Ringo Starr – Long Long Road
Beatles-Kumpel Paul McCartney wird demnächst nach laängerer Auszeit mit den Boys of Dungeon Lane abhängen. Derweil geht Ringo Starr auf Long Long Road den countryesken Americana-Weg von Look Up ebenso zügig wie unbeirrt weiter.
Dafür, dass sich die Umstände seit 2025 nur ein wenig geändert haben, steht die seit dem direkten Vorgänger nur dezent adaptierte Gästeliste – neben Molly Tuttle und Billy Strings als große Konstanten finden sich auf Studioalbum Nummer 22 unter anderem Sheryl Crow, St. Vincent oder Sarah Jarosz ein. Diesem Same Same But Different-Charakter folgt mehr noch der Umstand, dass T Bone Burnett diesmal im Alleingang für die Produktion verantwortlich zeichnet und zudem gleich an sechs Songs der Platte (also doppelt so vielen wie Ringo selbst) als Co-Songwriter mitgeschrieben hat.
Und während dieser kreative Schulterschluss zwischen dem Engländer und dem Amerikaner grundlegend sehr rund und schlüssig – man kann auch sagen: reibungslos! – funktioniert und die namhaften Synergien stimmig bündelt (wodurch selbst ein Standard wie It’s Been Too Long Profil bekommt), muss man schon fragen: Auf wessen Mist ist bitte dieser bisweilen frustrierend freigiebige Einsatz von pitchkorrigierendem Autotune gewachsen, der Ringos niemals um ein paar schiefe Charakteristiken verlegenen Gesang manchmal gar zu zeitgenössischem Willie-Niveau bügelt?
Abseits davon überzeugt Long Long Road jedoch vor allem Eingangs absolut (was die Wertung auch nach oben korrigieren wird) und liefert dahinter eine gelungene erste Hälfte.
Das gemütliche Returning Without Tears schwelgt latent keltisch und psychedelisch angehaucht, schunkelt catchy zu McCartney und Baby Don’t Go tänzelt mit bräsiger Dramatik und gut abgehangen zwischen Roadhouse und Blues.
Im Cover I Don’t See Me in Your Eyes Anymore träumt Starr von 50s-Harmonien, wie sie Brian Wilson gefallen hätten, bevor die Spielfreude aller Beteiligten im flotten Why alle allzu banale Simplizität und generische Harmlosigkeit trägt. Und das romantische You and I (Wave of Love) bietet als anbiedernder 08/15-Country-Pop mit kitschigen Arrangements den verschmusten Hit der Platte an. Passt!
Spätestens danach aber geht Long Long Road ein wenig die Puste aus. Das friedlich und sanft plätschernde My Baby Don’t Want Nothing ist der längste Song des Albums und womöglich auch der langweiligste. Wobei auch das gemütliche (eigentlich: auf geradezu aggressive Weise unspannende) She’s Gone ähnlich flüchtig kaum Gewicht erzeugt – und ähnlich schnell vergessen ist, wie der abschließende Titeltrack als netter Singalong.
Dazwischen überzeugt noch am ehesten eine Neubearbeitung von Choose Love, die Burnett und Starr als eine Art behutsame Rockabilly-Trance nahtlos in das Geschehen einbinden, und die ebenso angenehm zu hören ist, wie alles an dieser (im besten, weil durch und durch sympathischsten Sinne) gefälligen Egalität von einem soliden Album.


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