Wolfmother, Velvet Wasted [11.08.2026: Kasematten, Graz]

von am 13. August 2026 in Featured, Reviews

Wolfmother, Velvet Wasted [11.08.2026: Kasematten, Graz]

Was macht es schon, dass die Australier seit zehn Jahren kein brauchbares Album mehr veröffentlicht haben? Nichts – wenn Wolfmother ihre Rolle als Legacy Act in den ausverkauften Kasematten mit erkennbarer Freude annehmen!

Was für eine persönliche Qual der Wahl im Vorfeld: Sollte man anstelle der längst in der Versenkung verschwundenen einstigen Retro-Sensation nicht lieber dem Kuriosum beiwohnen, wie sich Chat Pile in der Wiener Arena zum furiosen Elektronik-Package aus Health und Carpenter Brut schummeln? Oder wie Terror im Grazer PPC den Abriss ankündigen? (Und wäre nicht auch das zweckoptimistische Rückspiel in der Champions League Qualifikation theoretisch eine Option?)
Warum dieses Rennen der Optionen dann doch die Andrew Stockdale-Band für sich entscheidet, ist schnell argumentiert.
Terror werden in wenigen Monaten zusammen mit Bane in eine weitaus bessere Location nach Österreich zurückkehren. Und der Conflict :: Europa-Tourstopp in Österreich wurde einfach später angekündigt, als das Wolfmother-Konzert. Außerdem findet er zwar ebenso vor einem Arbeitstag, aber eben nicht der eigenen Haustüre statt.
Also rauf auf den Schlossberg – um von dem lokalen Quartett Velvet Wasted und ihrem nirgendwo aneckenden Indierock begrüßt zu werden.

Wolfmother, Velvet Wasted [11.08.2026: Kasematten, Graz]

Um es gleich zu relativieren: Wer die Gefahr im Rock’n’Roll sucht, der ist an diesem extrem schwülen August-Abend unter einem (wegen des kurz vor Konzertbeginns niedergegangenen Regens) geschlossenen Kasematten-Dach sowieso grundlegend falsch. Und sicher spielt der (zumindest in der Mitte des Publikumsraums komplett auf Bass und Gitarre konzentrierte, die Gitarre frustrierend ausklammernde) Sound dem Support Act auch grundlegend nicht in die Karten.
Aber herrje, ist das annähernd fünfundvierzigminütige Set von Velvet Wasted eine bocklangweilige Angelegenheit!
Die direkt an die Kings of Leon angelehnten, seltsam schaumgebremst generischen und dabei grundlegend dennoch nichts wirklich falsch machenden Songs der Band sind auf eine fast penetrante Weise gefällig und harmlos, unendlich brav und risikofrei. Es fehlt ihnen zudem auch einfach an den großen Melodien und packenden Hooks.

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Das man diese Meinung ziemlich exklusiv in der schon sehr gut gegüllten Location haben dürfte, muss aber auch erwähnt werden: Die Grazer kommen beim Publikum sehr gut an!
Jede Stimmungs-Animation geht auf und wie viel der Auftritt der Band selbst (die beim Gedanken daran, Woman 2009 in Guitar Hero gespielt zu haben, und nun für „die Helden ihrer Kindheit“ eröffnen zu dürfen, verdientermaßen nostalgisch wird) bedeutet, ist zu jedem Zeitpunkt klar – da hätte Frontmann Max Gugenhan gar nicht unbedingt so oft wiederholen müssen, dass für Velvet Wasted mit diesem soliden Support-Job ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen sei.
Und während man selbst Tränen darüber vergießen würde (wenn nicht jeder Tropfen Flüssigkeit im gottlosen Brustkasten namens Kasematten bereits aus dem eigenen Körper ausgeschwitzt worden wäre), dass pünktlich nach dem (die vielerorts aufbrandenden Rufe nach einer „Zugabe!“ dankenswerterweise nicht erfüllen könnenden) Opener das Dach der Schlossbergbühne geöffnet wird, kommen auch Andrew Stockdale und Co. mit leuchtenden Augen auf diese.

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Die Heydays der nominellen Band Wolfmother mögen lange zurückliegen, doch der Jubel einer sofort in ausgelassener Stimmung feiernden Menge in einer ausverkauften Location lässt die drei Musiker förmlich strahlen.
Ob das eröffnende Dimension auch deswegen so motiviert und betont kraftvoll im Tempo angetaucht, mit Schmackes drückend und durch ein paar zusätzliche Schraffuren verziert gespielt wird? Egal: der Punch sitzt!

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Fest steht jedenfalls außerdem, dass Stockdale mit Bassist James Wassenaar und Drummer Brett „Wolfie“ Wolfenden aktuell verdammt stramme Erfüllungsgehilfen an Bord hat, die besonders die Eingangsphase über White Unicorn, (ein an den Vocals in den punkigen Abfahrten dem Tempo hinterherhinkenden) Apple Tree und Woman so tight und zwingend aufzeigt, wie das in der vor neun Jahren angetretenen Konstellation nicht der Fall war.

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Mehr noch – da zünden nun sogar Songs, denen Stockdale als Produzent im Studio in die Kniescheiben geschossen hat: Midnight Train fetzt regelrecht, wo Feelin Love und Rock Out vom 2021er-Rohrkrepierer regelrecht gefeiert werden. Ab California Queen bleibt es im Publikum (zumindest im vordersten Teil) nämlich nicht beim begeisterten Klatschen, Mitsingen und Springen – immer wieder tun sich ausgelassene Moshpits auf, es wird crowdgesurft und mitgebrachte Luftballone fliegen durch die Gegend. Man hat eine gute Zeit, egal ob man grinsend abgeht oder stockbesoffen an den Steinwänden lungert.

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Am besten ist der Abend dennoch immer dann, wenn Wolfmother bei der Songauswahl auf Nummer Sicher gehen, und auf die üblichen Verdächtigen in Form von Songs des bis heute unkaputtbaren  2025er-Debüts zurückgreifen.
Über das atmosphärischer ausgelegte Mind‘s Eye oder das mächtige Colossal folgt so praktisch ein Klassiker nach dem anderen, im Finale Joker And The Thief gipfelnd. Bei diesem darf dann ein junger Mann aus dem viele Generationen vermessenden Publikum Stockdale an der Gitarre ablösen, während der Frontmann zur Smartphone-Kamera greift: Matthias (?) macht, auch indem er das Instrument effektbewusst hinter dem Kopf befingert, erfolgreich den Hype Man.

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Nachdem Victorious als Zugabe hymnisch ins Ziel galoppiert, gibt es nach einer sehr kurzweiligen 75 minütigen Show auch nur wenig zu kritisieren.
Etwa, dass der Merch-Stand vor Konzertbeginn nur dürftig aufgefüllt war. Oder, dass das gerne übersehene Viertwerk von 2016 gerne mehr als einen Song zur Setlist beisteuern hätte dürfen. Was freilich noch deutlicher für das stiefmütterlich behandelte Cosmig Egg gilt. Sundial würde schließlich jedes Konzert aufwerten. Und Far Away als bester Song der Band noch mehr.
Denn so frisch Wolfmother aktuell auch auftreten mögen – ein paar neue Impulse in der Fanpleaser-Setlist würden zumindest theoretisch keineswegs wirklich schaden.

Setlist:
Dimension
White Unicorn
Apple Tree
Woman
Midnight Train
Pyramid
Mind’s Eye
California Queen
Where Eagles Have Been
Vagabond
Rock Out
Colossal
Feelin Love
Joker and the Thief

Encore:
Victorious

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