Deathcrash – Return

von am 9. Februar 2022 in Album

Deathcrash – Return

Sind Slowcore und Postrock der neue Midwest Emo? Deathcrash klingen auf Return jedenfalls, als würden sich frühe Mogwai heimlich, still und leise über den Leitstern Slint nach American Football oder Bark Psychosis sehnen.

Zwar ist Return das Debütalbum der 2019 in London gegründeten Band von Tiernan Banks (vocals, guitar), Matt Weinberger (guitar), Patrick Fitzgerald (bass), Noah Bennett (drums), doch passt der Titel aufgrund der in die Vergangenheit greifenden Assoziationen sowie der referentiellen Verortung des durch und durch eklektischen Werkes eigentlich schon sehr gut. Deathcrash wandern schließlich auch durch ein Kaleidoskop der (eigenen) musikalischen Sozialisierung, fühlen sich so vertraut und heimelig an, wenn etwa ein What to Do durchaus so klingt, als hätte Rock Action mit Aerogramme vor Augen den Sound von Young Team an die Praxis von R U Still In 2 It herangerückt, bevor die Nummer im Feedback und Drone ersäuft.

Return ist melancholisch und getragen, nahezu immer ruhig und behutsam. Die kontemplativen Gitarren kennen Codeine oder Logh und perlen über die organische Rhythmussektion, der bescheidene Gesang wird sorgsam in die Songs gehaucht, manchmal gar nur am nachdenklichen Sprechen rezitiert. Das gibt der Platte einen sehnsüchtigen Charakter, eine schwelgende Ader – aber keine mäandernden Songs. Schließlich fordern die formoffenen Strukturen mal den wendungsreichen, zwingend anpackenden Klimax wie im beinahe progressiven Sundown, dann wieder schichten sie Lautstärke, Dichte und Intensität geradezu klassisch am Postrock geschult, wie im so imaginative Bilder zeichnenden Crescendo von American Metal.

Die ikonischen Szenen und wirklich herausragenden Momente ihrer Vorbilder erreichen Deathcrash dabei zwar nicht – zu ausführlich fällt Return jedoch trotz einer langen Spielzeit von 66 Minuten aufgrund seiner Atmosphäre allerdings auch keineswegs aus – zumal die Band die Stimmung und Dynamik gerade im Ganzen betrachtet stets variiert, fesselnd an der Stange hält.
Die intim gezupfte Lofi-Acoustic-Miniatur Matt’s Song steht dafür exemplarisch als geschickt im Verlauf platziertes Interlude, zumal die Weezer-Verneigung Wrestle With Jimmy mit harsch im Sound gebrüllten Screamo-Geschrei den Post Hardcore-Knoten platzen lässt und Metro 1 nach diesem impulsiven Andrehen der Schrauben betont schwermütig um ein nostalgisches Sample träumt. Slowday konnte direkt aus dem Schneideraum von Rock Action stammen, während Was Living den Kontrast noisig schabend heavier verstärkt.
Auch über seinen unspektakulären Schlusspunkt The Low Anthem im Speziellen und im Allgemeinen als Album, das man so nach den Vorboten (wieviel größer ist alleine das um eine wunderbare Gitarrenlinie gebaute Unwind nun im Kontext?) nur bedingt erwarten konnte, entwickelt sich (das an dieser Stelle an sich zwischen den Punkten liegende, zweckoptimistisch aufgewertete)  Return zu einem subtilen Grower von trauriger Schönheit, der eine anmutige Balance als authentische, anachronistische Zeitreise in die Vergangenheit der 90er wahrt – dabei aber vor allem ein Versprechen für zukünftiges darstellt.

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