Protest the Hero – Within
„As above so below. As within so without. As the universe so the soul.“ Protest the Hero beenden die zweitlängste Pause ihrer Karriere mit dem mutmaßlich ersten Teil eines kompakten Doppelschlags.
Etwaige – primär durch das Artwork und die angenehm fokussierte, der Aufmerksamkeitsspanne sehr entgegenkommenden Spielzeit von gerade einmal 35 Minuten genährten – Spekulationen über ein zweites, im Winter folgendes siebentes Studioalbum außen vor, ist Within das bisher optimistischste und zugänglichste Werk der nunmehr als Independent Band (so merklich befreit) agierenden Kanadier geworden.
Frisch und ungezwungen spielen Rody Walker und Tim MacMillar (sowie der um Luke Hoskin, Cam McLellan und Milen Petzelt-Sorace erweiterte Kern) ihren gewohnten Progressive Metal-MO mit viel Motivation so betont knackig auf den Punkt, seine melodramatischen Pirouetten unbedingt catchy drehend.
Vor allem Fishhook mutet insofern wie ein mit bombastischer Attitüde zum Emo-Poppunk galopierendes Aushängeschild-Destillat in Sachen mitreißendst abholendem Unterhaltungswert an, bei dem alle ausgelassen mitschreien dürfen: „Dig me out/ Dig me out/ Dig me!“. Inklusive Akustik-Intermezzo und Schüttelreim („Oh man, I miss Pete/ When I lived across town, he lived across the street“).
Da kochen nicht nur Coheed & Cambria die vor Freude strahlenden Endorphine über, bevor Liberty Spike in Sachen orchestraler Opulenz Herzen aufgehen lässt – und den Bogen von Led Astray ohne Angst vor sentimentalen Bildern fortsetzt: „A chain that hangs down past your knee/ And one around your neck/ An XL kiosk tee/ Probably NOFX/ Green and tall were the liberty spikes/ And I know you grew up/ But for the rest of my life/ I’ll picture you this way.“
Beziehungen zu alten Freunden und neuen Feindschaften ziehen sich als roter Faden durch die sich nie zu ernst nehmen Texte. Dass ausgerechnet Gang-Shouts in all ihren Schattierungen diesmal allgegenwärtig sind, wirkt insofern nicht nur wie ein logischer Katalysator, es passt dabei auch als ideales Sinnbild für das zuversichtlich gestimmte, mit einem ständigen Hochgefühl tragende Gemeinschaftsgefühl der Platte. The Orchard schwingt sich diesbezüglich mit Jadea Kelly und Chris Cresswell als hymnischen Backing-Chor sogar besonders melodisch und harmonisch in die Höhe, jubiliert gar: „We are the ones who wander“ ist eine der so vielen Instant-Hooks der Platte, die einfach nicht mehr aus dem Schädel wollen.
Verbunden durch die beiden absolut wunderbar arrangierten orchestralen Interludes I. Above (in dem die Streicher erst in ambienter Ruhe durchatmen, dann aber als Score voll melancholischer Sehnsucht in einer hoffnungsvollen Aufbruchstimmung sinfonisch erblüht) und dem (vorsichtiger schleichenden, seine Verspieltheit anmutig nuancierenden) II. Below geben sich so die Highlight die Klinke in die Hand, nachdem der Opener Mouthpiece alles in die Waagschale wirft, was man an Protest the Hero lieben kann: Technisch versierte Virtuosität, frickelnde Rhythmen und die Theatralik freidrehender Vocal-Melodien über vertrackten Riffs, Backing Growls und Klargesang, sinfonische Spannungsbögen und packende Hooks.
Freilich hat man all das so ähnlich schon von der Band gehört – aber der Entertainment-Faktor zündet einfach.
Dass höchstens das überkandidelte Grandfather’s Axe mit dezenter Redundanz losbricht, wird vom Gesamtgefüge mühelos gestemmt.
Wie The Mariner das Ganze erst besonders heroisch abrundet, um dann in sich zu gehen und Walker wehmütig, aber sicher „I am grateful“ sinnieren zu lassen, weiß man auch selbst wieder, was man an dieser Band hat. Mutmaßlich (passenderweise!) sogar deutlicher als auf jedem anderen Album seit Fortress. Oder zumindest müsste hierauf nicht notwendigerweise eine dunkler Zwilling nachfolgen – das strahlende Within stellt auch so vieles in seinen Schatten.


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