Das Jahr in Platten mit: UNRU

von am 19. Dezember 2016 in Adventskalender 2016, Featured

Das Jahr in Platten mit: UNRU
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Wenn es noch einen Beweis bedurfte, dass man sich auf die Empfehlungen von Phantom Winter verlassen kann – Als Tier ist der Mensch nichts liefert ihn – als an dieser Stelle übersehenes Jahreshighlight – prompt. Dabei hätte dies mit dem Langspiel-Erstling der Bielefelder ohnedies niemals passieren dürfen: Zu vielversprechend waren bereits die 2013 vorauseilende Demo, auch die Split-Veröffentlichungen mit Sun Worship und Paramnesia. Zudem heben Unru ihre finstere Melange aus rasendem Black Metal und zutiefst atmosphärischem Crust-Wurzeln auf Als Tier ist der Mensch nichts noch einmal derartig nachdrücklich auf eine neue Ebene, dass man sich über hiesige Breitengraden hinaus unmittelbar an die vorderster Genre-Front bewegt. Und nebenbei auch einmal mehr den Beweis erbringt, wozu man in der Sound-Hexenküche der Tonmeisterei so fähig ist.

Timm

Ich bin nicht dazu gekommen, dieses Jahr viele neue Veröffentlichungen zu hören. Nicht in dieser Liste erscheinen aus verschiedenen Gründen: NeurosisFires Within Fires, Grand MagusSword Songs, WhoresGold, Audio88 & YassinHalleluja, Black TombBlack Tomb, Deathspell OmegaThe Synarchy of Molten Bones u.a.

the-body-no-one-deserves-happinessThe Body – No One Deserves Happiness

Nach vier absolut makellosen Alben und einer Unzahl von Split-/Kollaborations- und EP-Veröffentlichtungen, von denen nicht eine einzige auch nur mittelmäßig war, stand für mich schon seit der Releaseankündigung fest, dass No One Deserves Happiness nicht nur zu einem der besten Alben des Jahres werden würde, sondern auch den Preis für das großartigste Artwork 2016 abräumen würde. „The grossest pop album of all time“ ist von den immer spärlicheren Metaleinflüssen des Duos beinahe völlig entkleidet und deswegen um ein vielfaches beklemmender, als es der immer langweiligere Metal Underground zur Zeit sein könnte.

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sun-worship-pale-dawnSun Worship – Pale Dawn

A propos Metal Underground: es ist nicht alles schlecht. 2017 wird der kälteste und präziseste Sound in Neukölln geschmiedet. Im Vergleich zum Vorgänger ist das zweite Album unserer Berliner Freunde sehr stark verdichtet; die Band kennt ihre Stärken und reizt Sie in vollem Bewusstsein aus. Am Ende des furiosen Ritts steht ein erhabenes, monolithisches Gesamtkunstwerk einer Band, die in Deutschland ihresgleichen sucht.

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Martyrdöd - ListMartyrdöd – List

Riffs, Riffs, Riffs. Spätestens mit List laufen Martyrdöd His Hero Is Gone den Rang als gniedeligste Punkband aller Zeiten ab. Besser noch als der schon phänomenale Vorgänger Elddop ist List apokalyptisch, wild, melancholisch und schön zugleich. Kann man ununterbrochen in Endlosschleife hören und immer wieder etwas neues Entdecken. Nur live angucken sollte man sich das Ganze besser nicht.

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darkthrone-arctic-thunderDarkthrone – Arctic Thunder

Mit Darkthrone verbindet mich als ehemaligen Die-hard-Fan eine innige Hassliebe. Seit The Cult is Alive habe ich kein Album, wenn überhaupt, mehr als drei mal gehört und kann mich mit dem neuen Vibe der Band einfach nicht anfreunden. Auch wenn es natürlich zynisch ist, aber wenn es nach mir ginge, hätte Fenriz niemals trocken und zu der gut gelaunten Popkulturikone werden dürfen, die heute von einem Indiemagazin zum nächsten durchgereicht wird. Arctic Thunder habe ich mir trotzdem angehört, weil das Gemunkel über das grimmigste Album seit einer Dekade für mich unüberhörbar wurde. Und noch mal. Und noch mal. Und was soll ich sagen? Es ist immer noch nichts für mich. Ich habe diese Band nicht abgöttisch geliebt, weil sie mich so gut unterhalten hätten, wie es ihre Proto-Metal-Spaßveranstaltungen heute sicher zu tun in der Lage wären. Sondern weil für mich das perfekt reduzierte Riffing, die Kargheit des Klangbilds und die kryptischen, fragmentarischen Texte stellvertretend für alles standen, was Black Metal für mich so einzigartig macht. Davon ist nach wie vor nichts zu hören. Ich gönne es ihnen und ihren Fans, aber ich bin da nach wie vor raus.

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Perturbator - The Uncanny ValleyPerturbator – The Uncanny Valley

2016 habe ich eine Zuneigung zu Horrorsynth und Retrowave entdeckt. Ich wette, dass mich Leute, die sich ernsthaft mit elektronischer Musik beschäftigen, fürchterlich auslachen würden und es ist mir quasi vorauseilend peinlich. Aber Perturbator wecken in mir nicht nur Erinnerungen an lang vergangene Nächte auf Industrial- und Gothic-Parties, sondern spielen auch perfekt auf der Geschmacksklaviatur des Horrorfilm-Fans in mir.

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Stephan:

olafur-arnalds-island-songsÓlafur Arnalds – Island Songs

Wahnsinnig schönes Album, welches vermutlich jenes ist, das 2016 bei mir am häufigsten gehört worden ist. Ólafur Arnalds nahm in diesem Projekt in sieben Wochen sieben Kompositionen in sieben unterschiedlichen Orten in Island auf und erschafft zusammen mit verschiedenen, lokalen Musizierenden Portraits, die jeweils ihre eigene Charakteristik besitzen. In meinem nächsten Leben lerne ich ein Streichinstrument.

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ttng-disappointment-islandTTNG – Disappointment Island

All-time Favourites, die es für mich immer schaffen, den Spagat zwischen technisch anspruchsvoller Musik und easy-listening so hinzubekommen, dass es dir nie auf die Nerven geht, aber trotzdem immer interessant bleibt, wenn du genau hinhörst. Disappointment Island reiht sich ein in eine Kette von Releases der Band, die schon immer gut waren.

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g-l-o-s-s-trans-day-of-revengeG.L.O.S.S. – TRANS DAY OF REVENGE

Hach ja, irgendwie schön aber auch traurig zu sehen, dass eine Punk Band noch Punk bleibt und im gerade überfließenden Erfolg die Reißleine zieht und ihr Ende verkündet. Für mich ist der letzte Output Trans Day of Revenge die Punk-Platte des Jahres.

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old-soul-blue-heronOld Soul – Blue Heron

Zwar ist Blue Heron im Vergleich zu anderen, älteren Veröffentlichungen von Old Soul nicht besonders häufig in meiner Playlist erschienen, allerdings hat die Band dieses Jahr für mich das beeindruckendsste Konzert abgeliefert und darf deshalb nicht unerwähnt bleiben. Für mich wieder einer dieser Momente, bei dem man sich ärgert, dass man bei einer Band nicht früher reingehört hat, denn besagtes Konzert war die äußerst mitreißende Abschiedsshow.

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sun-worship-pale-dawnSun Worship – Pale Down

Für mich die einzige Metal-Platte des Jahres, die ich regelmäßig gehört habe. Vor allem der Song Perihelion wurde ca. 235476 Mal gespielt.

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Vielen Dank an die Band für die Teilnahme am Heavy Pop Adventskalender 2016!

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