical Romance, Kemble Walters oder Carlos Arévalo von Chicano Batman besuchte) Spielwiese durch Bassist Matt Miller und Schlagzeuger Neil Hennessy endlich wieder wie eine richtige Band anfühle, hätte Ward in Interviews keineswegs so oft wiederholen müssen – man hört und spürt diesen Umstand tatsächlich unmittelbar, von der ersten Sekunde an.

Split Lip, der Einstieg in Cut A Silhouette und veritables Statement, zündet sofort hungrig und kraftvoll, hat so viel mehr Energie als nahezu das gesamte Material von (dem seine Qualitäten nicht auf den Punkt bringenden) Trust the River (2020) und vor allem (dem leider einfach schwachen) Sparta (2022).
Zumal Ward durch den frei gesetzten Punkrock-Elan der Nummer auch stimmlich so nahe an Laura Jane Grace zu New Wave-Zeiten intoniert. Womit die Ausrichtung einer schmissig, eingängig und engagiert auftretenden Platte gelegt ist, wobei sich das weitestgehend schnörkellos angelegte Songwriting danach noch ein wenig auffächert.

Crater nimmt den Schwung von Split Lip für ein dezentes Porcelain-Feeling samt Bandbreite und Dynamik mit, zumal sich die vermeintliche Bridge als mantrahaftes Outro erweist, bevor Mouthbreather für einen ähnlichen Trick das Tempo etwas vertrackter drosselt und beinahe eine funky Rhythmussektion nebst der Glam-affinen Strophe hofiert.
Daydream gibt sich luftiger und lockerer, grundiert den Singalong subtil mit Orgel-Texturen und Everything You Say flicht leichte Elektronik- und Post Punk-Bausteine an einen beschwingten Refrain, der eine nostalgische Hymnik durch seine Oldschool-Attitüdedrückt. Die Gitarren in Mystery of Missing flimmern im U2-Flair zu einen Chorus in typisch melancholischer Aufbruchstimmung und Without Your Hands ist ein Ohrwurm, der nicht falsch macht – aber eben auch demonstriert, dass man sich Cut a Silhouette nicht wirklich erarbeiten muss, weil die Agenda der Platte einfach sehr offenkundig angelegt ist. Mit ein Grund dafür ist die gute, saubere und differenzierte, aber eben nicht sonderlich interessante Produktion von J. Robbins.

Für ein wenig ambivalente Reibung sorgen insofern ausgerechnet die paar wenigen zurückgenommene Inseln des Albums. See You Soon schunkelt mit Piano, Acoustic-Gitarre, nasaler Bono-Intonation und Americana-Liebe, zügelt seinen Pathos aber weniger als die angenehm romantische Abschluss-Ballade Glimmer. Midnight schwelgt als Herzstück gemütlicher schunkelnd in das Ambiente einer ruhigen Atmosphäre, in der Ward immer wieder sehnsüchtelt: „I want to feel everything“.
Nun, man mag anhand von Cut a Silhouette nicht alles fühlen, was Sparta in ihren besten Tagen im Gefühlshaushalt aufwühlen konnten. Aber der springende Punkt ist, dass Ward mit dem Auftrieb einer Band im Rücken endlich wieder so viele Emotionen löst, wie man das zugegeben kaum noch für möglich gehalten hätte.
Ja, möglicherweise wird der Platte durch das relativ simple Songwriting, die barrierefreie Inszenierung, den Mangel an herausfordernder Ambition und das Fehlen eines wirklichen Übersongs auf lange Sicht der Reiz abgehen, selbst wenn sich Cut a Silhouette auf die wiedergefundene Trademarks der Sparta-Essenz als nachwirkenden Ankerpunkt verlassen kann. Aber zumindest für den Moment ist das als herrlich erfrischender Schritt in die richtige Richtung egal – und die kurzweiligen 34 Minuten hier eine der schönsten Überraschungen des bisherigen Jahres.

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