Twisted Teens – The Holy Cross Tigers
Die Twisted Teens Caspian Halliwell und RJ Razor Ramone Santos sind mit The Holy Cross Tigers – oder, wie es das Label selbst so gerne bezeichnen möchte: The Burgundy Album – bei Sub Pop angekommen.
Geändert hat sich deswegen für die Band, die aktuell einer Release-Mentalität jenseits von Charley Crockett, King Gizzard oder Guided by Voices ausgestattet ist, grundlegend wenig.
Immer noch klingt sie mit ihrem countryesk Punk Rock’n’ Roll, als hätte man in einer Anarcho-Garage in New Orleans die gar nicht so entfernten Verwandte von Parquet Courts und Viagra Boys gleichermaßen aufgetrieben. Ebenso wichtig: Immer noch bleibt das Verhältnis aus Quantität und Qualität absolut stimmig, die unkomplizierten Ohrwürmer geben sich beseelt die Klinke in die Hand.
Weswegen es auch nichts macht, dass The Holy Cross Tigers mit den beiden diesjährigen Vorgängern Blame the Clown und vor allem Florida Water Blues nicht ganz mithalten kann – viel Boden verliert man schließlich nicht,.
Gerade die erste Hälfte liefert aber ohnedies zuverlässig mit der bewährten süchtig machenden Formel. Stalks schrammelt wie ein vergessener LoFi-Klassiker aus den rumpelnden Boxen, hat in der Gesangsmelodie eine wunderbar tröstende Melancholie, während die Pedal Steel heult. When We First Met zieht neben dem Tempo knackiger rockend mittels der gedehnten Vokale auch die hymnische Komponente an, Blue Rose agiert ebenso simpel, straight und schmissig (aber weniger zwingend hängen bleibend). Be an Angel nutzt die oft abrupten, alles spontan zusammengefügt scheinen lassenden Momentaufnahmen-Cuts zwischen Tracks für einen ätherischen Beginn, rumpelt dann gedrosselter mit gemütlichen Vehemenz im Saft stehend – quasi mühelos gekonnt!
Und mit I Spend My Time Crying, das seine Drum Machine zu einem zurückgelehnteren Groove programmiert, schunkelt im Herzen ohnedies ein veritables Diskografie-Highlight: einmal mehr steht es den Twisted Teens rundum großartig, wenn sie in den balladeskeren Modus schalten.
Sobald das Zwischenspiel Blue Flower am Billo-Keyboard mittels einer tanzbar kaputten Trance den Schwung herausnimmt, fällt The Holy Cross Tigers auch höchstens einer relativen Redundanz anheim: Klar kennt man das mittlerweile alles sehr ähnlich aus der Hinterhand, aber nicht notwendigerweise immer (deutlich) besser.
I Bring läuft gniedelnd am Americana-Highway rockend dahin, kurz und gut, wo Look in the Mirror mit dem Händchen der Twisted Teens für tolle Hooks direkter übernimmt, aber melodisch und ansatzweise auch rhythmisch interessanter. Das weirde Lock And Key lässt erahnen, wie die Band in Urlaubsstimmung klingen könnte und Figure it Out verneigt sich vor Velvet Underground, um mit Leichtigkeit nach vorne tänzelnd zu stacksen.
Armed With a Vision korrigiert den deliranten Ambient-Einstieg bald, um in gewohnten Pfaden den eingängigen Standard zu pflegen. Every Flower stampft mit Keyboard-Liebe unaufgeregt bis zum gesampelten Outro, hinter dem Darker the Night Is the Brighter I See den Singalong in der Gemeinschaft reduziert und ruhig zum Mantra macht. „More that you see, the darker it goes“ klagt Halliwell am Ende einer Odyssee durch neugegefundene Liebe und gebrochene Herzen, durch Messerstiche in den Rücken und unverwüstliche Freundschaften, das Licht am Ende des Tunnels stets vor Augen habend: The Holy Cross Tigers verschwendet keinen Umstand daran, dass es einem größeren Publikum begegnen wird als seine drei Vorgänger, sondern trägt lässig und ocker seinen slackerhaften Teil dazu bei, dass Twisted Teens die mitunter größten Gewinner dieses Jahrganges sein werden.


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