Oliver
"I don’t think there are any metal music elements in Alcest anymore" kündigte Matermind Stéphane "Neige" Paut bereits Mitte des Vorjahres endgültige Paradigmenwechsel in der Ausrichtung der französischen Metalmacht an und lässt mit 'Shelter' nun gravierende Taten folgen: das vierte Album seiner Band ist lupenreiner, verträumter, wunderschöner Shoegaze-Postrock-Dreampop für das Jahr nach 'Sunbather' und 'm b v'.
Sollen sie doch auch diesmal ruhig wieder alle was davon krakeelen dass das hier nicht mehr die "richtigen Pixies" sind - Frank Black und Co. legen auf der zweiten EP innerhalb weniger Monate die nächsten vier neuen Songs vor - und auch diesmal passt Qualität und Stallgeruch.
Das bestmögliche Post-Pavement Album hat Stephen Malkmus wahrscheinlich ohnedies bereits aufgenommen, weswegen der ewige Slacker die Dinge auch im sechsten Anlauf ganz gelassen angeht und zum verspielten Schaulaufen der lakonischen Möglichkeiten einlädt.
Hier wird natürlich nicht geravt, aber der Synthesizer gerät heftiger unter Druck als sonst, denn die Schotten führen auf dem dritten Album seit ihrer tiefschürfenden Quasi-Neuerfindung 'Mr. Beast' ein weiteres Mal vor, wie sich ihren kompakten Instrumentallandschaften neue Facetten abgewinnen lassen: 'Rave Tapes' ist eine Aussichtsplattform über die bisherige Discographie von Mogwai, die gleichzeitig den Blick auf weniger ausführlich erschlossenes Territorium schweifen lässt, ohne die Dinge dabei zu überstürzen.
Das Ende der Big Business- Ära scheint besiegelt: die beiden Melvins Dale Crover und King Buzzo lassen das Besetzungskarussel bis zu ihren Anfängen vor 30 Jahren zurückrotieren und basteln aus allerhand bekannten Songs, Traditionals und Coverversionen ihr (ziemlich sicher) 19. Studioalbum. Die einzige Formelhaftigkeit ist da, dass weiterhin alles erlaubt ist.
Die Saat des skelletierten Mitternachts Indie-R&B von The Xx geht für 'If You Wait' im überkandidelt vorgetragenen nostalgischen Popkontext von Lana del Rey in gedämpften Gleichförmigkeit auf. Eine minimalistische Geschichte, die ohne Aufregung permanent über die Stränge schlägt und dennoch: auf diesen Zug springt man nur zu gerne auf.
'Death Chorus' ist mit fettem major-Deal wahrhaftig das markante Album der großen Umbrüche für die Band aus Syracuse. Bedauerlicherweise nicht unbedingt zum besseren: der Polar Bear Club ist unvermutet in der Mittelmäßigkeit im Poppunk gelandet.
Wie jedes Jahr an dieser Stelle 15 Alben die man 2013 leicht übersehen konnte und die es nicht in die Top 50 Liste geschafft haben - die es sich am Ende des Jahres aber dennoch absolut verdient haben nocheinmal in Erinnerung gerufen zu werden.
Für Uneingeweihte kommt das stets über den Himmel hinausragen wollende Feuerwerk 'The Dark, Dark Bright' wohl aus dem Nichts, während Kenner der schottischen Band wissend mit der Zunge schnalzen werden: ein frohes Fest zum Abschluss des Jahres für all jene, die sich schon immer gefragt haben wie das wohl klingen würde, wenn Snow Patrol und Frightened Rabbit zusammen in einer Postrock-Band spielen würden.
Was Beatles-Songtitel mit Hollywood-Stars zu tun haben? So genau klärten das Hidden by the Grapes auf 'I'm Sorry Tschem' (digital übrigens wie immer nach "Name Your Price"-Prinzip, auf Vinyl liebevoll aufgemacht) vielleicht auch nicht auf, viel wichtiger ist aber ohnedies die Erkenntnis die das Grazer Trio zwischen den elf Tracks auffährt: um den heimischen Noiserock braucht man sich wahrlich keine Sorgen zu machen!
Denn nur ein Jahr nach 'If Radios Spoke With their Hearts' kratzen Christian Steiner, Richard Kahlbacher und Bernhard Jammerbund schon wieder vollkommen unangestrengt den nächsten Genre-Grenzgänger in der Sollbruchstelle aus kantiger Widerborstigkeit und heimtückischer Melodieverliebthaut aus ihren Instrumenten. Vor internationalen Referenzen muss sich das Ergebnis jedenfalls zu keinem Zeitpunkt fürchten. Welche Alben bei Hidden by the Grapes während Plattenaufnahmen und US-Tour so liefen, das erfährt man am 21. Tag des Heavypop Adventskalender.









