donaufestival [24.04. + 25.04., Krems]

von am 30. April 2015 in Featured, Reviews

donaufestival [24.04. + 25.04., Krems]
© David Visnjic

Der kurze, aber bündige und subjektive Nachbericht zum ersten Festivalwochenende: in zwei Nächten wurde getanzt, gelächelt und der Autosuggestion gefrönt. Heute geht es in die zweite Runde – leider ohne mich – donaufestival.

Am Freitag, dem 24/04 startete mit Tarek Atoui mein Musikwochenende, er präsentierte nicht wie angekündigt seine Klangsammlung ethnischer Musikinstrumente, sondern ließ sich vom prachtvollen Wetter über der Kremser Minoritenkirche inspirieren und spielte, das was seine Zuhörerinnen und Zuhörer schon von ihm kennen: Soundkunst, von ihm gesteuert in Puppenspieler-Manier, mit einer abwechslungsreichen Körpersprache verging seine halbstündige Performance schnell und flockig.

© David Visnjic

© David Visnjic

Carter, Tutti, Void, das sind zwei Viertel der Industrial-Ikonen Throbbing Gristle und ein Viertel der Neo-Techno-Post-Punk-Schatzis Factory Floor. Langsam, ganz langsam schrauben die Drei sich in Hochform und höchste Höhen, Nik Colk Void an der Gitarre, stets mit Geigenbogen bestückt, Cosey Fanni Tutti mit E-Bass, Mikro und Electronics und Chris Carter an den Reglern: archaisch, phantastisch, düster, schwarz und weiß ist ihre Musik, es ist ein Schwebezustand, den sie bei der Zuhörerin, beim Zuhörer auslösen, ein kontemplatives Glücksgefühl.

© David Visnjic

© David Visnjic

Die Eröffnung des Festivals ist eine Middle East, MIA, Machismo und von Fruchtbarkeitstänzen infizierte Geschichte: Proll Positions/Fahim Amir bringen mit ‚Amazons Death Valley‚ eine Gruppe von Zebra-Camouflage-Kämpferinnen zu einem matriarchalischen Tanz, der traditionell nur von Männern getanzt werden darf. Ein Buch mit dem Namen „Die, Excel, Die“ wird verbrannt, die Excel-Tabelle als ein Lieblings-Instrument der Verwaltung und Bürokratie, ein Leviathan, der zerstört werden sollte.

Proll Positions_Fahim Amir_009

© David Visnjic

Reverend Billy & The Stop Shopping Choir: Das Programm „Monsanto Is The Devil“ ist die Performance eines Gospelchors, der auf die Revolution mitsamt Aktivismus trifft, während der Liebes-Prediger Billy die Sängerinnen und Sänger zu vokalen Hochschaubahn-Ekstasen führt, Mitsing-Aktionen des Publikums inklusive.

Ben FrostA U R O R A‚ w/ MFO : sehr hypnotisierende Visuals gepaart mit der stoischen attraktiven Bühnenpräsenz des Ben Frost führten zu einem meditativen Wegdriften meinerseits. Raum (schwarz in schawarz mit Laserlicht und Nebelschwaden), Zeit und Ort wurde eine Einheit und einerlei, ganz große Soundreisen waren die Folge!

© David Visnjic

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James Holden bekam fette Unterstützung von einem Live-Drummer und einem Saxofonisten. Seine Performance, ja, der ganze Abend stand im Zeichen eines ursprünglichen, zutiefst menschlich verstandenem Sounds, , schon zu Steinzeiten hätten Holdens Soundgebilde die Menschen zum Lächeln und Tanzen gebracht.

Helena Hauff war mein Höhepunkt des zweiten und meines letzten Tages, sie brachte mich endlich zum Tanzen. Die scheue Art und die Reaktion ihrerseits auf das begeisterte Publikum, nämlich ein fröhliches Lachen, die sie während ihres Sets an den Tag legte und die Auswahl der Tunes aus Techno, Acid, Electro, Dark Wave Gefilden waren adäquat für die letzten Stunden auf Festivalboden. Als ich mich umdrehte, tanzte die gesamte Halle 2, euphorisch wurde die Hamburger DJ von ihrem Publikum während einiger musikalischer Verschnaufpausen bejubelt und weitergetragen : ein perfektes Set, ein perfekter Abschluss für meine Zeit in Krems.

© David Visnjic

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