Andrew W.K. – Temptation to Exist
Klar kann man Andrew W.K. immer noch auf Party Hard und She is Beautiful (oder superbe Drum-Workout-Videos) limitierten. Er selbst tut dies aber nicht – und hat fünf Jahre nach God Is Partying mit Temptation to Exist den spirituellen Nachfolger zu 55 Cadillacs eingespielt.
Überraschte das abonnierte Party-Tier 2009 (neben seiner Tätigkeit für Current 93) mit spontanen New Age-Solo-Piano-
Das klingt dann meist ungefähr so, als würden Bohren & der Club of Gore durch das Twin Peaks der 1930er schlurfen, mal in funkelnd beruhigender Neugierde vom Besen-Schlagzeug gestreichelt (Nightmares), dann wieder die Absurdität eines surrealen Deliriums genießend (No Clue).
Temptation to Exist nimmt sich dabei ernst, agiert in seiner Seriosität aber mit einer lockeren, ungezwungenen Selbstverständlichkeit. Die Kompositionen ziehen kryptisch in ihre dichte Atmosphäre, fesseln stimmungsvoll mit viel ästhetischem Gespür und sind ebenso gut durchdacht erbaut wie behutsam und detailliert arrangiert, wo der theoretische Mangel an Originalität durch eklektisches Können ausgeglichen wird.
Dass dabei weniger ein übergeordneter Spannungsbogen leitet, als das aus dem Nichts gekommene Überraschungswerk Temptation to Exist eine kohärente, homogene Sammlung fein nuancierter Szenen ist, verstärkt den Charakter eines imaginativen Soundtracks (ungeachtet des Fehlens wirklich nachhaltiger hängen bleibender Themen oder Motive) zusätzlich.
Wundersam und düster ist die sinistre Noir-Welt, die Michael’s Theme am Klavier mysteriös schleichend vorstellt, in der das relativ flott am Abgrund beschwingte Edge of Interior eine smooth groovende Getriebenheit schimmern lässt, und in der Between Veils bedächtig dröhnendere Industrial-Konturen höchstens vage erahnbar macht.
Manhattan Beach schreitet auf Samtpfoten in Zeitlupe und North Hollywood gibt sich als falsches Finale hoffnungsvoll, erhellend, gar versöhnlich. Weitere Geheimnisse werden danach jedoch sanft und beruhigend umgarnt (Double Boulevard), selbst wenn For Steven vermeintlich nervöser und hektischer im Stakkato klimpert: Das Spiel ist stets weich und wattiert, verführerisch, hinten raus mit Stetson‘schen Score-Manierismus liebäugelnd.
Dass Insomnia auf rollenden Tasten klimpernd ausgelassener eilt, wie ein gelöster, befreiter Trip durch ein optimistisches Wurmloch verabschiedet, passt dann auch: Der Ehemann von Kat Dennings selbst scheint selbst in derart düsteren Jazz-Gefilden eine gute Zeit zu haben.


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