A Place To Kill – APTK

von am 16. Juni 2026 in EP

A Place To Kill – APTK

Gemeinsam mit There Is No Us-Frontman Jim Louvau lebt Filter-Mastermind Richard Patrick seine wiedergefundene Liebe zur Heaviness des Industrial Metal als A Place to Kill auf der quasi selbstbetitelten Debüt-EP APTK aus.

Die Erwartungshaltung daran sind zugegeben nicht sonderlich hoch, war der Output von Patrick – dem man zumindest seine beiden 90er-Filter-Alben auf ewig zu Gute halten wird – in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten doch ziemlich durchwachsen.
Dass APTK nun aber trotz diese Ausgangslage frustrierend entlässt, liegt jedoch weniger am Bruder des T-1000, als an Kompagnon Louvau (mit dem Patrick ja bereits 2020 auf Murica zusammengearbeitet hat). Dessen gesangliche Performance ermüdet im ständigen Wechsel aus monoton kreischendem Geschrei (wie ein Schatten von Chad Kapper) und Flüstern alsbald ebenso vorhersehbar wie limitiert und auslaugend.
Dass Patrick nur ein paar Backing-Vocals beisteuert und sich ansonsten rein auf die Kreation der Musik konzentriert, ist insofern ein zweischneidiges Schwert, das den Fokus substantiell nicht belohnt.

Denn auch wenn Patrick überraschenderweise nicht die markante Schwachstelle des Projekts ist, macht ihn dies im Umkehrschluss nicht automatisch zur stärkeren Hälfte.
A Place to Kill spielen ihren elektronischen Industrial mit Alibi-Sprengsel aus dem Trap und EDM in einer kreativen Sackgasse, die sich nicht sicher ist, ob sie altmodisch oder gestelzt modern wirkend will, weil sie überhastet zusammengebastelt erscheint, keine Details zu erforschen lässt und zudem eine Vorschlaghammer-Mentalität besitzt, die spätestens im Closer Something Inside of Me leider kein Interesse – wohl auch den Mut – daran zeigt, eine atmosphärischere Bandbreite zuzulassen. Zusammen mit der frontalen Attitüde des Duos darf man insofern manchmal an (die stilistisch natürlich ganz anders wo penetrierenden) Methods of Mayhem aus der nostalgisch abholenden Perspektive des Spawn-Nu Metal denken.

Vom Clusterfuck-Opener The Killing Field weg pumpen die Synths solide, ohne dass der Song, der mystisch, hart und mit Chören (sowie einem sekundenkurzen, leider unbefriedigend ziellos zurückgelassenen) clean gesungenen Part auch catchy sein will, in seinen jeweiligen Passagen in Fahrt kommen würde. Es folgen ein paar Nuancen/ falsche Fährten wie das Nine Inch Nails-Piano in Drown in a Sea of Sorrow oder das ebenso willkürlich in der Luft hängen lassende Linkin Park-Intro im entschleunigt gedehnten Anger, das symptomatisch wie ein feuchter Traum von Jason Butler dahindümpelt, ohne zu packen.
Die Beats klingen generell, aber auch in Club-Ausflügen wie Jet Engine einfach dünn produziert und die Texturen haben wenig Tiefe. APTK begnügt sich damit, ein Potemkinsches Dorf zu sein, das mit vordergründiger Intensität in seinem Dualismus relativ eindimensional attackiert. Die neongrelle Cyberpunk-Apokalypse bleibt blass, selbst wenn die Amplituden ausschlagen. Das rockiger angelegte What Feels Right hämmert ausnahmsweise markanter mit Gitarre, nervt dafür aber mit seiner banalen Hook, während Kill All Intruders erst im R&B-Delirium wummert, dann aber bald wieder unambitioniert auf den Autopilot schaltet.

Auch wenn APTK sein Potential immer wieder aufblitzen lässt, fühlen sich die 23 Minuten Spielzeit so bisweilen doppelt so lange an – sind stets kurz davor zu zünden, befriedigen aber nicht: Selbst wenn Louvau sein unsäglich bemühtes Flüstern besser dosiert und akzentuiert eingesetzt hätte, wären die mitunter reizvollen Ansätze von A Place to Kill im schablonenenhaften Eklektizismus eines halbgar auf Design angelegtes Songwritings also wohl kaum über die volle Distanz interessant geblieben.
Und dennoch: Wo mutmaßlich einfach ein kreativer Reibungspunkt und mehr Zeit fehlt (und man das Projekt bzw. bereits in Aussicht gestelltes weiteres Material insofern auch nicht bereits für die Zukunft abschreiben will), sollten zumindest Fans von Konsorten wie Fever 333 schon jetzt fraglos ein Ohr riskieren!

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