Interview: ASTPAI

von am 7. Juni 2014 in Featured, Interview

Interview: ASTPAI

ASTPAI love to be busy and they’re busy with what they love.‘ Davon zeugt auch dieses Jahr wieder der volle Terminkalender der Band. Doch von nichts, kommt nichts! Die Jungs aus Wiener Neustadt haben sich ihren Status als eine der wichtigsten und besten Punkbands der österreichischen DIY-Szene hart erarbeitet.

Allein in diesem Jahr waren sie bereits dreimal mit verschiedenen Bands in ganz Europa unterwegs. Nebenbei finden sie noch Zeit an der Veröffentlichung ihres mittlerweile fünften Albums zu arbeiten. Burden Callsheißt es und erscheint am 22. August. Heavy Pop hat den Sänger und Gitarristen Zock vor ihrem Konzert im Wiener EKH getroffen, um mit ihm über 13 Jahre Bandgeschichte, sein Solo-Projekt und die neue Platte zu plaudern. 

Heavy Pop: Ihr wart in dieses Jahr schon ziemlich viel unterwegs. Seit Jänner seid ihr fast durchgehend mit verschiedenen Bands auf Tour. Wie waren diese letzten Monate für euch?
Zock: Das ganze Jahr war bis jetzt echt großartig, aber die Tourneen waren alle ziemlich unterschiedlich. Bei der ersten Tour mit Rx Bandits war ein Publikum, vor dem wir sonst garantiert nie spielen würden – ziemlich aus diesem Punk-Kontext rausgerissen. Es war generell ein älteres Publikum und auch Leute, die – trau ich mich jetzt mal zu behaupten – nicht zu einer Show kommen würden, bei der wir als Headliner spielen. Insofern spannend, weil es in dem Sinn nichts zu verlieren gegeben hat. Wir haben im besten Fall neue Leute erreichen können. Außerdem waren die Venues größer. Eine neue und spannende Erfahrung. Mit A Wilhelm Scream war es insofern cool, weil das genau unser Publikum und unsere Szene war. Da war das Feedback großartig. Die letzte Tour mit The Smith Street Band und Restorations war wieder was anderes, weil bei drei Bands auf einer Tour wieder eine komplett andere Dynamik entsteht. Man spielt dann eher selten mit lokalen Bands, was ich extrem schade finde. Drei Bands sind meistens das Maximum für einen Promoter und dann packen sie keinen mehr dazu, was mir irgendwie ziemlich gefehlt hat – aber die Shows an sich waren großartig. The Smith Street Band haben voll gut gezogen. Restorations waren das erste Mal herüben und haben dafür aber auch echt gutes Feedback gekriegt. Also es waren drei komplett unterschiedliche Touren, was es ziemlich spannend macht.

So grundsätzlich, wie viele Konzerte spielt ihr pro Jahr?
So wie es jetzt ausschaut kann man quasi voraussagen, dass wir in diesem Jahr auf ca. 150 Shows kommen. Letztes Jahr waren wir, glaube ich, bei 120 und heuer sind es garantiert noch einmal mehr – sofern alles gut geht.

Wenn ihr so viel unterwegs seid, ist dann ASTPAI eigentlich Hauptberuf für euch? Also könnt ihr davon leben?
Nein. Müssen wir nicht und wenn wir es probieren würden, könnten wir es nicht schaffen. Es geht sich aus, dass jeder dazwischen so viel wie möglich arbeitet. Bis auf einen von uns hat aber keiner eine Wohnung bzw. es zahlt keiner Miete, weil es sich einfach keiner leisten kann. Man muss es halt so sehen, dass wir bei gewissen Dingen, die für die meisten Leute einfach Grundsätze sind, Abstriche machen müssen. Dadurch, dass wir so viel unterwegs sind, macht es eigentlich auch keinen Sinn. Je mehr du unterwegs bist, desto weniger sinnvoll ist es für ein Zimmer Miete zu zahlen, weil du es ja nicht wirklich nutzt. Du musst eben schon auf gewisse Grundsachen verzichten. Zeitlich gesehen kann man es zwar als Hauptberuf sehen, aber finanziell geht es nicht.
Ok, das heißt, ihr arbeitet wenn ihr zuhause seid?
Genau.

