Linkin Park – The Hunting Party

von am 8. Juli 2014 in Album

Linkin Park – The Hunting Party

Ohne Rick Rubin am Produzentenstuhl finden die Nu Metal-Alternative Rocker wieder zu weniger Elektronik, mehr Gitarren und einem gesteigerten Unterhaltungswert zurück: „The rawest, heaviest and loudest Linkin Park record ever“ ist die beste Platte der Band seit (mindestens) ‚Meteora‚, daneben aber auch ein unaufgeräumtes und anbiderndes Album, dem nach der Hälfte die Puste ausgeht.

Von „Black Metal Elementen“ und „90s Hardcore-Punk-Thrash“ war im Vorfeld die Rede und man kann es bereits erahnen: derart weit aus dem Fenster gelehnt ist ‚The Hunting Party‚ nun nicht, obwohl das sechste Album der Band durchaus auf einige Überraschunsmomente bauen kann. Der Auftritt von Tom Morello in ‚Drawbar‚ ist etwa so einer, wenn auch nur deswegen, weil der Bruce Springsteen-Spezi einmal nicht mit seinem patentierten Quietsche-Solos durch den Song geistert, sondern im Hintergrund eines angenehm plätschernden Instrumental-Interludes verheizt wird. Markanter wird Daron Malakian in Szene gesetzt – dass der ‚Rebellion‚ mit hornissenartigem Riffing erst nahtlos Richtung System of a Down schrubbt und dann mit käsiger Synthielinie schnurstracks inmitten einer schmierigem Blind Guardian-Vikingerhymne und billigsten Gigi D’Agostino -Mitgrölschmalz platziert ist mindestens so unerwartet – wie unangenehm.

Dabei holt ‚The Hunting Party‚ hier, vor allem aber in seiner impulsiven Eröffnungsphase mit überbordenden Tatendrang eine erfrischende Spielfreude und Atemlosigkeit zurück, die den herzlich egalen Vorgängerplatten ‚A Thousand Suns‚ und ‚Living Things‚ vollends abging. In dem wild zusammengelöteten Opener ‚Keys to the Kingdom‚ prallen galoppierende Hardcore-Drums auf typisch supereingängige Hooks, Blockbuster-Tauglichkeit auf den Pit und am Ende steht nicht weniger als der beste Linkin Park-Song seit Ewigkeiten. Das gelungene ‚Guilty all the Same‚ nimmt sich dann eine lange Anlaufzeit um als Startrampe für einen motivierten Rakim zu dienen. Dazwischen funktioniert sogar ‚All for Nothing‚ als prollige Helmet-Party durchaus zielsicher (zumindest nicht weniger belanglos als der Großteil dessen, was Page Hamilton in den Jahren seit der Réunion seiner einst so legendären Band veröffentlicht hat) – das obwohl Linkin Park sich in Summe bei den nach Credibility suchenden Features nicht als reziproke Kooperationspartner erweisen, sondern eigentlich nur Trademarks ihrer Gäste adaptieren – besonders wagemutig ist das angesichts der sich überschneidenden Fanbasen freilich nicht, effektiv aber sicherlich.

Was eingangs noch als experimentierfreudiger Hunger durchgeht entpuppt sich deswegen auch spätestens nach dem hastig hinterhergeschobenen Punksprinter ‚War‚ („1,2,1,2,3,4!“ und der Pre-Chorus von ‚Ich, Roque‚) auch als leichte Orientierungslosigkeit: wo man auf der einen Seite nicht genug Inspiration für eine originäre und konstante Entwicklungen aufbringt, steckt der proklamierte Schritt zurück auf der anderen Seite ohnedies längt zu sehr darin fest den Millionen Käufern der bisherigen Alben adäquate Ohrwürmer im vorhersehbaren Spannungsfeld aus Pop und Alternative Rock mit Netz und doppeltem Boden servieren zu müssen: mit Fortdauer ermüdet ‚The Hunting Party‚ zunehmend. In ‚Until It’s Gone‚ parken also käsige, von Orgy entliehene Synthies unter einer ausrangierten Coldplay-Melodie während ein ‚Mark the Graves‚ zur beiläufigen Stadion-Geste ausholt, das superplatte ‚Final Masquerade‚ noch nicht einmal vor billigen „Ohohohoos“ zurückschreckt um Stimmung zu entfachen, ‚A Line In The Sand‚ allzu ausgiebig im Pathos badet oder ‚Wastelands‚ vor allem nach 0815-Sicherheit klingt. Eine gelungene erste Hälfte alleine macht da natürlich noch keinen Sommer, dennoch korrigiert Album Nummer Sechs trotz himmelschreiend banaler Vorschullyrik die seit dem Debüt konsequent fallenden Qualitätskurve wieder nach oben.

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