Hard-Fi – Sweating Someone Else’s Fever

von am 26. Juni 2026 in Album

Hard-Fi – Sweating Someone Else’s Fever

Und das nächste Comebackalbum im Comeback-Jahrgang 2026: Hard-Fi wollen es nach 15 Jahren mit ihrem Viertwerk Sweating Someone Else’s Fever noch einmal wissen.

Wir erinnern uns: Mit ihrem Debüt Stars of CCTV ist den Trittbrettfahrern um Bandkopf Richard Archer 2005 eine unheimlich schmissige (obgleich zugegeben nicht sonderlich gehaltvolle) Hitschleuder von einem Debütalbum gelungen, bevor die beiden Nachfolger Once Upon a Time in the West (2007) und Killer Sounds (2011) sich (einmal weniger, einmal mehr) sowohl in kreativer wie auch charttechnischer Hinsicht als relative Rohrkrepierer erwiesen. Nach einem leidlich notwendigen Greatest Hits Album war 2014 also erstmal Schluss für die Briten.
Und dennoch scheint man in nostalgiebedürftigen Zeiten zumindest auf der Insel ein bisschen auf die Rückkehr von Hard-Fi gewartet zu haben: die 2022 angesetzten Reunion-Shows waren schnell ausverkauft und fanden genug Anklang, dass Sweating Someone Else’s Fever unumgänglich für das Quartett schien.
Obwohl die Weichen für die Rückkehr der Band also ziemlich geschmeidig gestellt waren, setzen Hard-Fi zum Einstieg gleich mal die Brechstange an.

Die Strophen von They Ain’t Your Friends mögen zwar Mittel zum lückenfüllenden Zweck sein, aber Jessas, ist der Refrain ein catchy Vorschlaghammer-Singalong, der auf rollend stacksenden Drums, Synths und irgendwo im Mix versteckten Bratpfannen-Gitarren über Texte in Feierlaune über überall lauernde falsche Freunden sofort mitsingbar abholt.
Wo man in diesem Fall noch über die Ambivalenz von Banalität und Effektivität – zumindest wenn eine Partystimmung um jeden Preis zelebriert werden muss – diskutieren kann, bleibt dem folgenden Digo Nada diese zweifelhafte Kulanz von vornherein verwehrt: Der Trip nach El Salvador ist ein unendlich bemüht und aufgesetzt wirkendes potemkinsches Dorf für Tex Mex-Globetrotter, obwohl der kolumbianischstämmige Rapper Mike Kalle sowie Bajo Del Sol der repetitiven Simplizität eigentlich Authentizität verleihen sollten.
Ist der einzige wirkliche Ausfall der Platte erst einmal abgehakt, läuft das Comeback der Gruppe jedoch auf Schienen und steht auf einer relativ breiten Basis: alles Folgende geht sofort ins Ohr, ist aber auch komplett reibungslos ebenso schnell wieder vergessen.

You Rule My Heart (When the Summer’s Gone) macht als Hybrid aus Eurotrash und Rocky-Trainingsmontage als sommerliche Hymne für gebrochene Herzen groovend auf und Humpback Whale stampft funky-verträumt schwelgend nach vorne, gibt den soliden Radiopop ohne zwingende Hook oder Melodie. Looking for Fun joggt munter als synthetischer Rock der Marke Wombats und kann durch die demonstrative Oberflächlichkeit in Form und Inhalt schon nerven.
A Rose Electric dämpft sich zum Trip Hop Remix im Club ab, wobei die souligen Backing Vocals von Krysten Cummings vollkommen überkandidelte für die Substanz sind – für die sinister mit pluckerndem Bass einen auf Baxter Dury machende Dancefloor-Stimmung des catchy, aber zu lange dauernd daherkommenden Ain’t Going Out Tonight ist ihr Gesang dagegen eher redundant. Das zurückgenommene Arise wird direkt davor platziert als mit ein paar elektronisch hinzugeschnipselten Elektro-Beats verstörtes Klavier-Versatzstück dagegen Tom Smith gefallen, doch ist die zurückhaltende Nummer einfach nicht ganz ausgereift.

Runder ist da schon der dezent uninspiriertt und latent austauschbare übliche MO von Now and Then oder die zuversichtlich stimmende Aufbruchstimmung in Don’t Go Making Plans.
Am besten gelingt dennoch das Cash Machine-Déjà-vu Always and Forever, das als nette Pop-Luftigkeit wirklich sehr nett, aber halt auch zu egal ausgefallen ist. Weswegen es angesichts der bisherigen Diskografie der Band zwar paradox sein mag – doch Sweating Someone Else’s Fever ist tatsächlich eine kleine Enttäuschung.

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