Euch gibt es schon seit 2001 – damals noch als Coverband. Das sind jetzt mittlerweile schon 13 Jahre. Ein Resümee über dieses letzte Jahrzehnt?
Im Endeffekt ist es extrem schnell vergangen. Es fühlt sich nicht nach 13 Jahren an. Ich kann mich noch genau an die erste Show erinnern. Es ist teilweise echt erschreckend, wenn ich mit Leuten rede, mit denen wir irgendwann eine Show gespielt haben und ich habe noch das genaue Datum im Kopf. Es ist und war alles extrem intensiv und trotzdem fühlt es sich aber nicht so an als wären es 13 Jahre. Es hat trotzdem noch alles eine gewisse Ungewissheit. Es ist alles immer noch irgendwie spannend. Im Endeffekt ist es von den ersten Jahren weg – vor allem als Marco 2004 dazukam – einfach jedes Jahr mehr geworden: mehr Konzerte, mehr Proben und es sind die ersten Alben aufgenommen worden. Es war einfach eine logische Weiterentwicklung, dass einfach immer mehr gemacht wird, ohne wirklich jetzt darüber nachzudenken, was für ein Ziel das haben könnte. Ich glaube auch nicht, dass es ein Ziel gibt. Ich glaube, dass viele Bands daran scheitern, weil sie sich einfach viel zu früh irgendein gewisses Ziel setzten und dann frustriert sind, wenn sie es nicht innerhalb von ein paar Jahren erreichen. Wir haben einfach getan und das machen wir noch immer so, deswegen fühlt es sich auch relativ kurzfristig für uns an.

Ihr habt ja in den letzten Jahren ein paar Wechsel innerhalb der Band erlebt – einerseits aus Arbeitsgründen, anderseits aus Liebesgründen. Wie war das damals für dich und wie siehst du das heute mit ein bisschen Abstand?
Zu dem Zeitpunkt damals hab ich es schon schwer gefunden, aber mich hat es eigentlich erst ein halbes Jahr später wirklich eingeholt – also das ich mir wirklich Gedanken drüber gemacht habe. Ich bin jemand, der im Moment nicht wirklich sentimental wird, sondern versuch immer das möglichst gleich irgendwie zu überbrücken und zu überlegen, wie können wir jetzt weitermachen. Das war irgendwie spannend – so: „Ok, jetzt könnten wir eigentlich den und den fragen oder mit dem Freund was machen, mit dem wir schon mal irgendwie geliebäugelt haben.“ Es war dann nach einer gewissen Zeit natürlich schon schwer, weil man sich ja doch gemeinsam etwas aufgebaut hat. Deshalb war für mich der Punkt, an dem der Ausstieg war, auch irgendwie unverständlich, weil ich mir gedacht habe: „Grad jetzt? Hey, wir bringen grad echt gute Sachen zusammen, mit denen wir zu 100% zufrieden sind!“
Jetzt, ein paar Jahre später, kann ich es natürlich zu 100% nachvollziehen. Wenn es einfach Dinge gibt, die wichtiger sind in deinem Leben, dann musst du die machen. Im Endeffekt sind wir ja nur eine Band. Wir haben auch erkannt, dass selbst wenn wir nur mehr 30 Konzerte im Jahr spielen würden, wären wir immer noch dieselbe Band mit denselben Nummer, die vor demselben Publikum spielt. Man legt diesen Drang von wegen „Wir müssen, wir müssen und gemma, gemma!“ ein bisschen ab und erkennt, dass es für manche Leute einfach wichtigere Sachen gibt.

Welche Geschichte steckt eigentlich hinter dem Namen ‚ASTPAI‘?
Es ist nicht die beste Geschichte. In Wahrheit war es eigentlich nur so, dass wir ziemlich jung angefangen haben und damals recht klare, einseitige musikalische Vorbilder hatten. Dementsprechend einfallslos waren auch die ersten Bandnamen, die wir uns so überlegt haben. Zum Beispiel: einer unserer ersten Punkrock-Einflüsse waren Blink182 und unser dementsprechender Bandname war dann auch irgendein anderes Wort mit einer Zahl. Das war zu einfallslos und unser Englisch war damals auch nicht gut genug, um uns etwas wirklich Kreatives zu überlegen. Es war dann eigentlich ganz banal so, dass ein Schulkollege von mir über ein Eastpak-Pickerl drüber gemalt hat und die Buchstaben ASTPAI sind stehen geblieben. Wir haben uns dann gedacht: „Hey, cool. Beim Skate-Shop um die Ecke gibt’s gratis Eastpak-Pickerl. Da hätten wir wenigstens gleich Gratis-Pickerl und jeder in der Klasse kann seinen Rucksack übermalen.“ Deswegen haben wir den Namen dann einfach genommen. Einfach tun, sich nicht zu ernst nehmen und nicht zu viel drüber nachdenken – deswegen hat sich der Name auch nicht mehr geändert.

