London Grammar – If You Wait

von am 3. Januar 2014 in Album

London Grammar – If You Wait

Die Saat des skelletierten Mitternachts Indie-R&B von The Xx geht für ‚If You Wait‘ im überkandidelt vorgetragenen nostalgischen Popkontext von Lana del Rey in gedämpften Gleichförmigkeit auf. Eine minimalistische Geschichte, die ohne Aufregung permanent über die Stränge schlägt und dennoch: auf diesen Zug springt man nur zu gerne auf.

Die Faszination für das The xx-Debüt von 2009 muss neben allerlei Herzschmerz von Sängerin Hannah Reid die Geburtsstunde von London Grammar gewesen sein, die schlichte, schwelgende Schönheit von ‚Video Games‚ die Initialzündung. Sicher haben sich die jungen Engländer einige Verzierungen einfallen lassen, wie etwa das Djembé-Klopfen in ‚Flickers‚, die 2001er-Nick Cave-Pianolinie von ‚Interlude‚, den straight verwaschen durchgezogenen Becken-Hiphopbeat im großartigen Sehnsuchtsstück ‚Stay Awake‚ oder die sukzessive ausgemessenen Streicherteppiche in ‚Wasting My Young Years‚ oder ‚Sights‚ – aber grundsätzlich bauen London Grammar ihre Songs stilistisch nahe auf spartanisch ausgestatteten Grundgerüsten wie sie eben The Xx in den letzten Jahren geprägt haben, unterspült von Dot Major’s Keyboardnebelschwaden, dazu spielt Dan Rothman praktisch die exakt selbe abgedämpft gackernde Delaygitarre wie Romy Madley Croft. Den unvermeidlichen Referenzkampf verlieren London Grammar daraufhin zwar – auch deswegen, weil sie jegliches imaginative Potential zugunsten allzu konkret breitgetretener Szenarien aufgeben (soll heißen: sie agieren einfach deutlich direkter und dabei weniger spannend) – was dem Trio aus Nottingham allerdings egal sein kann: denn die größeren His haben eindeutig London Grammar im Angebot.

Das begnadete Händchen für eingängige Popsongs mit souliger Attitüde und zeitgenössischem Gewand kann man London Grammar sicher nicht abschlagen – die alte Weisheit von „weniger ist mehr“ hat die Band allerdings vor allem auf instrumentaler Seite verinnerlicht. Denn Hannah Reid balanciert zwischen Lana Del Rey, Julee Cruise Kate Bush und Florence Welsh die gesamte Platte über an der Grenze zum überkandidelten und affektierten Gesang, malträtiert ihre geisterhaft schwebenden Stimmbänder exzessiv und verwechselt brachiale Vorschlaghammer-Gefühle oft mit zielsicherer Emotionalität – was aber ja mittlerweile zum guten Ton gehört.
Ohrenscheinlich sabotiert Reid die Wirkung der London Grammar Ohrwürmer damit auch in der Kennenlernphase an zahlreichen Ecken auf gar penetrante Weise – doch letztendlich ergänzen sich der skizzierte Sound und  die weitschweifend hallende Stimme doch. Zumal Reid ja auch nur zeigen will was in ihrer Band steckt – was neben der Tatsache die richtigen Einflüsse aufgesogen und mit den adäquaten Chartstürmeransätzen vermischt zu haben so einiges an vielversprechendem Potential ist. Man höre nur die Interpretation von Kavinsky’s ‚Nightcall‚ (übrigens nur eine von zahlreichen gelungenen Coverversionen die die Band auf Lager hat – siehe ‚Wrecking Ball‚, ‚In For the Kill‚ oder vor allem ‚Wicked Game‚), in dem London Grammar das Szenario zuerst weite Strecken an leider Klavierhand halten, nur um das Finale mit (zu) großer Geste explodieren zu lassen. Symptomatisch für ein vielversprechendes aber allzu gleichförmig zwischen einfühlsamer Intimität und Langeweile treibendes Debüt einer Band, die Songs mit theoretischer Breitwandwirkung für den Mainstream schreibt, allerdings praktisch von ihren Indiewurzeln sympathisch am Boden gehalten wird. So macht Inidepop jedenfalls Spaß. Wenn auch mit überschaubarer Halbwertszeit.

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