Garish, The Shh [09.04.2014 PPC, Graz]

von am 11. April 2014 in Featured, Reviews

Garish, The Shh [09.04.2014 PPC, Graz]
@ Christopher Pieberl

Auf den unlängst ausgespielten ‚Trumpf‚ folgt der Triumphzug über die Bühnen Österreichs und Deutschlands: die Burgenländer Garish zelebrieren große Popkunst im ausverkauften PPC und liefern im Livemodus die glanzvolle Veredelung ihrer Songs.

Erst einmal zieht sich der Abend jedoch wie zäher Kaugummi, weil The Shh mühelos aufzeigen wie mühsam es sein kann, wenn langweilende Banalität die Grenze zum enervierenden Ärgernis überschreitet. Das Duo aus Paris/Malta spielt seinen melancholisch gemeinten Indie unfassbar austauschbar und beliebig, ausgedehnt mit einfallslosen Melodien, simplen Strukturen und flachen Spannungsbögen, die rund um bemitleidenswert platte Pokémon-Texte (irgendwas mit „Love“ ist praktisch immer dabei) und eine nur auf den ersten Blick rein besetzungstechnisch bedingte Monotonie siechen. Sängerin Alison Galea sieht dennoch ständig drein, als wäre sie selbst überrascht wie süß und nett sie Songs wie ‚All Things with Love‚, ‚Burning Love‚, ‚Antichrist of Love‚ oder ‚You can’t be in Love‚ findet.
Ihre besten Momente haben The Shh, wenn Bassist Ian Schranz ans Schlagzeug wechselt und die Songs von der Alleinherrschaft einer unvariabel aufs Tanzbein stampfenden Bassdrum befreit und den treibenden Postpunkplan der Band auf ein etwas flexibleres Rhythmusgerüst mit mehr Popspielraum und gemischtgeschlechtlich schiefen Wechselgesang zeichnet – der allerdings auch nur aufzeigt, wieviel Blood Red Shoes eigentlich stets richtig machen. Dass der Lautstärkepegel im Publikum während der höhepunktlos vor sich hin plätschernden Performance erstaunlich hoch ist erscheint irgendwann sogar nachvollziehbar; der sachte aufflammende Applaus in den Pausen dürfte aber wohl tatsächlich nicht allgemein zynisch gemeint gewesen sein.

Um es vorwegzunehmen: ehrfürchtige Stille kehrt beim mit der Band älter gewordenen (über weite Strecken auch durchaus reserviert wirkenden) Publikum auch bei der Hauptband nicht ein. Noch nicht einmal dann, als Garish für ‚Unglück trägt den selben Namen‚ auf jegliche Verstärkung verzichten und nahe am Acapella-Stück mit stampfenden Beinen und Banjo intime Gänsehautatmosphäre kreieren, oder das betörende ‚Auf den Dächern‚ auf Stimme und Akustikgitarre reduziert sogar noch weniger Mittel benötigt um eine immense Wirkung zu erzielen. Dafür feiert die Menge das reichhaltig Gebotene stets derart frenetisch, dass Garish sich zu mehreren Zugabenblöcken hinreißen lassen, die über “Wenn Dir Das Meine Liebe Nicht Beweist‚-Glanztaten wie ‚Dann Fass Ich Mir Ein Herz‚ oder ‚Eisenherz‚ nach knapp eindreiviertel Stunden Spielzeit in der Falco-Verneigung ‚Junge Römer‚ gipfeln.
Alleine Setlisttechnisch bleiben da letztendlich kaum wünsche offen (gut: das mediativ rumpelnde ‚Noch einmal das Echo hören‚ war vielleicht nicht die optimale Wahl um den Reigen zu starten) und hangelt sich entlang zahlreicher Nummern des aktuellen ‚Trumpf‚ über nahezu alle alten und neuen Hits – ‚Ganz Paris‚, ‚Alte Bekannte‚, ‚Spuk‚… – allesamt bereichert durch den zuletzt noch stärker forcierten gemeinschaftlichen Gruppengesang.

Überhaupt ist der Abend durch und durch eine beachtliche Bandleistung, die ein stimmlich immer besser werdender Thomas Jarmer ihn mit netten Anekdoten voranspinnt: die kraftvolle Rhythmusgruppe grundiert mit beachtlicher Dichte, die Gitarren spielen sich zwischen feingliedrig und frontal agierend aufgefächert die Bälle absolut präzise zu, dazwischen wechselt das Quintett behände zwischen dem reichhaltigen Instrumentarium mitsamt Akkordeon und Livetriangel.
Schlichtweg: erhabener Indiepop an der Grenze zur Makellosigkeit ist das, auch, weil nach anfänglichen Schwierigkeiten der Sound verhältnismäßig gut und voll daherkommt (zumindest im hinteren Bereich) und die so effektive wie unaufdringliche Lichtshow ihr übriges tut um die nötigen Akzente zu setzen. Genau genommen gelingt es der Liveband Garish über die volle Distanz sogar regelrecht mühelos Kompositionen aufzuwerten und ihre Tonträger in den Schatten zu stellen – alleine um wieviel imposanter und mächtiger das pompös wirkende ‚Zweiunddreißig Grad‚ mit einer epischen Nachdrücklichkeit aufstampft hinterlässt restlos begeistert. Was dann auch so gar nichts damit zu tun hat, dass Garish nach The Shh quasi von vornherein leichtes Spiel hatten.

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