Dry the River – Alarms in the Heart

von am 24. August 2014 in Album

Dry the River – Alarms in the Heart

Mit grandiosen Einzelsongs voller hymnischer Spitzen und himmelschreiender Schönheit gelang es Dry the River 2012  aus der Masse des Indie-Folkrock hervorzustechen. Zwei Jahre später macht es sich die Band mit ‚Alarms in the Heart‚ zumindest auf den ersten Blick selbst schwer dieses Kunststück zu wiederholen, indem die großen Ausreißer nach oben in eine ausgeglichenere Balance mit weniger überwältigenden Schwankungsbreite gebracht wurden.

Der Erstkontakt mit ‚Alarms in the Heart‚ kann deswegen durchaus ein enttäuschender sein: die emporstrebend aufgetürmten Euphorieausbrüche des Vorgängers – man sucht sie am Zweitwerk der in England beheimateten Band über weite Strecken vergebens. Zugegebenermaßen ist das natürlich vor allem ein Spiel mit der Erwartungshaltung, musiziert das Quartett doch im Schatten einiger überragender Einzelsongs mit weltumarmender Breitenwirkung des Debütalbums ‚Shallow Bed‚.
Aber eben in dessen schwindelerregend jubilierenden Spitzen will sich die Band diesmal nicht ohne Rückendeckung aufschwingen. Dabei schreiben Dry The River immer noch diese Art von Songs für die man sie vor zwei Jahren lieben gelernt hat, auch wenn der Folk nun gegenüber dem Rock nicht mehr unbedingt im Vordergrund steht. Songs also, die mehr als alles andere Hymnen sind, voller weihevoller Eleganz und streichelnder Hemdsärmeligkeit in pastoraler Harmonieseligkeit und mal dick aufgetragenem, mal sanftem Pathos schwelgen – und sich wie im Falle von ‚Hidden Hands‚ mehr denn je über ihre Stadiontauglichkeit im Klaren sind, weil das zwar alles immer noch heimelig wie nur was klingt, als Referenzen aber trotzdem U2 oder Coldplay zulässig erscheinen lässt.

Inmitten der Fläche aus berührenden Ohrwürmer (aus der der Titeltrack oder ‚Everlasting Light‚ dann doch aufzeigen), die allesamt eine unmittelbar anziehende Vertrautheit ausstrahlen, wirkt ‚Alarms in the Heart‚ im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger aber doch zu glatt und versöhnlich in die Gehörgänge gebettet; gefällig breiten sich die erhabenen Melodien mit großer Geste aus, ohne aber diesmal über sich selbst hinauszuwachsen, friedfertig suhlt alles in seiner tröstenden Schönheit. Wenn etwa ‚It Was Love That Laid us Low‚ elegisch die Seele streichelt, sich ‚Roman Candle‚ von Delgados-Chanteuse Emma Pollock in die Arme nehmen lässt und als zutraulicher Walzer voller flackender Kerzen, zarten Streichern und verschmuster Romantik fließt oder ‚Gethsemane‚ zwischen leisen Chören die Gitarre fast so anmutig klingen lässt wie ‚I Need My Girl‚ von The National, bevor der Song munter an Fahrt aufnimmt, mutet das an, als hätten Dry the River hier ein Album geschrieben, dass vor allem angenehm im Hintergrund beruhigt, aber nicht annähernd so intensiv zupacken möchte wie ‚Shallow Bed‚: Charlie Hugall, Paul Savage und Peter Miles haben da am Produzentenstuhl die Wogen doch ein wenig zu gutmütig geglättet.

Nach und nach zeigt sich allerdings auch: dem Gespann war es offenbar ein Bedürfnis die Extreme der Vorgängerplatte auszugleichen: die Höhenunterschiede zwischen den überragenden Magie-Momenten und den ausfüllenden Songs existieren auf ‚Alarms in the Heart‚ kaum mehr. Es herrscht ein ausgewogenes Niveau an versiertem Songwritinggespür was das Zweitwerk der Engländer als Ganzes deutlich runder und homogener temperiert wirken lässt als das Debüt und unscheinbar von innen heraus wärmt, wenn ‚Shallow Bed‚ seine balsamierende Wirkung auf den Sockel stellte. ‚Alarms in the Heart‚ bleibt damit einerseits zwar hinter den Möglichkeiten der Band zurück, tut dies aber eventuell auch auf Rücksicht der allgemeinen Herangehensweise an Dry the the River, und funktioniert daneben vor allem aber gleichermaßen als Grower mit Tiefenwirkung, der mit viel Gefühl die Gewissheit festigt, dass das Quartett um Falsettsänger Peter Liddle im Gegensatz zu etwaigen Konsorten immer noch zum Besten gehören, was dem formatradiogerechten Neuzeit-Folk passieren kann.

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