Sleep – Hempispheres

von am 5. September 2026 in Album

Sleep – Hempispheres

Der Schock darüber, dass Matt Pike nicht mehr Teil der „Band“ ist, ist mittlerweile halbwegs verdaut. Deswegen muss man aber dennoch nicht restlos begeistert darüber sein, dass Sleep auf ihrem (je nach Zählweise) Fünftwerk Hempispheres praktisch OM mit Stoner-Gitarre sind.

Ein offizielles Statement, weswegen Leithammel Al Cisneros den Laden nun quasi alleine schmeißt und sich von Melvins-Drummer Dale Crover und Ex-Void-Gitarrist Bubba Dupree unter die Arme greifen lässt, steht nach wie vor aus.
Vertraut man Reddit (!), haben sich Pike und Al Cisneros seit dem Comebackalbum The Sciences aus dem Jahr 2018 mit verschiedenen Ansichten einfach endgültig auseinandergelebt, während Jason Roeder schlicht und ergreifend und großartigerweise zu Neurosis zurückgekehrt ist.
Sicher ist jedenfalls, dass die Inkarnation hinter Hempispheres stilistisch einen Hybrid der beiden großen Cisneros-Projekte darstellt, den Kern von Sleep quasi mit der Aura von OM transzendierend – das hat bereits der im Juni veröffentlichte Herold Have Spacesuit Will Travel deklariert, der nun, in einer ausführlicheren Version, auch den Album-Opener macht.

Das vorangestellte Intro groovt mit polternden Drums und markigem Bass im stolpernden Verve über einer halluzinogene Landschaft, bevor nach zwei Minuten ein Outlaw-Stoner-Doom-Riff über das Panorama schwappt. Monoton und repetitiv, steter Tropfen höhlt den Stein. Der Rhythmus schreitet mit ritualistischer Groove zur schamanistischen Erzählung von Cisneros a la Kyuss oder Masters of Reality im Weltraum, der Heavy Psych soliert im fantasierendem Stoizismus über den Iommi-Spacerock.
Und ja, natürlich ist das ganz anders, als man es sich erwartet oder erhofft hat. Und ja, natürlich würde man dem Ganzen unvoreingenommener begegnen, wenn es als neue Allstar-Group jenseits von Shrinebuilder, und nicht unter dem Namen Sleep firmieren würde. Wo das Scheitern insofern höchstens eine Illusion als Frage des Standpunktes ist, funktioniert die ebenso solide wie effektive Riff-Kost so oder so jedenfalls einfach. Auch ein mit generischem Beigeschmack primär die Attitüde hängen bleibt, kann der Genre-Fan grundzufrieden den Nacken nicken lassen.

Und während Dupree einen ernüchternd archaischen, unspektakulären und klangtechnisch auch nicht sonderlich spannenden/dominanten Ansatz für seine Arbeit wählt (und deswegen klar im Schatten von Pike steht), strahlt Crover am anderen Ende einmal mehr als Meister seines Fachs. Er legt die Drums markanter und präsenter an, als auf allen bisherigen Sleep-Alben, auch technisch ausgefeilter und verleiht der Platte mit metronomischem Beckenspiel alleine in dieser Hinsicht einen ganz eigenen Charakter.
In diesem suhlt sich dann auch das den Opener in Atmosphäre und Riff-Tragfähigkeit fortsetzende The Morrisist, mit einer mächtigen Aura ohne klare Konturen, jedoch mit okkultem Abgang. Hempispheres, das Titelstück, raucht sein Weed danach entspannter, deliranter in Schieflage kommend und entwickelt sich zu einem (leider nicht) endlosen Solo-Jam von berauschender Coolness.

In Arrival of the Industry Ships singt Cisneros ausnahmsweise in weicherer Trance, derweil der Song entspannt im ersten Gang den Berg hinunter- und den immer relaxter abflachenden Spannungsbogen entlang-knattert, um das Szenario mühelos zu einen schleichenden Drive umzuschichten: Sleep dösen bekifft mäandernd im Proto Metal und Acid Blues umher, im besten Sinne frei von überambitionierter Geltungssucht, wo elf Minuten Spielzeit mühelos von Black Sabbath zu Hawkwind wandern können. Weswegen auch nur der nervende Cut am Ende besonders stört.
Dass das kontemplativ schiebende Whole Wheat Mountain / Well Baked eine uninspirierte Trägheit als tiefenentspannt zugedröhnte Tugend interpretiert und so gefällig wie friedfertig verklingendend einen exemplarisch unterwältigenden Closer bietet, macht die Sache hinten raus nicht besser.
Der Eindruck, dass Hempispheres noch etwas länger im Inkubator köcheln hätte können, passt dann aber auch irgendwie zu einem Album, das sich vor allem selbst das Leben schwer macht; das nicht und nicht Fisch sein will, in erster Linie aber für Puristen ungenießbar sein dürfte. Alle anderen mögen mit profaner Contenance in diesen Stoner-Paradigmenwechsel eintauchen und es spätestens mit etwas Abstand schätzen lernen.

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