Eure letzte EP, die im Herbst erschienen ist, hat den Namen ‚Crohnicles‘. Darauf geht es thematisch um deine eigene „Chronik“, denn alle drei Songs behandeln konkret die Krankheit Morbus Crohn, die bei dir vor sieben Jahren diagnostiziert wurde. War es dir ein großes Bedürfnis darüber zu schreiben, um das Ganze so zu verarbeiten?
Ich wollte nicht, dass es auf jeder Platte eine Nummer gibt, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Klar gibt’s Situationen, in den es mir nicht gut geht, aber das wäre mir zu sehr mitleiderregend. Deswegen war unsere Intention: machen wir drei kurze Nummern – es sind unsere drei mehr oder weniger kürzesten Nummern – und zu den drei Nummern gibt es zu dem Thema drei Texte. Damit ist das erledigt.
In gewisser Weise ist es natürlich schon Selbsttherapie, weil man es einfach in etwas Produktives umsetzen kann. Es sind auch immer noch die Nummer, bei denen ich mich während dem Spielen bewusst drauf einlassen kann und mir denke: „Ok, deswegen hab ich das geschrieben.“ Es hat auf jeden Fall einen gewissen therapeutischen Effekt.

So schreibt ihr wahrscheinlich auch eure anderen Songs oder? Also über das, was euch bewegt und beschäftigt?
Ja, es hat mittlerweile alles einen persönlichen Bezug. Mich haben auch immer Texte von anderen Bands vor allem dann angesprochen, wenn sie aus einer persönlichen Sicht geschrieben waren. Wenn man dann aus dem Alter heraus ist, in dem einen ganz platte Parolen- Drescherei nicht mehr anspricht, dann fühlt man sich eher mit einem persönlichen Text verbunden. In Fall von ‚Crohnicles‘ ist das natürlich schwierig, weil es ja ein ganz spezifisches Thema ist. Der coole Effekt war aber, dass, seit es die EP gibt, tatsächlich regelmäßig Leute zu mir kommen, die auch Morbus Crohn haben und die es echt cool finden, dass da jemand Nummern dazu geschrieben hat. Es hat auf jeden Fall einen positiven Effekt und gleichzeitig fühlt es sich für mich nicht so an als würde ich das Thema ausschlachten.

Du hast ja jetzt auch solo drei Songs aufgenommen und unter dem Namen ‚Work Weak‘ auf Bandcamp veröffentlicht. Die klingen ganz anders als ASTPAI. Hast du diese Songs gezielt geschrieben oder waren das einfach nur Nummern, die nicht so ganz zur Band gepasst haben?
Die Texte habe ich schon gezielt geschrieben. Die ASTPAI-Texte können ja in ein gewisses kritisches Eck hinein gedrängt werden, auch wenn sie persönlich sind – egal ob sie jetzt gesellschaftskritisch oder politikkritisch sind. Man kann sich, glaube ich, zumindest allgemein damit identifizieren, während diese Texte zu 100% persönlich waren. Es ist sehr spannend, weil man eigentlich ziemliche Narrenfreiheit hat. Ich hab aber nicht genau gewusst, was ich damit mache. Die Intention dahinter war einfach, dass ich selber Sachen aufnehmen will – mit dem Equipment, das ich hab und das nicht großartig ist. Ich wollte einfach schauen, was dabei raus kommt. Es gibt jetzt auch keinen größeren Plan dahinter.
Du hast also nicht vor daraus ein Solo-Album zu machen?
Ich hab schon vor noch mehr Nummern aufzunehmen. Lustiger Weise habe ich auch, nachdem ich die drei Nummern rausgebracht habe, von zwei Labels ein Angebot bekommen – was ich total arg finde irgendwie. Es gibt schon einen Plan, aber ich habe jetzt keinen Zeitplan. Das ist ja das Schöne: wenn ich die Zeit dafür habe, dann werde ich wieder was machen.
Ich habe es ja besonders lustig gefunden, dass auch deine Katze in einem Song zu hören ist.
Das war großartig. Das ist der größte Spaß daran. Ich kann alles selber machen und Sachen ausprobieren. Das ist ganz spannend.

