Blacklisted – So, You Are A Magician?

von am 30. November 2012 in EP

Blacklisted – So, You Are A Magician?

Konnte man sich früher gefühltermaßen kaum vor Veröffentlichungen der umtriebigen Blacklisted verstecken, sammelt ‚So, You Are A Magician?‚ tatsächlich die ersten neuen Songs seit über zwei Jahren – gerade einmal drei Stück. Darauf knüpft George Hirsch nicht an alte Geniestreiche an, untermauert aber seine Vormachtstellung als scheuklappenbefreitester Weirdo der aktuellen Hardcore-Szene.

Ein Ruf, den sich Hirsch mit Blacklisted in den Jahren zwischen 2008 und 2010 hartnäckig im Rausch erarbeitet hat. Davor nahm er von den Bollo-Anfängen seiner Band einen in allen Belangen die Schrauben enger ziehenden Weg hin zu ‚Heavier Than Heaven, Lonelier Than God‚ in Kauf, der Mündung in der mitunter besten Hardcore-Platte, die Deathwish Inc. in ihren Reihen veröffentlichen durfte – und dazu der endgültige Beginn der exaltierten Ausleuchtung der Person George Hirsch. Dass eben jener diese Errungenschaften ein knappes Jahr später mit der – von Hardcoregrundfesten über Singer-Songwriter-Depressionen und Jazz-Anleihen bis hin zu Indie-Rock Ausflüge und Neutral Milk Hotel-Vorlieben – alles umfassenden Wahnsinnstat ‚No One Deserves To Be Here More Than Me‚ praktisch attackierte und seine musikalisch so uferlosen wie textlich selbstsüchtigen Egotrips mit der ‚Eccentrichine‚ EP noch untermauerte hätte im Grunddungsjahr 2003 wahrscheinlich kaum einer vorhergesehen.

Knapp zehn Jahre später hat Hirsch – ja, man neigt mittlerweile unfairerweise dazu, die Band auf ihren so präsenten Sänger zu reduzieren – also Narrenfreiheit und nutzt diese nicht nur am gegen Genrekonventionen revoltierenden Albumcover. ‚So, You Are A Magician?‚, so sagt die für Blacklisted zuständige Plattenfirma Six Feet Under, zeigt die Zuneigung der Band für frühe Bad Brains, Exploited, Nirvana und Life of Agony. Stimmt alles, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn schon ‚Mentalist‚ ist mehr als alles andere ein klassischer Blacklisted-Song, ein Brett mit typischen Hirsch-Melodien in den gebrüllten Gesangsattacken: kurz, schnell, eingängig, randalierend ist das, dann irgendwo schwer groovend, walzend und ansatzweise Hardcore-Pop. Überhaupt: das Händchen für wirklich eingängige, beinahe zutrauliche Parts haben sich Blacklisted bewahrt, auch, wenn ‚So, You Are A Magican‚ in erster Linie immer noch problemlos das Hardcore-Prädikat verliehen bekommt.

Spätestens ab ‚Cooper Fields‚ aber macht Hirsch klar, dass er sich nicht auf bisherigen Taten auszuruhen gedenkt. So mutiert das Szenario zu Hardrock aus der Sicht von Blacklisted, Hirsch singt nahe am stechenden Rap, also irgendwo ist das sogar Crossover ohne Hip-Hop Elemente, dafür mit Danke Jones‚ Blutschweiß. Dass kaum jemand sonst sich einen derart geschmeidig roh-unsinnige Refrain (‚Abrakadabra Cadabra Cadabra„) solcherart inbrünstig intoniert erlauben könnte, sollte klar sein. Und trotzdem schießen Blacklisted erst in ‚Houdini Blues‚ ungebremst über das Ziel hinaus. In der Strophe tatsächlich gerappte Relaxtheit, nicht aufregend sondern altbacken nach 90er klingend. Das Hirsch das im Chorus mit einem supereingängigen Part kontrastiert macht die Sache nicht besser: ‚Houdini Blues‚ klingt nach inhomogenen Baukastenprinzip und schlicht – was noch kaum ein Blacklisted-Song bisher tat: langweilig auf diese Länge.

So, You Are A Magican‚ zeigt in seinen besten Momenten, dass man nach der verhältnismäßig langen Auszeit immer noch mit Blacklisted rechnen kann und muss. In seinen schwächeren lässt die EP jedoch die Sprengkraft von ‚Heavier Than Heaven, Lonelier Than God‚ vermissen, dazu aber auch die zwingende Grenzenlosigkeit von ‚No One Deserves To Be Here More Than Me‚. Eine zwiespältige Rückmeldung, zu zwei Dritteln aber eine durchaus Willkommene.

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