Jake Bugg – On My One

von am 24. Juni 2016 in Album

Jake Bugg – On My One

Was als Demonstration der endlich erlangten Selbstständigkeit des einstigen Songwriter-Wunderkindes aus Nottingham angedacht ist, entwickelt sich zum Offenbarungseid für Jake Bugg.

On my One lässt erahnen, warum sein damaliges Label Warner Music mit dem selbstbetitelten Einstand von Bugg sowie dem nachfolgenden Shangri La einst bereitwillig in Kauf nahm Noels Herz zu brechen, indem es darauf bestand neben Iain Archer, Matt Sweeney oder Brendan Benson etwa auch Rick Rubin an Bord zu holen. Denn nun, knappe 3 Jahre und ein die alles im Alleingang stemmende Personalunion – ungeachtet einiger weniger unterstützender Handgriffe von Produzent Jacknife Lee – auch im Titel untersterstreichendes Drittwerk später, wird nämlich klar: Diese seitens der Plattenfirma auferlegten Hilfestellungen scheint Bugg tatsächlich dringend benötigt zu haben. Zumindest haben – diesen Rückschluss drängt On my One nun geradezu auf – die arrivierten Kooperationspartner den Kompositionen des damaligen Newcomers zu einer Zielstrebigkeit und einem Fokus verholfen, der Buggs erstem proklamierten wirklichen Solowerk nun gravierend fehlen. Über elf stilistisch heterogene Songs treibt der heute 22 Jährige unausgegoren mit unverbindlichen Ausflüge zwischen den von ihm verehrten Genres, und rudert über knapp 35 Minuten durch ein willkürlich angeordnetes Wechselbad aus flachen Standards und blutleeren Imitationen seiner Vorbilder.

Wenn Bugg On My One mit der Chaingang-Sinnsuche des Titeltracks ohne die nötige Glaubwürdigkeit in der klischeetriefenden textlichen Grundsubstanz schon an der Schwelle zur sich selbst bemitleidenden Liedermacher-Karikatur („I’m just a poor boy from Nottingham/I had my dreams/But in this world they’re gone, they’re gone/Oh, I’m so lonesome on my one„) eröffnet, er sich vor seinen Helden im abrupt beendeten Put Out The Fire mal mit nett-flotten Country verbeugt oder im zurückgenommenen All That wenig nachhaltig-bluesig an alte Tugenden erinnert, dann gehört all dies tatsächlich bereits zu den ernüchternden Highlights der Platte – weil Bugg hier näher bei sich selbst und seinen Stärken als am Britpop geschulter Songwriter agiert. Auch die harmlose Nomen-est-Omen Nummer Livin‘ Up Country sitzt deswegen halbwegs. Und wenn Bugg The Love We’re Hoping For intoniert, als hätte er Lord Don’t Slow Me Down als weichgespült/atmosphärische Folkversion neu eingespielt, ohne die anvisierte Lagerfeuer Atmosphäre im sterile Umfeld einfangen zu können, dann funktioniert das zumindest noch als zutiefst nette, belanglose oder wenigstens durch und durch adäquate Zielgruppenbedienung.

Ob es Bugg jedoch darum geht gerade diese auszudehnen, oder ob ihm schlicht nicht klar ist, wohin der Weg zukünftig führen soll, bleibt letztendlich offen. Das zerfahrene Stückwerk On My One liefert entlang seiner oberflächlichen Plattitüden-Anhäufungen dafür ganz andere Erkenntnisse. Etwa, dass Love, Hope And Misery in der Strophe noch so eine gute Verbeugung vor den Arctic Monkeys sein kann – wenn der zu Tode repetierte Refrain vor Schmalz triefend und auf dünnen Beinen stehend mit 0815-Streichern die billige Schnulze anvisiert, ist es das Wagnis nichts wert. Zumal wir hier einen nasal-quäkende Bugg hören, der sich wie so oft auf der Platte stimmlich in seinen eigenen Songs nicht so recht wohl zu fühlen scheint. Nur verständlich, verlässt Bugg doch immer wieder seinen Kompetenzbereich und liefert in anbiedernden Gewässern bestenfalls halbgare Qualität. Gimme The Love ist etwa ein bemitleidenswert angestaubtes Scheitern am Versuch, den synthetischen Indie-Stadionrock von Kasabian zu reproduzieren – seelenlos am Reißbrett konstruiert, generisch an Verkaufszahlen orientiert, ein Rohrkrepierer für die Tanzfläche. Das bocklangweilige Bitter Salt klingt dagegen, als hätte als würde Colin Meloy mit den Decemberists sich beim Versuch einen Song für Muse zu schreiben blamieren, bevor Ain’t No Rhyme dann als missglückt monoton dahinlaufende Hip Hip-Nummer wie eine billige Imitation einer Jamie T. C-Seite daherkommt. Sowas wird Noel trotz aller Selbstständigkeit nicht gut heißen, das ist mal klar.
Dass Bugg allerdings durchaus fähig ist seinen Stil erfolgreich zu variieren, zeigt dann ausgerechnet Never Wanna Dance: Ein gefühlvoll-nettes Soulstück mit R&B-Beats, inklusive Bläsern und George Michael-Romantik. Das gibt ein wenig Hoffnung für eine Zukunft, die dann allerdings auch endgültig ohne Welpenschutz auskommen wird müssen. Um im Hier und Jetzt seine auf eigenen Beinen stehenden Qualitäten unter Beweis zu stellen, genügt eine bestenfalls durchschnittliche Platte, so ganz ohne nach oben ausbrechende Highlichts inmitten viel solider Stangenware und unrentabel suchender Orientierungslosigkeit, bis auf weiteres allerdings auch noch nicht.

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