Collapse Under The Empire – Fragments Of A Prayer

von am 26. September 2012 in Album

Collapse Under The Empire – Fragments Of A Prayer

Gibt es eine Grundformel um packende Post-Rock-Hymnen ohne Ablaufdatum zu kreieren, haben Collapse Under The Empire diese nicht nur verstanden, sondern auf ihrem vierten Album in fünf Jahren auch verinnerlicht: für Werke wie ‚Fragments of a Prayer‚ ist manchmal selbst das Kopfkino zu klein.

Dafür brauchen die beiden Hamburger Chris Burda und Martin Grimm noch nicht einmal eine Steigerung in ihrer weit ausholenden, dem Einmaleins des Post-Rock meisterhaft Tribut zollenden Genrevernneigung, es genügt, dass sie ihre Sache im Fließbandmodus so fabelhaft wie eh und je entstehen lassen, somit das mit ‚Shoulders & Giants‚ vorgegebene Niveau zumindest weitestgehend halten können. Denn immer noch nimmt einen das atmosphärisch dichte Auf-und-Ab der majestätischen Kompositionen an der Hand in weite Landstriche jenseits der Realität, wo nahezu alles passieren kann, die Zukunft aber nie fern ist: der elektronische Touch, der Collapse Under The Empire in die Nähe von ähnlich ausgerichteten Kollegen wie God Is An Astronaut schweben lässt, der in Stücken wie ‚180 Seconds‚ immer wieder mehr oder weniger dezent und nahe am Soundtrack-Schaffen von Nine Inch Nails Mann Trent Reznor die Schaltkreise klicken lässt, drückt den epischen Klangwelten immer einen leichten Neonschimmer in die melancholisch-euphorischen Melodiebögen, vermittelt eine gewisse Ahnung davon, wie übermannend Sonnenaufgänge hinter fremden Planeten im All zu beobachten sein müssen.

Genau diese Stimmung transportieren Collapse Under The Empire auch auf ‚Fragments of a Prayer‚ wieder meisterhaft, dieses Gefühl sich schwerelos und im freien Fall zu befinden, aber von jubilierenden Gitarrenmelodien jederzeit aufgefangen zu werden, von traumhaft schwelgenden Pianotupfern, von einem Schlagzeug, dass genau so lange abfedert, bis es selbst zupackt. Das nimmt einem den Atem und doch auch in den Arm, lässt instrumentale Klangwelten aufleuchten, umspült mit fachgerechter Urgewalt in purer Eleganz. So ist allein das Eröffnungsduo ‚Fragments of a Prayer‚ und ‚Breaking the Light‚ die reinste Fingerübung in Sachen Bandvirtuosität im Breitwandformat, eine Leistungsschau hinsichtlich der Trademarks des Genres Post-Rock im allgemeinen und Collapse Under The Empire im speziellen.

Noch besser wird das aber insgeheim, wenn die Hamburger einen Gang zurückschalten und quasi über die Hintertür in transzendentale Meditationsfelder kommen: ‚In The Cold‚ hat genug unterschwellige Dramatik, um die veranstaltete Trance-Sitzung nicht nur angenehm zu veranstalten, erwähntes‘180 Seconds‚ schwebt unheilschwanger über ein drohend warmes Klavier, die Rhythmen darum herum versprechen intensiven Thrill, die Stimmung wird stetig beklemmender, bis sich in ‚Closer‚ das Panorama wieder zu öffnen beginnt, die Gitarre mit viel Reverb den vorhandenen Metalgehalt kaschiert und schließlich ohnedies die Abzweigung gen Elektronik nehmen könnte. Die Dynamik baut sich permanent gemächlich aber stetig aus der Atmosphäre auf, ‚Fragments of a Prayer‚ kehrt die Vorzüge der Band im Gesamten nur konsequent in der Vordergrund, präsentiert deren Stärken im vorteilhaften, aber nicht makellosen Licht. Dass diese Stärken schon einmal besser ausgespielt wurden und nicht unbedingt darin liegen, dem Genre an sich neue Facetten abzugewinnen, Collapse Under The Empire dazu absolute Alleinstellungsmerkmale zugunsten einer Vormachtstellung in der zweiten Riege des Post-Rock bevorzugen, macht ‚Fragments Of A Prayer‚ nicht weniger berauschend. Zumal die Dreiviertelstunde auch eher als Aufwärmübung für den eigentlich angedachten ‚Shoulders & Giants‚ Nachfolger ‚Sacrifice & Isolation‚ agiert.

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