Angelo De Augustine – Angel in Plainclothes

von am 4. Mai 2026 in Album

Angelo De Augustine – Angel in Plainclothes

Angel in Plainclothes ist das fünfte Studioalbum von Angelo De Augustine – und das zweite in der Zeitrechnung nach A Beginner’s Mind. Tatsächlich ist es aber eigentlich als eine Art abermaliges Debütalbum für den Kalifornier zu verstehen.

Nach einer nicht näher spezifizierten „undiagnosed illness“ war De Augustine gezwungen zahlreiche „basic abilities“ neu zu erlernen, was auch zu existentiellen Fragen geführt hat: „I’m trying to figure out who I am now. II feel like I may have been given a second chance at life, and I’d like to live it.
Was bedeutet, dass der Mann mit der stets so gleichförmig säuselnden Stimme ausnahmsweise wieder mit Kollaborateuren zusammengearbeitet hat – unter anderem Arranger Oliver Hill (Kevin Morby, Helado Negro), Harfespieler Leng Bian, Background Vocalist/ Percussionist Wendy Fraser sowie den Produzenten Thomas Bartlett (als alten Tomb-Bekannten, der auch schon mit St. Vincent oder Bebel Gilberto zusammengearbeitet hat) und Jonathan Wilson (der sich im Spektrum von Angel Olsen über Lana Del Rey bis Father John Misty längst als Meister der Anachronismus erwiesen hat und seine Aura nicht nur in Pet Cemetery ideal mit Angelo De Augustines Welt harmonieren lässt).

Das sind Synergien, die den sanft geklampften Kopftstimmen-Folk von Angel in Plainclothes immer wieder bittersüßen Nuancen verleihen – meistens genügt es, die (dem Artwork entsprechend naturalistische, gleichermaßen heimelig verblichene wie glasklare) Wohlfühlzone nur minimal aus dem von Stevens abgepausten Autopilot zu heben.
Manchmal gelingen dann aber auch kleine eigene Sternstunden: Das behutsam wogende The Cure fühlt sich mit ein bisschen Drive durch die sparsam eingreifende Rhythmussektion lebendig tänzelnd und das psychedelisch grundierte Mirror Mirror gibt sich regelrecht optimistisch, während Goodbye Baby Blue eine am Strand spazierende, friedliche Stimmung a la Saxophones hegt und pflegt. Spirit of the Unknown erinnert sich dagegen an das traumhafte Debüt von Sondre Lerche und With a Love So Kind daran, wie sich das große Idol in Illinois in den Schlaf geweint hat.

Von Empty Shell weg sind all die kammermusikalischen Elemente von Angel in Plainclothes jedoch weitaus zurückhaltender inszeniert als bei Mentor Stevens und setzen auf subversive Beiläufigkeit, anstelle der elaborierten Majestät. Weswegen Stücke wie das filigran plätschernde Cosmic Ride, die Harfen-Klaviatur The Universe Was Our Mother oder das zauberhaft zurückhaltende Pictures on My Wall auch keine aufregende emotionale Wirkung oder Begeisterung forcieren, sondern eher eine eklektische Zuversicht versprühen.
One of the most helpful things that kept me going was the people in my life telling me that everything was ultimately going to be okay. I hope these songs end up having the same kind of effect on people out in the world, and help them know that miracles are possible” erklärt De Augustine – auch wenn diese Hoffnung auf einem gefühlten Übergangsalbum vielleicht doch ein wenig zu hoch greift.

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