EMA – The Future’s Void

von am 3. April 2014 in Album

EMA – The Future’s Void

Für all jene, die es 2011 auf dem offiziellen Debütalbum ‚Past Life Martyred Saints‚ wegen all der verstörenden Drone-Aggressivität nicht mitbekommen haben erteilt Erika M. Andersen die Lektion auf ‚The Future’s Void‚ noch einmal – in freundlicher: die ehemalige Gowns-Punkerin macht jetzt Popmusik.

Auf ihre Art, weiterhin. Handzahm und in konsumfertig vorgekaut sind auch die zehn neuen Songs der Songwriterin aus South Dakota nicht – seit ‚Past Life Martyred Saints‚ hat sich trotzdem so einiges getan. ‚The Future’s Void‚ ist deutlich ruhiger ausgefallen als sein Vorgänger und auch eindeutig melodiöser – weil Andersen nicht mehr jeden Ansatz von Schönheit mit Galle speiendem Noise ausbalanciert, sondern sich durchwegs ein wenig Friedfertigkeit gestattet: ‚100 Years‚ darf sich deswegen sogar als größtmögliche Annäherung an eine lupenreine Pianoballade bezeichnen. ‚So Blonde‚ deutet zwar immer wieder an dass EMA noch den Brüllwürfel geben könnte, lässt das weiße Rauschen dabei allerdings nur noch beiläufig durch den Hintergrund fließen und letztendlich ist die erste Single ein gar nicht so garstig rumpelnder Gitarrensong, der klingt als wäre ein Soul Asylum-Track zu einer freundlichen Hole-Nummer abgemixt worden. Und ‚When She Comes‚? Ist dann ohnedies ein soulig gehauchter, lockerer Slacker-Ohrwurm ohne Wenn und Aber – anstelle des sich abzeichnenden Solos kommt dann allerdings ein freches Feedbockzucken.

So ganz ohne Schieflage geht es bei EMA natürlich weiterhin nicht. Um wieviel zugänglicher sich ihre zweite Platte (rechnet man ‚Little Sketches on Tape‚ nicht mit) ausgefallen ist, erstaunt dann allerdings doch. Wieder bestimmt ein aufgeräumter Minimalismus die Kompositionen, das Dazwischen füllt Andersen diesmal aber markant mit mehr Synthies denn je und verleiht ‚The Future’s Void‚ so vollere Konturen und eine weitaus versöhnlichere Klangfarbe, die zudem die Grenzen von ‚Past Life Martyred Saints‚ weiter ausdehnt und die Aura des Vagen in greifbarere Bahnen lenkt, nebenbei mit Stahlrohrpercussion und Fabrikhallensounds (‚Neuromancer‚) auch rhythmusorientierter ausgefallen ist. Gleich ‚Satellites‚ läuft mit energischen Beats und dramatischen Streichern über die Tanzfläche auf die große Geste zu, auch ‚Cthulu‚ hat eine stampfende, rollende Bassdrum, Chöre aus der Steckdose und wieder unaufdringliche Streicher: aus ambienten Fäden wird nach und nach ein episches Kleinod an der Grenze zwischen Industrial-Pop und Synthierock – im Vorprogramm der Nine Inch Nails wäre EMA nicht mehr vollends deplatziert.

‚3Jane‚ ist schwebender INXS-Pop, wabbert aber im Gegensatz zu ‚California dereinst in beunruhigender Ungefährlichkeit und ist damit wie das psychedelisch mit spitzen Vocal-Effekten entstellte ‚Smoulder‚ jene Art von ätherischer Keyboardmusik, die die Yeah Yeah Yeahs so seit zwei Alben nicht zustande bringen. ‚Solace‚ bricht die Elektronik der Fuck Buttons auf Zeitlupe herab um damit die Hitparaden implodieren zu lassen: man darf bei EMA mittlerweile an eine Web2.0-Version von Carla Bozulich denken, vor allem wenn das lose gewobene ‚Dead Celebrity‚ am Ende als depressiver Triumphgesang leise verglüht. Dass ‚Future’s Void‚ weniger kaputt als erwartet ausgefallen ist und seinen Songwriting-Experimenten nicht mehr permanent die Drone-Fratze schneidet kann man dabei natürlich schade finden. Dabei gelingt EMA hiermit ein vielleicht noch nachhaltigerer Spagat als mit ‚Past Life Martyred Saints‚: wo der Vorgänger sich noch darin gefiel zwischen Zuckebrot und Peitsche abzuschrecken holt ‚The Future’s Void‚ seine Hörer ab, zieht in seinen Bann und macht keinen Hehl mehr daraus, wie individuell und unerschrocken Popmusik sein kann ohne an Breitenwirkung einzubüßen.

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  • Kurzkritiken - HeavyPop.at - […] auspackt. Den aufgefahrenen Ideen geht schlicht zu schnell die Puste aus. Das hat EMA unlängst gar nicht so anders,…

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