Gloios – Polvorosa
Ficha war ein nicht zuviel versprechender Vorbote: Der Brasilianer Rafael Xavier baut auf dem Fundament des 2024er-Albums Natureza Errada seinen stilistischen Schmelztigel Gloios mit Polvorosa noch weiter aus.
„It’s mainly an album about anxiety, but with a hint of hope for improvement; of accessibility. In the end, it’s a mess that brings together elements of post-rock, Brazilian music (MPB, forró, samba, xote, baião), ambient music, metal, art rock, art pop, dream pop and emo. It’s only fair to think that this album is a continuation (or a consequence) of „Natureza Errada“, because there’s still an aura of death and mourning hovering over this sound, but the focus here is on contemplating the disorder of things and trying to maintain control. Still, for me, it’s a much more surreal and much less despairing album than I thought it would be“, so Rafael Xavier.
Vor diesem collagenartigen Hintergrund verwächst Polvorosa zu einem ganzheitlichen Organismus, der seine Bestandteile als kleine, in sich selbst geschlossene Kosmen mutierend zu einem runden Gesamtwerk assimiliert.
In Beberomorto schellen Glocken, als würde ein Almabtrieb einen LoFi-Alternative Rock aus der Distanz beobachten, wo sich das Songwriting des dominanten Basslaufs als zum zum Abspann aufschwingende, weitschweifende, optimistische Aufbruchstimmung nicht vom Fleck bewegt, um sich selbst zirkulierend verharrt – euphorischer Drone Metal aus einem Nebenraum, der in Endlosschleife festhängend bimmelt?
Der Sound kreiert jedenfalls einen seltsam unbestimmbaren Ort, anstatt kraftvolle Konventionen als Konturen zu nutzen. Auf die letzten Meter pulsiert das Stück nachdrücklicher wummern, was im elektronisch verwobenen Ausklang den nahtlosen Übergang zum Aushängeschild Ficha („a song about how things are not always they seem and different perceptions of a single subject“) ermöglicht.
Samples erschaffen hier die Symbiose aus digitalem Postrock und Dream Pop, ein mit zappelnder HiHat pulsierender Beat bringt subkutane Spannung in die cinematographische Kontemplation. Ein Synth treibt an, wundersam und mysteriös, der Gesang schwelgt in der Dunkelheit. Nach vier Minuten wird die Handbremse dort in Schüben gelöst, Ficha bewegt sich nach vorne, ohne sich ganz gehen zu lassen, deutet eine pompöse Score-Ader an, bleibt jedoch zu verhalten und intim für die extrovertierte Pathos-Geste. Als schleierhafter Industrial Rock mit ritualistischer Hintergründigkeit. Alles scheint im peripheren Blickfeld zu passieren, derweil die Single piepsend im Space Ambient funkelt.
Polvorosa hat die Aura einer Expedition. Einzelne Elemente fühlen sich vertraut an, als synergie wirkt jedoch alles andersweltarig und interessant, wenngleich auf emotionaler Ebene oft zu passiv begleitend und nicht zwingend genug. Die freien Radikale erzeugen keine genialen Geistesblitze und das narrativ ist kompositorisch stets ein bisschen zu eng an jener Linie gezogen, wo das Kopfkino der fabelhaften imaginativen Wirkung der Musik nicht mehr ganz vertraut und mit konventionelleren Pfaden im Narrativ rechnet.
Doch diese 64 Minuten sind faszinierend und im Eklekizismus universell abholend, niemals unentschlossen. Gloios nutzt strenge Pinselstriche und lässt sie miteinander verschwimmen. Baque spricht als electroacoustischer Remix eines Stammes-Rituals auf einer Ebene des futuristischen Urinstinkts, reibt den erhebenden Kontrast zwischen einem beschwörenden Optimismus und dunkler Dramatik, um zur Mitte hin durchzuatmen, antiklimatisch zu dösen, und traumwandelnd abzutauchen, anstatt zu explodieren. Wie in Trance halluziniert dies von dem gemeinsamen Nenner von The Cure, Isis und Explosions in the Sky. Konkret? Nein!
Boiafria ist eher eine schwelgende Transformation als ein Song, derweil Desenganado gedankenve


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