Euer neues Album ‚Burden Calls‘ kommt im August raus. Ich habe gehört, dass ihr die Platte eigentlich schon letzten Herbst fertig aufgenommen habt. Wieso die Veröffentlichung dann erst im August?
Unsere aktuelle Platte ‚Efforts and Means‘ ist im Mai 2014 erst zwei Jahre heraußen. Wir haben in der Vergangenheit oft Sachen, meiner Meinung nach, viel zu früh und viel zu schnell hintereinander rausgehauen. Das macht insofern keinen Sinn, da wir, gerade in einem Jahr wie heuer, vor so vielen anderen Leuten spielen und immer noch „die neue Band“ für viele Leute sind. Deswegen wollten wir jetzt nicht wieder 13 neue Nummern einfach so raushauen. Diesmal haben wir es zum ersten Mal wirklich geschafft einen zufriedenstellenden Vorlauf zu haben. Wir können jetzt ein paar Monate vorher anfangen mit Magazinen zusammen zu arbeiten, Musikvideos zu drehen und so weiter. Bis jetzt geht sich alles gut aus. Wir fangen im Juli an, die ersten Nummern vorzustellen und die ersten Videos online zu stellen.
Das heißt, wir kriegen vor der Veröffentlichung noch ein paar Schmankerl?
Ja. Wir haben das bis jetzt nur immer versäumt, deswegen wollten wir uns diesmal keinen Stress machen und uns genug Zeit lassen. Wir wollten im besten Fall so ein Momentum erschaffen, sodass die Leute vielleicht schon danach fragen und wir nicht das Gefühl haben, wir drängen uns den Leuten auf.
Und was können wir von ‚Burden Calls‘ erwarten?
Ich finde, es ist mit Abstand die spannendste Platte, die wir bis jetzt gemacht haben. Soundtechnisch klingt sie um einiges heavier. Die Gitarren sind noch einmal viel lauter – was ich super finde. Gleichzeitig sind die Nummern um einiges poppiger. Eine super Kombination, weil sich auch unsere Einflüsse in den letzten Jahren so abgezeichnet haben, dass uns auch mehr Bands taugen, die extrem catchy sind. Ich finde, dass haben wir mit der Platte recht gut hingebracht. Wir haben viele Nummern, die Refrains haben. Es gibt schon auch zwei, drei schnelle Nummern, aber es ist alles mehr im Mid-Tempo-Bereich. Deswegen aber auch nicht softer. Das Spannende an der Platte war, dass es textlich eine Geschichte ist. Es dreht sich mehr oder weniger um einen fiktiven Hauptcharakter. Ein Großteil davon ist natürlich autobiografisch zu sehen und das hat sich aber auch von den Nummern her so durchgezogen. Wer es sich genau anhören wird, wird auch merken, dass gewisse Riffs und gewisse Teile von Nummern sich in anderen Nummern wiederholen. Die Platte erzählt eben eine gewisse Geschichte und geht mehr oder weniger in einem durch.
War das alles so konzeptuell geplant?
Genau, das war von Anfang an geplant. Es war auch zum ersten Mal so, dass die Texte fertig waren bevor es die Nummern gegeben hat. Es war klar, es wird eine Geschichte. Es war klar, zu jeder gewissen Stimmung soll es auch musikalisch dazu passen. Das macht sie zu einer echt spannenden Platte.

Jetzt habt ihr in diesem Jahr schon in den verschiedensten Städten gespielt. Wie ist es wieder sozusagen zur Homebase Wien zurückzukommen?
Es ist immer extrem spannend, aber nicht im Sinne einer wahnsinnigen Heimatverbundenheit oder was weiß ich was. Es ist eher spannend abseits des Band-Daseins wieder zurück zu kommen. Man macht die Tour fertig, man kommt Heim und im besten Fall schafft man es, sich mit Leuten zu treffen. Da will man dann eigentlich gar nicht über Tourneen oder so irgendwas reden. Viele Leute fragen immer danach, weil sie meinen, dass das „nicht-auf-Tour-sein“ langweiliger ist als auf Tour zu sein. Ich finde das überhaupt nicht, weil wenn ich Heim komme, will ich hören, was die Leute machen. Ich will dann nicht immer dieselbe Geschichte erzählen, die grob gesagt ungefähr so geht: wir sind im Bus gesessen, wir haben ausgeladen, wir haben ein Konzert gespielt und dann sind wir schlafen gegangen. Natürlich passieren auch extrem viele coole Sachen, aber ich finde das Coole am Heimkommen ist, sich mit Freunden zu treffen und von denen was mitzukriegen. Viele Sachen passieren daheim, die man versäumt. Das zieht teilweise ein bisschen runter. Wenn du dann vielleicht einen zachen Tag auf Tour auch noch hast und gleichzeitig fühlst du dich so als hättest daheim eigentlich auch nicht mehr wirklich viel Kontakt. Ich hab das auf jeden Fall mehr zu schätzen gelernt. Wenn man daheim ist, dann wirklich einfach mal die Pappn halten und den Leuten zuhören.

Nach diesem Konzert gönnen sich ASTPAI erstmal eine kurze Verschnaufpause, bis es dann im Juli gemeinsam mit den amerikanischen Punk-Veteranen Only Crime wieder weiter geht. Auf dem Programm stehen Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Österreich und Tschechien. Die einzige Show in heimatlichen Gefilden am 14. Juli in der Wiener Arena sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. 

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