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David Bowie – Mother / Tryin‘ To Get To Heaven

David Bowies Management bleibt auch rund um dessen 5. Todestag bzw. 74. Geburtstag umtriebig, und lichtet die Archive mit zwei bisher unveröffentlichten Coversongs: Tryin‘ To Get to Heaven von Bob Dylan sowie Mother von John Lennon.

Zeitlich sind die Verbeugungen vor zwei großen Kollegen zwischen seine Studioalben Earthling (1997) und hours… (1999) zu verorten; qualitativ positionieren sie sich irgendwo zwischen der Nachvollziehbarkeit, weswegen das Material zu Lebzeiten Bowies nicht unbedingt veröffentlicht werden musste, und einer drchaus wohlwollenden Zufriedenheit, dass ihre Verfügbarkeit nun zumindest keineswegs wie eine alleine finanziell motivierte Archivsichtung anmutet.
Einigen wir uns auf wenig essentielle Fußnoten, die man sich als Fan dann nicht entgehen lassen sollte (obgleich die physische Verfügbarkeit ob der etwas absurden Limitierung der Vinylversion eher ein frustrierender Aspekt dieses Jahrestags-Releases darstellt.)

1998 mit Tony Visconti aufgenommen arrangiert Bowie Tryin‘ To Get To Heaven weit weg vom Dylan-Original lauter und länger als Rocksong, wenngleich der ursprüngliche, warme Folk hier mit getragen schippernder Nostalgie und vielseitig eingesetzten Gitarren zum sehnsüchtigen Horizont zieht, die Texturen mal ambienter schwimmen und dann wieder kantiger offen nachhallen oder gniedeln lässt. Bowie intoniert zudem immer gepresster, powerballaden-beschwörend gar, während sich das Gefüge nach und nach zum Soul orientiert, auch mit dem orchestralen Breitband liebäugelt, dann aber das Spotlight erst doch auf den Sänger auf der großen Stadionbühne mit choraler Unterstützung und flanierender Leadgitarre richtet, bevor der in Aussicht gestellte Klimax reichhaltig schwelgend agiert.
Eine interessante Aufarbeitung des Songs, wenngleich keine, die das zeitlosere Ausgangsmaterial per se interessanter oder spannender machen würde. Was noch mehr für den folgenden John Lennon-Tribut gilt. Mother stammt aus den Mixing-Sessions um die Live-LP LiveAndWell.com. Bowie badet hier croonend und weich in dem leicht pathetisch orgelnden Stück mit R&B/Soul-Absichten, unaufgeregtem Rhythmus und dem klimpernden Klavier von Jordan Rudess. Vibrierend und heulenden geht die Melancholie im demonstrativen Intensivieren der Leidenschaft auf, klingt dabei aus heutiger Sicht nicht unangenehm anachronistisch – ein wenig altbacken träfe jedoch auch zu, ohne dies explizit negativ auffassen zu müssen. Wirklich schön jedenfalls, die beiden Nummern doch noch hören zu dürfen.

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