Lucy Dacus – 2019

von am 9. November 2019 in EP

Lucy Dacus – 2019

Nach dem Durchbruch mit ihrem Zweitwerk Historian und der kleinen BoygeniusGroßtat widmet sich Lucy Dacus 2019 nur einem EP-Format, das ihre in den letzten Monaten veröffentlichten Singles zusammenfasst.

Passend zu sieben (mehr oder minder offiziellen) Feiertagen hat Dacus im vergangenen Jahr ursprünglich ebenso viele alleinstehende Songs veröffentlicht, die nun zu einer thematisch kohärenten Mini-Sammlung gebündelt vor allem das Problem unterstreichen, dass es sich bei über der Hälfte des Materials um Fremdinterpretationen handelt. Ob es nämlich schlau ist nahezu ausnahmslos Nummern zum Covern zu wählen, an denen man sich praktisch nur verheben kann, weil die Fallhöhe durch die mitunter ikonische Prominenz der Originale so überlebensgroß ist, muß zumindest dahingestellt sein.
Dacus zieht sich insofern halbwegs ordentlich, weil ohne nachhallende Blamage, aus der Affäre, kann 2019 aber durch die Vorgabe seiner von auswärts herangezogenen Stücke in Summe letztendlich nicht über den Eindruck einer kaum essentiellen Fingerübung mit überschaubarem Mehrwert heben.

Hält sich Dacus nämlich nahe an den Originalen, sind die Ergebnisse stimmungsvoll, aber relativ redundant. Das kurzweilig abholende Dancing in the Dark bleibt (zur Feier der Geburtstage von Springsteen und Dacus‘ Vater veröffentlicht) etwa ein straighter Rocksong ohne Schnörkel, ordentlich und uninspiriert gespielt, geht jedoch als Tribut rundum klar. Das Halloween-Stück In the Air Tonight ist ohne den selben überschaubarem Enthusiasmus eine mutlosere Routinearbeit, die sicherlich souverän ihren Job erledig. Wie wenig Euphorie der eigentlich so erhebende Ausbruch der Drums hier jedoch auslöst, ist dann aber doch verdammt ernüchternd und sogar ein bisschen frustrierend.
Taucht Dacus fremdes Material dagegen durch Indierock-Beschleunigungen an, hat das in seiner naheliegender Einfachheit einen sympathischen Schülerliga-Charme, weil jedes kreativ-bedeutungsschwere Gewicht gegen eine nonchalante Lockerheit mit simpler Ambitionslosigkeit taucht. Der Valentinstagsstrauß La Vie En Rose verlässt sich jedenfalls ganz auf seine antreibenden Rhythmussektion und ein Fernsehgarten-Piano, kann auch eine niedliche Aufbruchstimmung erzeugen, bleibt dabei aber jenseits des Chansons so erfrischend wie harmlos und egal. Last Christmas muß sich dafür sowieso den Vorwurf gefallen lassen, dass man von dem unvermeidlichen Weihnachts-Evergreen hier mutmaßlich zum ersten Mal in diesem Jahr belästigt wurde – leider nicht in wirklich funktionierender Überarbeitung. Dacus gibt sich zwar Mühe mit besonders flotter Rockkante vorneweg zu drücken, agiert sinnbildlich für diesen Modus allerdings viel zu handzahm und bieder arrangierend. Der an sich naive Ansatz der Perspektiven verpufft so in der Eindimensionalität.

Das Problem ist also weniger ein zu charakterscheue Interpretationsansatz, als eher die ziemlich uninteressante Gefälligkeit und überschaubare Inspiration hinter den nicht unangenehm zu konsumierenden Versionen. Die drei rundum gelungenen Eigenkompositionen sind deswegen auch der weitaus substanziellere Grund 2019 doch noch ins Herz zu schließen.
Der wirklich sehr feine Jahresbeginn Fool’s Gold ist eine verträumt zu stringent abgedämpften Beat klimpernde und klampfends Sparsamkeit an der Akustikgitarre und dem Piano, wundervoll zärtlich, aber nicht schüchtern, die sich zudem nach und nach in subtile Streicher legt. My Mother & I klingt wie minimalistische Beirut in einnehmender Atmosphäre – gerade wenn die Konturen gegen Ende immer dichter kontrastiert werden. Und die nett schunkelnde Country-Annäherung Forever Half Mast rockt dann nach einigem Müßiggang irgendwann auch etwas markanter und bestimmter, geht endlich aus sich heraus  und unterhält zuletzt nicht nur als nebensächlich-nette Randnotiz der guten Songwriterin Dacus, die eben nur ein limitiert-überschaubares Talent als Cover-Künstlerin hat.







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