Blood Incantation – All Gates Open

von am 11. Juni 2026 in Soundtrack

Blood Incantation – All Gates Open

Der esoterisch-kosmische Ambient von All Gates Open ist die Keimzelle von Absolute Elsewhere – mit dem Blood Incantation vor beinahe zwei Jahren ja endgültig in einer über den progressiven Death Metal hinausgehenden Massenwahrnehmung angekommen sind.

Die Band aus Denver hatte All Gates Open: In Search Of Absolute Elsewhere bereits der Deluxe Artbook Edition ihres triumphalen 2024er-Albums beigepackt. Doch nun bekommt das Begleitprojekt – sogar mit limitiertem Kinostart – die verdiente separate Veröffentlichung.
Paul Riedl: „Es ist nicht das nächste Album oder der Nachfolger von Absolute Elsewhere, sondern der Soundtrack zur Dokumentation über die Entstehung des Albums mit Songs, die schon vorher entstanden sind. Der Soundtrack fängt den allerersten Keim dessen ein, was zu Absolute Elsewhereführte. Hier begann diese Ära.
Mit diesem tonalen Mood-Board, auf dem Absolute Elsewhere wachsen konnte, setzen Riedl, Jeff Barrett, Morris Kolontyrsky und Isaac Faulk über das rund einstündige All Gates Open stilistisch und ästhetisch vollkommen Metal-frei die Welten von Timewave Zero (2022) fort. Und auch wenn Puristen sich darüber streiten wollen werden, beweisen Blood Incantation einmal mehr, wie verdammt gut sie diesen Aspekt ihres Sounds beherrschen.

Balance zieht als delirant-psychedelisch angehauchte Space Ambient in seinen schemenhaften Konturen, der ebenso enigmatisch wie idyllisch vereinnahmt, ansatzlos in seinen Bann – angenehm und barrierefrei zu konsumieren, aber alleine imaginativ (und auch ohne die Bilder der Dokumentation) sehr ergiebig. Visionen von Tangerine Dream und anderen Synth-Helden mutieren elegisch, der Eklektizismus malt ungezwungen und versiert. Atmosphärisch und stimmungsvoll.
Flight ist wärmer und hoffnungsvoller angelegt, erträumt eine sanfte Melodie, die die Andeutungen einer heroischen Aufbruchstimmung über ein Piano im kammermusikalischen Aroma andeutet. Das ist selbst dann noch unheimlich beruhigend, wenn ein vorsichtiger Beat durch das Geschehen zu joggen beginnt. Das pastorale Dawn blendet als fas mit Abstand kürzeste Stück der Platte etwas schneller in seiner Entwicklung halluzinogener Trance über, bevor das wundersam erfüllende Rain optimistisch erblüht und mit naturalistischen Acoustic Gitarren ein folkloristisches Flair evoziert. So gilt im selektiven Genuss wie im großen Ganzen: Sehr anmutig, was die Ambient-Band Blood Incantation da im Schatten von Absolute Elsewhere gezaubert hat.

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