LNZNDRF – LNZNDRF

von am 28. März 2016 in Album

LNZNDRF – LNZNDRF

Weiter draußen als der organische Mikrokosmos auf PfarmersGunnera‚, funkelnden Melodien (zumindest phasenweise) aber ähnlich wenig abgeneigt wie das El Vy-Ohrwurmfließband ‚Return to the Moon‚: Scott und Bryan Devendorf schließen sich mit Beirut-Mann und Sufjan Stevens-Kollaborateur Ben Lanz zusammen, um das dritte namhafte The National-Seitenprojekt seit ‚Trouble Will Find Me‚ zu initiieren.

LNZNDRF existieren seit 2011 und haben somit für ihre fraglich kreative Wahl beim Bandnamen eindeutig kürzer gebraucht, als es dauerte um für Ihr Debütalbum 8 Songs zu destillieren. Das Trio hätte diesbezüglich aber auch gleich keinerlei Trennstriche in der Trackliste ziehen müssen: Den Ursprung von LNZNDRF als Jamband, als Improvisationsprojekt, das auszog um die Grenzbereiche und Verbindungsbrücken von Indie-, Kraut- und Space-Rock abseits der eigenen Komfortzone zu erforschen, hört man den versammelten 42 Minuten, aus über halbstündigen Expeditionen herausgearbeiteten Übungen in Sachen „rock minimalism meets sonic maximalism” nun zu jedem Augenblick an.
Was letztendlich gleichzeitig den immensen Reiz dieser Reise ausmacht, wie auch ihren gravierenden Schwachpunkt. Wenn sich die zweite Albumhälfte mit Ausnahme der sanften E-Drum-Dreampop-Zurücklehnung ‚Monument‚ samt Vocoder-Stimme nämlich ziellos in einer instrumentalen, freigeistigen Zwanglosigkeit verzettelt, ohne zwingende Ideen um den eigenen Bauchnabel rotiert und ‚LNZNDRF‚ letztlich zu unverbindlich, ohne Fokus und Schärfe ausklingt, ist das ein idealer Score um den Alltag auszuschalten. Bis zur kaum packenden, wenig mitreißenden Berieselung ist es allerdings auch nicht weit, zur Langeweile Dank atmosphärischer Stimmung und entsprechender Vorarbeit aber immer noch eine enorme Distanz.

Über weite Strecken ziehen LNZNDRF auf ihrem Einstand ohnedies unmittelbar in ihren Bann, auch ohne sich der Griffigkeit Ihrer Stammbands zu bedienen (Bryan Devendorf lässt sogar eine gefühlte Ewigkeit warten, bevor er seinem Spiel altbekannte Trademarks abverlangt).
Schon ‚Future You‚ verlässt sich vor allem auf die hypnotisierende Sogwirkung der perfekt eingespielten Ryhthmussektion, das präzise dahinlaufende Schlagzeug und der staubtrocken pumpende Bass tragen das krautige Geschehen, der von der Trompete zur Gitarre und dazu in die erste Reihe gewechselte Lanz spielt sein Instrument abstrakt, setzt flirrende Akzente, die die die Psychedelik suchen, das Vage, auch das Lehrbuch von Neu!, Kraftwerk und Co. Das atmet die selbe Zeitlosigkeit, Dichte und Präsenz in der Magengegend und Weite in der Imagination, die man seit der Sendepause der Secret Machines so schmerzlich vermisst hat.
Für Ersatz wollen LNZNDRF freilich nicht sorgen. Dafür pflückt gleich ‚Beneath the Black Sea‚ seine verträumte, mantraartige Melodie gar zu vorsichtig aus dem Halbschlaf, macht hinten raus immer hymnischer auf ohne konkret zu werden oder wirklich kräftig zuzupacken. Ohne Hast oder falsche Versprechungen driftet das Trio hin zu Modern English, Joy Division oder New Order. Zu diesem Zeitpunkt braucht man dann auch nur wenig Fantasie, um sich das Szenario trotz postpunkig kratzender Gitarre als lose Odyssee, ausgehend von potentiellem The National-Material, vorzustellen und praktisch keine, um sich vor dem inneren Auge auszumalen, wie sie das Trio mit geschlossenen Augen und der Trance nahe in ihre Klangwelten fallen lässt.

Während man also weitestgehend mutmaßen muss, dass ‚LNZNDRF‚ seine Intensität in konservierter Form nur bedingt beschwören kann – diese Soundtiefe muss wohl nicht nur gehört, sondern gespürt werden, um seine restlose Sogwirkung zu entfalten -, spielen LNZNDRF doch immer wieder ein Faible für mehr Zugänglichkeit, forcierte Melodien und Eingängigkeit aus der Hinterhand – eben wie kurzzeitig verfolgte Geistesblitz-Inseln in einem Meer des meditativen Forschens, einem schier endlos anmutenden Treiben in einem sich verselbständigenden Nebelgewächs. Spätestens ‚Mt Storm‚ erforscht auch für die Musiker neue Welten entlang elegischer E-Drums und distanzierter Synthies – doch was als Soundtrack für Weltraumdokumentationen und Science Fiction-Fieberträume beginnt, hat dann plötzlich einen groß aufmachenden Refrain parat.
Kind Things‚ hantiert dagegen mit Unterwassereffekten auf Lanz‘ generell zu eindruckslos unspezifischer Stimme, zündet flapsiger als der Rest, so dass sich selbst Yeasayer nicht über die launig ausgelassene Hookline ärgern würden. Dass dieser gefühlten und tatsächlichen Session-Aufnahme danach immer mehr die Luft ausgeht ist dann eben in vielerlei Hinsicht enorm schade, ändert aber nichts daran, dass man sich mit einem stärker ausformulierten Masterplan auch in Zukunft nur zu gerne auch am Tonträgermarkt noch einmal mit LNZNDRF auf Sinnsuche ihrer Existenz – und fehlenden Vokalen -begeben würde.

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