Temple Guard – Citadel in Flames

von am 15. August 2026 in Album

Temple Guard – Citadel in Flames

Temple Guard ziehen die von Thrash-, Death- und Blackened-Gewalttaten in die Mangel genommenen Stellschrauben ihres metallischen Hardcore auf Citadel in Flames nochmal ein wenig enger.

Stilistisch zieht die Vegan (aber angeblich nicht wie stellenweise kategorisiert Straight Edge) Band aus dem UK damit jene Schneise, die sie bereits mit ihren Debütalbum Spear of the Revenant 2022 bzw. der 2024er EP Morbid Sacrament bearbeit hat, nicht anders weiter, aber noch ein klein wenig tiefer. Immer noch strotzt man vor ökologischer und politischer Wut und nutzt Samples als Ingredienz in einem Sound, der durch eine ideale, roh und abrasiv daherkommende Produktion die 90er mit modernem Twist und einer War Metal-Mentalität antaucht, derweil man die Fußstapfen von Cursed oder Sunrise extrem heavy und angepisst auszufüllen fähig ist – alleine das ist schon ein Adelsschlag!

Was der Rezeptur auch diesmal einen zusätzlichen Schub gibt, ist die Assimilation von externen Einflüssen für zusätzliche Facetten. Oder richtiger weiterhin: mutmaßlich externer Einflüsse.
Denn wo auch die personelle Aufstellung von Temple Guard selbst auf Citadel in Flames nach wie vor im Dunklen bleibt, gibt es offiziell nur einen Gastsuftritt im Verlauf des Zweitwerks: A Vanguard Reforged mit John Olley von xRepentancex ist ein besonders fiese attackierendes Hardcore-Biest, das martialisch zu Breakdown-Slo-Mo-Abriss hämmert.
Es ist jedoch ein offenes Szene-Geheimnis, dass das aggressiv fauchende, mit dicker Gitarre und Double Bass bis zu einem alles abwalzenden Finale bollernde Blood Makes The Rain von Buechner (Earth Crisis) und xStaffanx Besuch bekommt. Und ähnlich überdeutlich, dass hinter dem schwer groovenden und heulenden Intro Evisceration noch der eine oder andere Kollege vorbeischaut.

Die harsch gehetzte Verzweiflung von Inquisition’s Wrath gönnt sich etwa einen skandierten Crossover-Moment und verabschiedet sich im Chant, Masked Resistance verstört mit psychotischer Geste. Die Ästhetik, die Attitüde und die Energie der Platte erzeugt gerade in solchen Szenen eine Intensität, der man sich kaum entziehen will, auch wenn die Grundzutaten an sich eklektischer kaum sein könnten.
Ab Iron Sultanate bringt die Gang so zwar nichts Neues mehr an den Tisch, hält die Dinge über einen besonders greinenden Blackened-Abgang aber stets spannend und kurzweilig. Die größte Tugend von The Ascendancy Of Cursed Sons ist es danach insofern wohl auch, das Ventil nach 25 Minuten so abzudrehen, dass keinerlei Redundanz aufkommt. Oder, dass jede Hoffnung spätestens zu diesem Zeitpunkt ausradiert wird: „A species in decline/ From whence did this dark lust arise?/ Let the flood take us…

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