Jim James – Regions of Light and Sound of God

von am 8. Februar 2013 in Album

Jim James – Regions of Light and Sound of God

Zu viele Ideen unter einem Hut? Auch Jim James reiht sich in die Riege jener Frontmänner ein, die unbedingt aus dem Rahmen ihrer Stammband ausbrechen wollen. Im Falle des My Morning Jacket-Sängers gelingt das Experiment Solokarriere jedoch deutlich besser – und paradoxerweise sogar homogener – als man das von derartigen Ausflügen gewohnt ist.

Der klassische Ausweg, wenn sich zu viele Songskizzen im eigenen Kopf anstauen und diese vor allem im Kontext der eigenen Stammband nicht wirklich Fuß fassen wollen: ein Soloalbum muss her! Nach dem Monsters of Folk-Supergroup-Ausflug sowie einer ersten EP als Yim Yames und sonstigen Kollaborationsarbeiten der naheliegenste Schachzug für den 34 jährigen. Will James doch weiterhin auf zahlreichen Hochzeiten tanzen und sich auf keinen Genrestuhl festnageln lassen. Was dann aber eben leicht und nur allzu oft in die Hose geht, gelingt auf ‚Regions of Light and Sound of God‚ doch ganz ansehnlich, versteht es der Mann aus Kentucky doch, seine mannigfaltigen Interessen absolut homogen aneinanderzufügen. Und ganz objektiv: alleine aufgrund der heimelig virtuosen Singstimme des My Morning Jacket-Vorstandes bewegt sich das nur auf den ersten Blick weit weg vom psychedelischen Country-Folk-Rock seiner Stammband. Dabei sind Überschneidungen schnell ersichtlich und mehr noch, vielleicht ist ‚Regions of Light and Sound of God‚ sogar eine späte Klarstellung, wie das verstörende Prince-Experiment ‚Evil Urges‚ 2008 ohne faule Bandkompromisse und waghalsige Spagate klingen hätte können.

Ist der Funk auf ‚Regions of Light and Sound of God‚ doch diesmal nicht das aus der Reihe tanzende Element der Unstimmigkeit, sondern der verbindendende Fugenkitt zwischen all den anvisierten Genres. In die sanft perlende Pianoballade ‚State of the Art (A.E.I.O.U.)‚ kriecht er etwa unheimlich gefühlvoll und leise mit einem sanften Beat hinein, bis sich der Soul aus allen Poren schmiegt. In der schwelgenden Beach Boys-Verneigung ‚Of the Mother Again‚  gleitet er (mittels Dr. Dog-Sample!) bereits vollkommen selbstverständlich aus den Boxen, im unwiderstehlichen Groove von ‚Know Til Now‚ mit viel Geschick, ohne Schweiß aber dafür reichlich Herz, tiefen Bass und reichlich schiebenden Synthies (wurden hier Tantiemen an Will Smith bzw. The Whispers gezahlt?); um nach fünf Minuten Spielzeit doch noch die Kehrtwende zum jazzigen Lounge-Modus durchzuziehen: mit Konserven-Trompeten, verdammt geschmeidig und stets elegant. ‚A New Life‚ ist dagegen eine zurückgenommen stompende Gitarrenpopnummer die zu schüchtern für den Sommer geraten ist und doch irgendwann groß im 60er-Stil aufbricht. ‚All Is Forgiven‚ gibt den orientalischen Schlangenbeschwörer, ‚Exploding‚ dümpelt als sehnsüchtiges Gitarrengezupfe angenehm dahin, in ‚God’s Love to Deliver‚ klimpert das Banjo.

Auf ‚Regions of Light and Sound of God‚ geschehen Ausfallschritte ohne großes Aufsehen, selbst die pompösen Streicher-Gesten von ‚Actress‚ geschehenohne viel Trara – was weniger der im Text stets so gottesfürchtigen Grunddemut zu verdanken ist, als der weichen Produktion von James selbst, die jeden weitreichenden Gedanken des versierten Musikers und seiner Erfüllungsgehilfen ohne jegliche Kauzigkeit zusammenhält, niemals so pompös klingt, wie die Platte eigentlich ist – und das Experiment Soloalbum hier reibungslos verlaufen lässt. Gerade etwas weniger Reibungslosigkeit hätte dem permanent so formvollendeten ‚Regions of Light and Sound of God‚ jedoch nicht schlecht getan – der kleine Funke Genialität, der My Morning Jacket immer wieder und zuletzt auch auf ‚Circuital‚ auszeichnet, er fehlt hier schlicht. Die großen, klassischen James-Melodien, sie lassen die Kirche im Dorf, wissen um ihre eigene Schönheit und führen diese stimmig vor, greifen aber nie nach den Sternen.
Es bleibt die zufriedenstellende Erkenntnis, dass nicht jeder Soloausflug den Schulterschluß zwischen Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung sein muß und James auch abseits seiner Band zu Betörendem fähig ist – vor allem aber auch die leise Vorahnung, dass dieses neue Kreativventil nicht zuletzt dem Fokus von My Morning Jacket auf Dauer äußerst guttun wird.

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