Khruangbin – Mordechai

von am 13. August 2020 in Album

Khruangbin – Mordechai

Einen besseren Zeitpunkt hätten Khruangbin für die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums kaum ausdenken können: Mit Texas Sun im Rückspiegel, der aufgeloderten Gunst des Feuilletons unter den Flügeln, sowie dem Sommer vor Augen, feiert Mordechai die Leichtigkeit des Seins.

Mit einer breiten Beachtung auf ihrer Basis wie nie zuvor, schaltet das texanische Trio ohne Druck auf Autopilot, im Wissen damit nichts falsch machen zu können: Die exotische Melange aus latent psychedelisch angehauchtem Lounge-Soul-Funk-Dub-Rock mit Easy Listening-Garantie, zurückgelehnt und tiefenentspannt, trifft aktuell offenbar einfach einen Nerv – die Aufmerksamkeit ist diesmal von vornherein vorhanden.
Das Problem im dritten Anlauf der Texaner: Selbst ohne schwachen Song vermisst man mittlerweile doch auch die dezitierte Leidenschaft in der Performance, wo absolute Kompetenz im Gefühl und der zelebrierten Technik von Khruangbin herrscht. Alles agiert so unangestrengt, was ja an sich auch elementarer Teil des Reizes hier ist, doch geht dies diesmal so weit, dass Mordechai seinen Chill Out-Faktor bis zur Middle of the Road treibt und letztendlich gar nicht mehr Ambitionen zeigt, als nebenbei im Hintergrund plätschern zu wollen. Wo sich nichts aufdrängt bleibt so auch nur wenig konkretes direkt hängen.

Meist stemmen die sanft addierten, homogen im Klangbild gewachsenen Vocals von Lolo alleine die Griffigkeit, die instrumentale Seite versteht ihre Aufgabe primär im ästhetischen und atmosphärisch Bereich – als würde man von einem Bild die Farben und Stimmungen wahrnehmen, aber keine erinnerungswürdigen konkreten Konturen, Formen, Ideen oder Szenen behalten – nur das tolle Father Bird, Mother Bird kann insofern über seine wundervoll nostalgisch perlende Gitarre nachhaltigen Eindruck hinterlassen, während Shida als getarntes Instrumental abseits seines martialisch gehauchten Titels ausnahmslos flüchtig bleibt.
Insofern ist Mordechai gewissermaßen eine Fingerübung in angestammten Trademarks, die sich in Gefälligkeit und dem Ambiente verliert, keine pointierte Prägnanz (oder zum Punkt) findet, lieber mäandernd schwadroniert und Passagen in die Länge zieht oder repetiert. Am markantesten wird dies in One to Remember deutlich, das als ätherisches Foreshadowing der besten Nummer der Platte wie ein eigentlich belangloses Interlude anmutet, aber knapp fünf enervierende Minuten berieselt.

Und trotzdem – aber auch gerade deswegen! – forciert Mordechai eine extrem angenehm zu konsumierendeund aufwandten entschädigende, zwanglose Heavy Rotation, als Soundtrack sonniger Tage und wohliger Lagerfeuerabende.
Gleich First Class etabliert diesen unendlich smooth in die 70s streichelnden Groove im herrlich organischen Sound, die Gitarre hallen wie in Trance zum satten Rhythmus. Der Gesang könnte auch energisch skandieren, als verträumt wiegende Elegie passt er aber ohnedies stimmiger. Time (You and I) ist ein Ohrwurm, mit seinen zackig im Reverb wabbernde Achtel-Disco-Gitarren, der eher auf Monotonie und eine lose jammende Ziellosigkeit, denn auf kompakte Strukturen setzt. Connaissais de Face schwänzelt nonchalant um ein storytellendes Sample, bietet seine Hook dann wie nebenbei im Geiste Baxter Durys an. Das somnambule If There Is No Question balsamiert sich selbst den Bauchnabel und Pelota assoziiert entlang seiner Cowbells Santana in zahm, bevor auch Dearest Alfred in offenkundiger Spannungslosigkeit einlullt.
Dass all dies eben nett und gut, aber in keiner Relation zum tatsächlichen Leistungsvermögen von Khruangbin steht, daran ist auch das flotte, überragende So We Won’t Forget schuld, dass in seinem knackigen, catchy Verve einen entwaffnend zeitlosen Schatten über diese betörende Brise von einem Sommeralbum wirft.

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