Sunn O))) – Sunn O)))
„We’d Like to thank the Parents of Black Sabbath for „Raw Doggin‘ it““. Tatsächlich inszenieren Stephen O’Malley und Greg Anderson ihr zehntes Studioalbum aber als puren Liebesbrief an Sunn O))) selbst.
Nach Evil Chuck / Ron G Warrior sowie Eternity Pillars / Raise the Chalice & Reverential ist das in Rothko-Kunst verpackte erste Album der Drone-Mönche nicht umsonst selbstbetitelt: 80 Minuten lang suhlen sich O’Malley und Anderson erstmal ohne Gäste arbeitend alleine in der Chemie als Zweiergespann, destillieren quasi die pure Drone-Essenz von Sunn O))) mit enorm voluminösem Minimalismus aus tektonisch vibrierenden Saiten – ganz so, wie auf es die jüngsten Shoshin (初心) Duo-Konzerte (auch in Form einiger dort ihre Premiere feiernden Stücke) vorweggenommen haben.
Produzent Brad Wood hat diesem archaischen Ansatz eine möglichst naturalistische Aufarbeitung verschrieben.
Neben Is a River Alive? von Robert Macfarlane, der auch die Liner Notes der Platte verfasst hat, fungiert der Entstehungsort von Sunn O))) als eine zentrale Inspirationsquelle der zusammengetragenen sechs urgewaltigen Exerzitien. Aufgenommen, gemischt und produziert in einer umgebauten Scheune in Bear Creek prägte die ländliche Umgebung den Charakter des Trademark-Sounds fundamental, wie O’Malley deklariert: „We could go hiking and be out in the woods, spend time outdoors. That became a big part of it. (…) We opened up these giant doors and the doors to the kitchen leading out into the outside on the left and right side of the studio and just blasted their music out, and then set up microphones a couple hundred yards away from each other—like the world’s largest stereo array of room mics.“
Obwohl die einzelnen Songs-Monolithen von geographisch geprägten Field Recordings unterspült laut Wood dazu stets von 130 bis 180 Gitarrenspuren getragenen werden, und der Nachfolger des 2019er Alibin-Tandems Life Metal und Pyroclasts absolut fabelhaft klingt, ist es natürlich kein Vergleich zur physischen Erfahrung einer ohnmächtig machenden Live-Show des Duos. Allerdings bricht man die universelle Formel von Sunn O))) so tatsächlich erfolgreich auf einen regelrecht existenzialistischen Level hinunter und öffnet hinter so viel offenem klanglichem Raum damit – zumindest absolut relativ im Kontext der restlichen Diskografie von O’Malley und Anderson betrachtet – einen verhältnismäßig geradezu verdaulichen Blick auf den Signature Sound der Band.
XXANN plätschern von nahen Fluss weg und flirtet mit abrassiveren, disharmonischen Tendenzen, zelebriert aber primär jene tonnenschweren Umschichtungen endlos schwererer und massiver Saiten, wie das so nur Sunn O))) können. Im puristischen Spektrum röhren die Frequenzen gerade hinten raus oszillierend, als würde man unter der Turbine einer fliegenden Stadt stehen, die dunkel und bedrohlich die tyrannische Majestät einer auslaugenden Konsequenz beschwört. 18 Minuten Spielzeit verfliegen als Rausch, fast schon zu rasant: wenn der heulende Abschied abrupt abgewürgt wird, hätte es gerne noch ewig in dieser Gangart weitergehen können…
…was es eigentlich ja auch tut.
Does Anyone Hear Like Venom? stellt ruhig schleichend eine Frage, die jeder, der die Band unlängst live gesehen hat, mit „Ja“ beantworten kann. Unheilvoller Suspence und ziseliertes Feedback sticheln jedenfalls beklemmend bis zu einer Art theatralisch-schwülstigem „Solo“, hinter dem Butch’s Guns mit seinem Abblenden und Neustart aus der Komfortzone reißt, um eine kathartische Machtdemonstration in Bewegung zu setzen. Mindrolling ist pures Drone-Kung Fu. Eine meditative, hypnotisch Trance, sich kontemplativ in Geduld übend, während die Wälle aus Riffs verschwimmen. Aufregend? Nicht wirklich. Aber endlos befriedigend.
Denn spätestens ab Everett Moses sind die stilistischen und inszenatorischen Limitierungen weniger Redundanz, als ein kontinuierliches, konsequentes, erbarmungslos demonstrierende
Dass Glory Black als Closer und erste, eindeutig identifizierbare Single besonders griffig startet, um nach vier Minuten mitbringen Klavier-Kammerspiel mit dem einzigen Überraschungsmoment der Platte aus dem Rahmen zu fallen, nur um ihn danach umgekehrt proportional explizit homogen zu schließen, passt zu diesem Charakter: Sunn O))) haben bis 2009 noch ikonischere Alben aufgenommen – seit damals ist aber noch kein besseres, als dieses durch und durch essentielle hier.


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